Dieter's Klavierseiten

Datenarchiv des Klavierbaus

Dieter's Klavierseiten

Geyer, Adolf

Melanie Brigitte Weber ist Kunsthistorikerin und vieles mehr: siehe: https://www.epubli.com/autoren/melanie-brigitte-weber-34985

Sie recherchierte die Geschichte der

Pianoforte-Fabrik A. Geyer – Hoflieferant des Herzog von Sachsen-

Altenburg

Wir schreiben das Jahr 1885 in Eisenberg, mit etwa 5.000 Einwohnern ist die Stadt in

Thüringen nicht allzu groß, aber auch nicht gerade klein. Hier blüht das Handwerk, und

man hat sich vor allem auf eines spezialisiert: Teile für Klaviere und Flügel.

Auf halbem Weg zwischen Jena und Gera gelegen, in einer sanften Hügellandschaft im

Bereich der Saale-Elster-Sandsteinplatte, befindet sich die Stadt Eisenberg großteils auf

einer Hochebene. Das Umland ist bewaldet, Holz steht reichlich zur Verfügung. Die Stadt

ist alt, im 12. Jahrhundert gab es hier bereits ein Schloss, das im Auftrag des Markgrafen

von Meißen errichtet worden war. Die ältesten Teile der Stadtbefestigung datieren auf

1171 zurück, 1219 wurde hier ein Zisterzienserinnenkloster eingerichtet. Und die Stadt

wurde in in diesem Jahr erstmals als civitas erwähnt. In den 1930er Jahren gibt der

Poststempel dann an: „Eisenberg – weltberühmt durch seine Pianos“.

Am 5. Juni 1885 kam es zu einem handelsgerichtlichen Eintrag der Firma Tuch & Geyer,

einer Fabrik für Pianinos und Flügel, in eben jener altehrwürdigen Stadt. Die geschäftliche

Vereinbarung zwischen dem Herrn Hermann Tuch in Magdeburg und Adolph Geyer in

Eisenberg hatte schon länger bestanden. Pianinos und Flügel wurden von der Firma

Geyer in Eisenberg seit 1877 produziert. Es war die erste Klavierbauerwerkstatt in

Eisenberg. Eisenberg sollte in den nächsten Jahren zu einer Klavierbauerstadt werden,

wie es der Poststempel gut 60 Jahre später bezeugen würde. Wer war dieser Herr Adolph

Geyer, mit dem alles begann?

Adolph Geyer, Pianist, Klavierbauer, Weltreisender

Adolph Geyer wurde 1846 als dritter Sohn des Eduard Geyer geboren. Eduard Geyer war

in Eisenberg und weit darüber hinaus als Klavierlederfabrikant bekannt und unterhielt ein

florierendes Geschäft. In diesen Jahren war es üblich, dass einige Teile der Mechanik, der

Dämpfung und der Hammerköpfe in Klavieren und Flügeln aus Leder gefertigt wurden.

Das kleine Unternehmen des Herrn Geyer senior war keine Seltenheit: In Eisenberg gab

es derzeit zahlreiche kleine Handwerksbetriebe, die Einzelteile für die Tasteninstrumente

anfertigten. Es gab auch den ein oder anderen Klavierbauer. Die Ein-Mann-Betriebe,

heute würde man sie Solo-Selbständige nennen, waren für ihre hervorragende

Handwerkskunst bekannt, konnten aber nicht in großen Mengen produzieren. Eduard

Geyer arbeitete mit seinem Bruder Wilhelm Geyer zusammen, die Brüder wurden im

Amtlichen Bericht über die Wiener Weltausstellung im Jahre 1873 (Band 2) für ihr „sehr

dauerhaftes, elastisches Mechanikenleder“ erwähnt. Man hatte es also in der Familie

Geyer schon früh über die Grenzen Thüringens hinaus geschafft.

Der junge Adolph Geyer wuchs in Eisenberg auf, absolvierte im ehemaligen Zenkerschen

Institut in Jena die Schule und lernte bei Hölling & Spangenberg in Zeitz das Handwerk

des Klavierbauers. Hier waren auch Julius Blüthner und Adolf Schiedmayer in der Lehre.

Wir wissen wenig über die Zeit, die Adolph Geyer bei Hölling & Spangenberg verbrachte.

Die Lehre schien unauffällig vonstatten gegangen zu sein. Was wir wissen: Adolph Geyer

spielte selbst exzellent Klavier, in seiner Kindheit und Jugend befasste er sich also auch

vom Standpunkt des Pianisten aus mit dem Instrument. Er lernte später in verschiedenen

größeren Pianoforte-Fabriken in Deutschland. Allerdings reichte ihm nicht, was er in

Deutschland lernte. Er verließ nach einigen Jahren Deutschland und setzte seine Lehre in

Kanada und den USA fort. Die einzelnen Stationen lassen sich nicht mehr ganz

nachvollziehen, eine ist jedoch bekannt: In New York lernte er bei Steinway & Son. Hier

ließ er sich als Konstrukteur und Intonateur ausbilden. Als er 1877 nach Deutschland

zurückkehrte, errichtete er seine eigene Fabrik und baute Klaviere nach dem Vorbild der

Instrumente, die er in New York kennengelernt hatte. Er warb mit dem Zusatz „Steinway

System“. Die Pianinos und Flügel waren kreuzsaitig bespannt, wie Adolph Geyer das bei

Steinway & Son gelernt hatte. Die Firma Pianoforte-Fabrik A. Geyer war in der Tat die

erste Pianofabrik von Eisenberg, gegründet am 2. Dezember 1977 in der Neuen Straße

Nr. 13/15. Zu Ehren des Herrn Adolph Geyer wurde die Straße umbenannt, heute heißt sie

Adolph-Geyer-Straße (umbenannt erst in Wilhelm-Straße, dann am 5. August 1926 in

Adolph-Geyer-Straße).

1879 stellte Adolph Geyer ein Pianino aus der eigenen Fabrik für den musikalisch

theatralischen Abend im Rahmen des Sedansfestes zur Verfügung. Wir wissen heute,

dass das Instrument begeisterte, man verglich es mit den besten Instrumenten aus

auswärtigen Produktionen. In den folgenden Jahren wurden immer wieder gebrauchte

Pianinos und Tafelklaviere im Hause Geyer angeboten: Man stellte hier nicht nur Klaviere

und Flügel her, sondern restaurierte, reparierte und überarbeitete auch gebrauchte

Instrumente anderer Hersteller. Genau genommen hatte Adolph Geyer also nicht nur eine

Pianoforte-Fabrik gegründet, sondern eine Werkstatt zur Reparatur und zum Bau von

Pianinos, Tafelklavieren und Flügeln.

Erst sieben Jahre später folgte seinem Vorbild sein eigener Schüler Robert Weissbrod mit

der Gründung einer eigenen Pianoforte-Fabrik in der A.-Bebel-Straße 15, und 1887

gründete der frühere Geyer-Lehrling Albert Finger eine weitere Fabrik. Auch Josef Soph

war Lehrling bei Adolph Geyer und gründete später seine eigene Klavierfabrik in

Eisenberg. Zu diesem Zeitpunkt konnte man schon von der Klavierbauer-Stadt Eisenberg

sprechen.

Zusammen mit Hermann Tuch aus Magdeburg ließ Adolph Geyer also seine Pianoforte-

Fabrik 1885 ins Handelsregister eintragen. Die Handelsbeziehungen zur Firma Hermann

Tuch bestanden in den Jahren 1882 bis 1901, während dieser Zeit nannte sich die Firma

Hofpianofabrik Tuch & Geyer. 25 Jahre lang sollte das so bleiben.

1886, so konnte man der Zeitschrift für Instrumentenbau am 21. April 1886 entnehmen,

erhielt die Pianoforte-Fabrik Tuch & Geyer vom Herzog von Sachen Altenburg das

Prädikat als Hoflieferant. Diese Auszeichnung wurde 1908 erneuert. Im Juli 1886 war Tuch

& Geyer aus Eisenberg mit einem Stutzflügel und drei Pianinos an der Altenburger

Landesausstellung beteiligt. Zahlreiche weitere Firmen der Musikinstrumenten-Branche

waren auf der Ausstellung vertreten, darunter unter anderem auch Weissbrod & Pape aus

Eisenberg (Gründung durch Robert Weissbrod, einem Lehrling Adolph Geyers).

Bei den ausgestellten Instrumenten handelte es sich um einen Stutzflügel mit einer Länge

von 1,55 Metern. Das Instrument fiel mit einer angenehmen Spielart und einem guten Ton

auf, und er war so schön ausgearbeitet, dass er in der Zeitschrift für Instrumentenbau

(Ausgabe 06/32 vom 11. August 1886) besprochen wurde. Die Füße des Flügels waren

nach amerikanischem Geschmack schwungvoll ausgearbeitet. Auch die drei Pianinos

wurden besprochen: Eines davon war aus Nussbaum gefertigt und verfügte über

kunstreiche Schnitzereien. Die Instrumente fielen durch ihren kräftigen Bass mit klarer und

genau abgegrenzter Klangwirkung auf. Und das bemerkten die Rezeptionisten sogar in

der Ausstellungshalle mit ihrer unzureichenden Akustik, wie im Artikel der Zeitschrift für

Instrumentenbau nachzulesen war. Im September vermerkte das Magazin, dass die

Altenburger Landesausstellung Tuch & Geyer in der Gruppe XII (Instrumentenbau) den 1.

Preis eingebracht hatte, die Silberne Staatsmedaille.

Wie viele Ausstellungen die Instrumente von Tuch & Geyer insgesamt absolvierten, wo sie

überall vertreten waren, ist heute nicht mehr einfach nachzuvollziehen. Gelegentlich

werden Prämierungen in Zeitschriften erwähnt – aber viele sind aus dieser Zeit nicht mehr

erhalten. Was wir aber wissen: 1891 berichtete die Zeitschrift für Instrumentenbau am 1.

September, dass die Firma Tuch & Geyer im Earls Court in London ausstellte, und zwar

im Rahmen der „deutschen Ausstellung“. Man bedachte Tuch & Geyer mit dem

Ehrendiplom erster Klasse, was die höchste auf dieser Ausstellung verliehene

Auszeichnung war. Allerdings tauchte Tuch & Geyer in den Londoner Fachblättern nicht

auf, denn ausgestellt wurde das Geyer-Instrument in der Kollektiv-Ausstellung des

Magdeburger Kunstvereins. Der Kunstverein wurde genau genommen ausgezeichnet, was

die Zeitschrift für Instrumentenbau einen Monat später in der Ausgabe 12/01 auch

richtigstellte.

1895 finden wir die nächste Erwähnung der Hofpianofabrik Tuch & Geyer: Diesmal wurde

der Eisenberger Hersteller auf der internationalen Ausstellung in Bukarest mit der

goldenen Medaille bedacht.

In diesen langen Jahren fertigte man bei Tuch & Geyer zahlreiche Flügel und Klaviere, die

in der ganzen Welt gefragt waren. Hermann Tuch verstarb am 12. März 1897 in

Magdeburg, wodurch die Hofpianofabrik Tuch & Geyer einen Teilhaber verlor. Mit

Herrmann Tuch war ein ein weiterer hervorragender Pianist verstorben – denn auch er war

weit mehr als nur ein Geschäftsführer gewesen. Adolph Geyer führte die Hofpianofabrik

wieder unter seinem eigenen Namen weiter.

Adolph Geyer Nachfolger – ab 1902

1902 ging Adolph Geyer in Rente und verkaufte im selben Jahr den Betrieb an die Herren

Max Knopfe und Max Vollrath, die den Betrieb unter dem Namen Adolph Geyer

Nachfolger fortsetzten. Die beiden Herren waren verschwägert, Max Knopfe hatte in den

Jahren 1886 bis 1890 seine Ausbildung bei Adolph Geyer persönlich abgeschlossen. Die

offizielle Übergabe fand am 2. Januar 1903 statt. Noch im selben Jahr wurde das

Unternehmen aufgrund des Regierungsjubiläums Seiner Hoheit des Herzogs Ernst von

Sachen-Altenburg zu Hoflieferanten ernannt. Das Unternehmen wuchs unter den neuen

Inhabern Knopfe und Vollrath. 1905 wurde bekannt, dass ein Nachbargrundstück am

bisherigen Standort aufgekauft worden war und der Fabrikbetrieb vergrößert werden

sollte. Es ging also um den Ausbau der Fabrikationshallen. Wie genau die hohe Qualität

der Instrumente in dieser Werkstatt zustande kam, zeigt eine erst einmal unwichtig

erscheinende Begebenheit: Am 1. September 1905 vermeldete die Zeitschrift für

Instrumentenbau, dass der Tischler Wilhelm Heinecke sein 25jähriges Dienstjubiläum bei

Adolph Geyer Nachfolger feierte und sowohl von seinem ehemaligen Chef Adolph Geyer

selbst als auch von den neuen Firmeninhabern Knopfe und Vollrath geehrt wurde.

Heinecke hatte die Hofpianofabrik also seit 1880 begleitet. Es darf angenommen werden,

dass andere hervorragende Handwerker ebenso lange oder länger im Unternehmen

blieben. Diese Kontinuität an hochwertiger Arbeit und eingespielter Zusammenarbeit der

einzelnen Fachkräfte ermöglichte erst die hohe Qualität der Instrumente.

Einträge in alten Zeitschriften erzählen, dass 1906 ein Vertreter von Adolph Geyer

Nachfolger in Bremen mit Namen Hermann Rabus einen besonderen Auftrag an Land

zog: Die Fabrik durfte ein Pianino für das deutsche Kriegsschiff Frauenlob1 liefern.

Besonders war dieser Auftrag deshalb, weil die Pianinos für den Einbau auf einem

Kriegsschiff in ganz besonderen, auf das Schiff abgestimmten Abmessungen gebaut

werden mussten. Die Maße der Instrumente mussten also nach Vorgaben des Schiffes

gewählt werden – der Klang dufte trotzdem nicht leiden. Offenbar gelang das gut. Im

selben Jahr stellte Adolph Geyer Nachfolger auf der 111. Deutschen Kunstgewerbe-

Ausstellung in Dresden Flügel und Pianinos aus.

Im gleichen Jahr brachte das Unternehmen einen luxuriös ausgestatteten Katalog heraus,

das auf Kunstdruckpapier in Autotypien ein Salonflügel-Modell und zehn Pianino-Modelle

zeigte. Das Heft im Querformat zeigte zu den Bildern erklärende Texte auf Deutsch,

Englisch, Französisch und Niederländisch. Auf dem cremefarbenen Umschlag war in

Goldpressung neben dem Firmennamen das herzoglich-sächsische Wappen aufgebracht.

Auch wenn Kaufverträge und Rechnungen nicht zugänglich sind, dürfen wir also

vermuten: Die Pianinos und Flügel von Adolph Geyer Nachfolger gingen weit über die

deutschen Grenzen hinaus in alle Welt, zumindest aber in andere europäische Länder.

Bis 1905 wurde das Unternehmen mit einigen Preisen ausgezeichnet: 1886 erhielt die

Pianoforte-Fabrik Adolph Geyer in Altenburg den Ersten Staatspreis, in Bukarest 1894 die

Goldene Staatsmedaille, 1905 in Hildburghausen die Bronzemedaille.

1906 orderte Seine Hoheit der Herzog zu Sachsen-Altenburg ein Piano bei Adolph Geyer

Nachfolger. Das Instrument war für das Herzogliche Ernst-Agnes-Heim in Klosterlausitz in

Thüringen bestimmt. Zwei Jahre später, 1908, lieferte Adolph Geyer Nachfolger einen

Flügel an das Herzoglich-Sächsische Lehrerseminar.

Aus dem Jahr 1910 wissen wir, dass ein größerer Umbau in den Fabrikationsstätten von

Sdolph Geyer Nachfolger stattfand. Und in den Jahren 1912 und 1913 wurde der Betrieb

noch einmal erweitert, 70 Beschäftigte gab es jetzt. Im jetzt erstellten Neubau wurden

Holzbearbeitungsmaschinen untergebracht, die eine schnellere Fertigung und damit

höhere Auflagen der einzelnen Modelle ermöglichen sollten. Wöchentlich konnten zwölf

Klaviere und drei Flügel gefertigt werden. Die Pianoforte-Fabrik Adolph Geyer in

Eisenberg bewarb ihre Klaviere weiterhin als Pianinos nach dem System Steinway. Die

Instrumente zeichneten sich laut der damaligen Werbeanzeigen (die zum Teil erhalten

sind) durch einen „gesangreichen, biegsamen Ton, angenehme Spielart und höchste

Dauerhaftigkeit“ aus. Die Kosten für so ein Instrument betrugen 170 Thaler oder mehr, die

Fabrik gab 5 Jahre Garantie auf die Instrumente. Und alte, gebrauchte Instrumente nahm

man in Zahlung. Die Pianoforte-Fabrik hatte immer einen Vorrat an hochwertigen

Instrumenten einiger anderer Hersteller und verkaufte diese auch, das zeigen die

Anzeigen ebenfalls. Das Besondere der Instrumente dieses Herstellers war jedoch: Sie

waren immer noch nach amerikanischem Vorbild kreuzsaitig bespannt. Schon in diesen

frühen Jahren entsandte man die Instrumente in ferne Länder, viele davon waren sogar

tropenfest.

Die Kataloge der Pianoforte-Fabrik Geyer erschienen erst viersprachig, dann fünfsprachig:

1913 umfasste der Katalog des Herstellers 25 Kunstdruckblätter, die mit einer geknöpften

grauen Seidenschnur und weißem Karton zusammengehalten wurden. Eine Titelvignette

in Reliefprägung vollendete das edle Erscheinungsbild. Diese Vignette trug eine

Umrahmung, in deren Kopf das Herzoglich-Altenburgische Hoflieferantenwappen in

Goldprägung leuchtete. Im unteren Oval konnte man „Geyers Flügel und Pianos“ lesen,

ebenfalls in Gold. Im Katalog wurden zwei Flügel und sechzehn Pianinos gezeigt, die

jeweils in unterschiedlichen Ausführungen angeboten wurden. Neben deutschen,

englischen, französischen und niederländischen gab es nun auch spanische Begleittexte.

Im selben Jahr konnte ein weiterer hervorragender Handwerker, der Polierer Fritz Kopp,

sein 25jähriges Dienstjubiläum im Hause Adolph Geyer feiern. Ein Jahr später erhielt eine

Frau Olga Vollrath Prokura im Unternehmen Adolph Geyer Nachfolger.

Im Frühjahr 1920 war die Hofpianoforte-Fabrik Adolph Geyer Nachfolger wieder mit

Flügeln und Pianinos auf der Frühjahrsmesse vertreten. Ein Jahr später verstarb der

Inhaber Max Knopfe am 7. Oktober 1921 in Jena, Adolph Geyer Nachfolger hatte den

technischen Leiter verloren. Im Juni 1922 findet sich im Handelsregister der Eintrag, dass

seine Witwe Auguste Elsa Knopfe (geborene Seyferth) als Gesellschafterin in das

Unternehmen eingetreten war. Der Betrieb nahm seinen Lauf, 1923 waren die Geyer-

Flügel und Pianinos wieder in der Messeausstellung zu sehen. Im gleichen Jahr konnte

der Klaviermacher Traugott Beyer sein 40järhiges Arbeitsjubiläum in der Hofpianoforte-

Fabrik Adolph Geyer Nachfolger feiern. Beyer gilt als Lehrmeister aller Klaviermacher, die

seit der Gründung Adolph Geyers aus dem Unternehmen hervorgegangen waren.

Im Dezember 1923 wurde bekannt, dass die Hofpianofabrik Adolph Geyer Nachfolger in

eine Kommanditgesellschaft umgewandelt worden war. Der Betrieb ging wie gewohnt

weiter, im darauffolgenden Jahr 1924 stellte Adolph Geyer Nachfolger wieder Flügel und

Pianinos auf der Messe der Firma Popper & Co aus. Im darauffolgenden Jahr setzte das

Unternehmen allerdings aus – zum ersten Mal. Im Januar 1926 später erfuhren die

geneigten Leser und Leserinnen aus der Zeitschrift für Instrumentenbau, dass es zu einem

größeren Verlust finanzieller Art gekommen war. Die Pianoforte-Fabrik Adolph Geyer

Nachfolger wurde unter Geschäftsaufsicht gestellt. Allerdings verfügte die Firma immer

noch über ein beachtliches Reinvermögen, weshalb die Geschäftsaufsicht schon am 22.

Februar 1926 wieder aufgehoben wurde.

Adolph Geyer feierte am 23. November 1926 seinen 80. Geburtstag in voller geistiger und

körperlicher Gesundheit. Seit 1878 mit Auguste Becher verheiratet, hatte Adolph Geyer

zwei Töchter, aber keine Söhne. Das mag der Grund gewesen sein, die Piano-Fabrik 1902

zu verkaufen. 1916 war seine Frau Auguste bereits verstorben. Adolph Geyer selbst

erlebte allerdings die Feier zum 50jährigen Bestehen seiner Piano-Fabrik im Jahr 1927.

Die Feier verlief fulminant, man gönnte sich musikalische Vorträge, ein einfaches Essen,

Ansprachen, Ehrungen und einen Vortrag.

1928 weist das Handelsregister wieder einen interessanten Eintrag auf: Otto Rösel,

Kaufmann, wurde bei der Firma Adolph Geyer Nachfolger Prokura erteilt. Im gleichen Jahr

brachte die Hofpianonforte-Fabrik in Eisenberg einen Jubiläumskatalog heraus. Diesmal

mit 52 Seiten gestaltet, waren noch einmal mehr Instrumente als in den vorherigen

Ausgaben zu bewundern. Satz und Layout waren modernsten Anforderungen angepasst

worden, und nun konnte man im Katalog auch ein Piano von Geyer in einem Kajütenraum

des Dampfers Columbus bewundern. Die Texte waren wieder mehrsprachig gehalten. Der

Umschlag war auf blau-grauem Papier gestaltet, die Leiwnandprägung enthielt das

Geschäftszeichen, den Aufdruck „Geyer Flügel und Pianinos“ sowie die Jahresangabe

1877 – 1927.

Am 3. Oktober 1928 fand eine Versammlung von Gläubigern statt: Die Firma Adolph

Geyer Nachfolger war wieder in Zahlungsschwierigkeiten. Erst im Juni 1930 erfahren wir,

wie es weitergeht: Die Zeitschrift für Instrumentenbau schreibt in ihrer Ausgabe vom 15.

Juni von neuen Konkursen. Das Konkursverfahren über das Vermögen der

Kommanditgesellschaft Adolph Geyer Nachfolger war am 27. Mai 1930 am Nachmittag

eröffnet worden. Die Gläubigerversammlung war für den 27. Juni 1930 angesetzt worden.

Für das Jahr 1930 vermeldete das Magazin noch das 50jährige Diesntjubiläturm des

Wilhelm Heinecke, der Jubilar wurde mit einer Ehrendenkmünze in Gold, Ehrengaben und

sogar einem Glückwunschschreiben des Reichspräsidenten bedacht.

Ab 1928 lesen wir in den Werbeanzeigen von Adolph Geyer Nachfolger nicht mehr

ausschließlich von Flügeln und Pianos, sondern jetzt inseriert das Unternehmen als

„Geyer Pianinos, Flügel und Einbauinstrumente“, ab 1930 als „Geyer Pianinos, Flügel und

Einbaupianos“. In den Jahren 1930 bis 1932 gab es ein Konkursverfahren, das durch

einen Zwangsvergleich aufgehoben wurde.

Allein 5.000 Klaviere waren bis 1924 hier gefertigt worden. Im September 1927 verließ das

10.000ste Instrument die Fabrik. In den 1920er und 1930er Jahren hielt sich die Fabrik

gut, es wurden weiterhin Flügel und Klaviere gebaut. Seit 1906 schon verfügten einzelne

Schiffe der Handelsschifffahrt wie auch der Kriegsmarine in der jeweiligen Offiziersmesse

über Instrumente aus dem Hause Geyer. Das war für die Klavierbauer in Eisenberg immer

eine besondere Herausforderung: Die Instrumente mussten genau an die Abmessungen

und den Platz an Bord angepasst werden, ohne dabei an Klang und Volumen einzubüßen.

Eine Kooperation mit der Leipziger Radiofirma Körting kam ebenfalls zustande,

gemeinsam wurden Radiogehäuse hergestellt. So war es der Fabrik möglich, bis zu

Beginn des Zweiten Weltkriegs im Geschäft zu bleiben.

Erst Ende 1939 brach die Produktion komplett ein. Jetzt gehörte der Betrieb der Berliner

Firma Sahlschmidt & Co. Hier wurden Munitionskissen und Geschosskörbe sowie Teile für

die Wehrmachtsbaracken hergestellt. Direkt nach dem Krieg stellt man die Produktion auf

Schlafzimmer und Schieferkästen um, erst langsam kam die Klavierproduktion wieder in

Gang.

Adolph Geyer verstarb am 8. September 1931, die Pianoforte-Fabrik lebte weiter. Der

einst als penibel bekannte Chef hatte in seiner Fabrik immer auf Genauigkeit Wert gelegt

und besonders auf die Kleinigkeiten geachtet. Das zahlte sich aus – die Geyer-Klaviere

und -Flügel genossen einen hervorragenden Ruf. Und das Konkursverfahren konnte am

13. Mai 1932 durch einen einstimmig angenommenen Zwangsvergleich eingestellt

werden. Max Vollrath durfte das Unternehmen in der Folge weiterführen. Im Februar des

Jahres 1933 schieden die Kommanditisten aus dem Unternehmen aus ,wodurch die

Pianofabrik Adolph Geyer Nachfolger wieder eine offene Handelsgesellschaft wurde.

Auguste Elsa Knopfe schied als Gesellschafterin aus, an ihre Stelle trat der

Klaviertechniker Max Knopfe, ihr Sohn. In den Jahren 1935 bis 1937 wurde erneut ein

Vergleichsverfahren eröffnet, das aufgehoben, wegen Überwachung wieder eingesetzt

und nach Beendigung der Überwachung erneut gelöscht wurde.

In den Jahren bis 1939 vermeldet die Zeitschrift für Instrumentenbau weitere

Dienstjubiläen sowie die Todesfälle verschiedener langjähriger Mitarbeiter. Max Vollrath

verstarb am 7. November 1939, möglicherweise von eigener Hand. Im Dezember 1939

wurde bekannt, dass die Gläubiger der Pianoforte-Fabrik Adolph Geyer Nachfolger schon

wieder zusammenkamen, diesmal war die Rede von einer Überschuldung im Rahmen von

etwa 64.000 Reichsmark. Jetzt setzte eine turbulente Zeit ein: 1940 wurde die

Klavierfabrik Adolph Geyer Nachfolger von dem Unternehmen Karl Stahlschmidt & Co aus

Berlin und Bremen übernommen. Der neue Firmennahme war Karl Stahlschmidt & Co.,

Edel-Holz-Bearbeitungswerk, vormalig Adolph Geyer Nachfolger. Klaviere wurden jedoch

weiterhin hergestellt.

Im Handelsregister wurde im Jahr 1941 vermerkt, dass die Firma Adolph Geyer

Nachfolger erloschen sei. Neugegründet wurde die Firma Adolph Geyer Nachfolger G. m.

b. H., die den Geschäftsbetrieb vollkommen übernahm. Die Geshcäftsführung lag nun in

den Händen von Wilhelm Grasow (Berlin-Kleinmachnow), Fritz Koch (Berlin), Werner

Scheibert (Eisenberg in Thüringen) und Felix Pfitzner (Berlin). Die Verwaltung der neuen

GmbH wurde komplett nach Kleinmachnow verlegt, die Werke I und II verblieben in

Eisenberg in Thüringen. Bis 1943 war die Abwicklung des Unternehmens noch im Gange,

erst am 16.04.1943 vermeldete das Handelsregister ein Ende der Abwicklung und das

Erlöschen der Firma.

Noch vor Oktober 1948 wurde die Firma Adolph Geyer landeseigen, weiß das Lexikon

Deutscher Klavierbauer. Zur Frühjahrsmesse in Leipzig 1949 stellte die Marke Geyer ein

kleines Pianino aus.

DDR-Zeit: Geyer-Pianos verlieren ihre Qualität

Adolph Geyer hat bis zu seiner Pensionierung alle Klavierbaumeister in seiner Fabrik

selbst ausgebildet. Diese hervorragend angelernten Handwerker blieben im Betrieb

Adolph Geyer Nachfolger, wie die beschriebenen Dienstjubiläen bewiesen. Auch als das

Möbelkombinat unter staatlicher Aufsicht produzierte, geschah dies durch die

herkömmliche, hervorragend ausgebildete Belegschaft und nach den bestehenden

Klaviermodellen. Geyer-Klaviere aus diesen Jahren gehörten zu den schönsten Klavieren

ihrer Zeit.

Ab 1956 siedelte die Produktion in die Mozartstraße. Geplant war eine Großproduktion für

Klaviere und Flügel, aber 1959 wandelte man die Fabrik in die VEB Pianofortefabrik

Eisenberg um, nach anderen Quellen in den VEB Möbel und Etui. Später nannte sie sich

VEB Möbelkombinat Eisenberg. Weiterhin wurden hier Klaviere und Flügel der Marke

Geyer produziert, man exportierte in insgesamt 13 Länder. Aber auch die Marken Fuchs &

Möhr, Eisenberg, Weissbrod, Finger und andere liefen durch das Kombinat. Diese Namen

erschienen allerdings nicht auf den Flügeln, sondern nur auf den Klavieren. Es wurde

überwiegend ein kleiner Modellflügel mit einer Höhe von 138 Zentimetern gebaut.

Auf der Frühjahrsmesse in Leipzig 1962waren die Modelle Antik, Gera und Gotha mit ihren

jeweils 110 Zentimetern Höhe zu sehen, das Modell Meißen mit 106 Zentimetern Höhe

wurde ebenfalls ausgestellt, daneben ein Flügel mit 138 Zentimetern. Bis 1972 sind von

diesen Ausstellungsmodellen nur noch das Modell Antik und der Flügel in Produktion.

1966 nahm der VEB Holzindustrie Eisenberg mit einem 110 Zentimeter hohen Geyer-

Piano des Modells Dresden an der Leipziger Frühjahrsmesse teil. Vertreten waren

insgesamt 1.055 Aussteller aus 70 Ländern. Das ausgestellte Klavier zeigte ein leichtes

und zierliches Design, trotz der verkürzten Seitenbreite hatte es das volle Klangvolumen.

Auch die Modelle Antik, Meißen und Eisenberg sowie der Flügel Modell 138 wurden

gezeigt. Bei Eisenberg handelt es sich um ein besonderes Modell: Mit nur 98 Zentimetern

Höhe war das Kleinstpiano auffällig. 1967 feierte man das 90jährige Jubiläum der Marke

Geyer und zeigte zu diesem Anlass bei der Frühjahrsmesse ein Pianino aus dem Jahr

1877. Es handelte sich um das Instrument mit der Produktionsnummer 2.

In den 1970er und 1980er Jahren nahm die Qualität der Klaviere jedoch sehr stark ab. Die

Betriebsleiter anderer Klavierbauerwerkstätten durften zu dieser Zeit zu einem Besuch in

die DDR reisen. Es gibt Berichte, wie schmerzhaft sie es empfanden, den lieblosen

Zusammenbau und die mangelnde Motivation in der Eisenberger Fabrik zu sehen. Die

Instrumente wurden damals günstig verkauft und waren in der Bevölkerung durchaus

gefragt. In den 1970er Jahren waren die Modelle „Dresden“ und „Weimar“ am

bekanntesten. Klaviere und Flügel wurden in diesen Jahren von der staatlichen

Einrichtung DEMUSA gehandelt. Nur ein sehr geringer Teil wurde in der DDR verkauft.

Die meisten Instrumente gingen ins Ausland, davon etwa 10 Prozent in sozialistische

Staaten und die übrigen 90 Prozent in den Westen. Erst nach 1982 kamen Klaviere aus

Ostasien auf den europäischen Markt, die noch günstiger waren als die Modelle aus

Eisenberg.

Vielleicht auch aus diesem Grund wurde die Klavierproduktion heruntergefahren. Im

Möbelkombinat konzentrierte man sich nun tatsächlich mehr auf die Herstellung von

Möbelstücken. Erst in den letzten drei Jahren der DDR-Zeit versuchte man wieder mit

neuen Modellen, den Marktanteil zu erhöhen. Die meisten Klavierbauer der DDR wurden

laut einigen Quellen im VEB Möbelkombinat Eisenberg ausgebildet.

Die Demusa vermeldete 1972, das zu diesem Zeitpunkt insgesamt 40 Flügel- und

Pianomodelle in der DDR gefertigt wurden, und zwar teils handwerklich, teils in der

Taktstraße. Die Herstellerfirmen waren laut der Instrumentenbauzeitschrift (Jahrgang

1972, Heft 9) überwiegend in Leipzig, Löbau und Eisenberg angesiedelt. Man brüstete

sich, dass die Instrumente international gut angenommen würden. Der besondere Stolz

der Demusa lag darin, dass große Stückzahlen der Klaviere und Flügel in europäische

Länder und sogar nach Übersee exportiert wurden. Im VEB Möbelkombinat Eisenberg

wurden die Fabrikate Geyer, Finger, Fuchs & Möhr auf modernen Taktstraßen produziert.

Zum 100jährigen Bestehen der Pianofabrik Geyer in Eisenberg widmete das Magazin Das

Musikinstrument in der Ausgabe 1977/3 dem Unternehmen Geyer einen Artikel. Hier

erfahren wir, dass der VEB Möbelkombinat Eisenberg als Produzent von Pianos und

Flügeln anlässlich der Frankfurter Frühjahrsmesse 1977 alle zu diesem Zeitpunkt

gefertigten Geyer-Modelle ausstellte:

– Modell Weimar: Nussbaum, mattiert, 98 Zentimeter hoch

– Modell Dresden: Eiche

– Modell Chippendale Classic: schwarz poliert, 7 ¼ Oktaven Tonumfang

– Stutzflügel: Rüster, mattiert, 138 Zentimeter lang

Man brüstete sich damit, dass die Geyer-Instrumente in rund 30 westlichen Ländern gerne

gekauft wurden. Die gute Qualität und die stabile Ausführung waren der Stolz der

Demusa: Gussplattenkonstruktion und stabile Rast waren genauso charakteristisch für

jedes einzelne Modell wie der verdoppelte Massivstimmstock. Auch Das Musikinstrument

informiert darüber, dass die Marken Geyer und Fuchs & Möhr in Großserie auf

Taktstraßen gefertigt wurden. Die hohe Präzision der Bauteile und die objektiven

Prüfungen und Messungen zur Sicherung einer stabilen Qualität brachte man mit dieser

Form der Fertigung in Verbindung. Ende der 1970er Jahre war der VEB Möbelkombinat

Eisenberg einer der größten Möbelproduzenten der DDR, weshalb die Gehäuse der

Pianos so gestaltet waren, dass sie sich hervorragend in das Möbel-Ensemble einfügten.

Zu diesem Zeitpunkt waren alle Modelle mit zwei oder mit drei Pedalen lieferbar und mit 7

oder 7 ¼ Oktaven. Die einzige Ausnahme bildete das vergleichsweise winzige Modell

Weimar.

1985 waren Instrumente des ehemaligen Herstellers Geyer bei der Frankfurter

Musikmesse im Rahmen der Demusa-Ausstellung zu finden. Demusa bezeichnete den

DDR-Außenhandelsbetrieb, unter dem die Instrumente ins Ausland verkauft wurden. In

Eisenberg hatte man 1982 begonnen, die alten Modelle im Piano-Angebot durch neue

Modelle zu ersetzen. Das Modell Dresden wrude durch das Modell Halle ersetzt, im

Sortiment Fuchs & Möhr ersetzte man das Modell Allegro durch das Modell Andante. Die

Instrumente waren allesamt 112 Zentimeter hoch und bauten auf bewährten

Grundkonstruktionen auf. Kundenwünsche flossen ebenfalls in die Neugestaltung ein: Die

Kniefreiheit war vergrößert worden, die äußere Gestaltung wurde verändert. Man

verstärkte die Rastenkonstruktion und verbreiterte den Sockelboden. Der Abschluss nach

unten war nun beim Modell Halle staubdicht. Das Modell Halle hatte drei Pedale und

wurde auf Wunsch mit einem Handmoderator ausgestattet. Während dieses Modell in

Nussbaum mattiert vorgestellt wurde, war das Modell Andante in Eiche natur, mattiert,

gefertigt.

1989 stellte die Demusa mehr als 500 Exponate aus. Aus den Möbelwerken Eisenberg

waren drei Pianos vertreten: Fuchs & Möhr stellten das Modell Rhapsodie II (schwarz

poliert) vor, Geyer waren mit dem Modell Dresden S in Nussbaum natur und dem

Eisenberg Modell 102 in Mahagoni poliert vertreten.

Wir hören 1990 wieder von Neuvorstellungen des VEB Möbelwerke Eisenberg. Diesmal

ging es um das Modell Sonate der Marke Geyer, eine Weiterentwicklung der Reihe 110.

Das Pianomodell Sonate sollte das bisherige Modell Fortissimo ablösen. Neu war die

Gehäuseausführung, außerdem erlaubte die Klaviatur mehr Spielfreiheit. Durchgehende

gerade Konsolen gab es nun nicht mehr. Bei diesem Modell waren sie rechteckig und

verliefen konisch, der Konsolenkopf war angearbeitet. Rechteckige, abgeplattete und an

den Seiten angesetzte Füße vervollständigten das Design. Der Oberrahmen lag ebenfalls

schräg, bedingt durch die abgeschrägten Seiten des Gehäuses. Der Sockelboden des

Instrumentes war durchgehend gestaltet, was die schädigenden Einflüsse aus der

Richtung des Fußbodens abhalten sollte. Die typischen Merkmale der Pianoreihe 110

übernahm das Modell Sonate. Der stabile Gussrahmen blieb erhalten, auch die Holzrast

mit zwei Außen- und drei Mittelspreizen aus Nadelholz. Somit war die Stimmhaltung

garantiert. Den Gussrahmen veredelte man mit Goldbronze. Der Stimmstock war im

Spiegelschnitt hergestellt, und zwar aus Rotbuche. Aus Fichtenholz dagegen bestand der

Resonanzboden. Zusammen mit den Stegen aus Rotbuche auf der Gegenseite, die mit

Rotbuchen-Spiegelschnitt-Aufleimern verdoppelt waren, sollte das die Tonfülle des

Instruments vergrößern. Dazu trug auch die besondere Wölbung bei. Das Modell Sonate

wurde in Nussbaum und Mahagoni geliefert. Auf besonderen Wunsch wurden jedoch auch

andere Furnierausführungen angefertigt. 7 ¼ Oktaven umfasste das Modell, das auf

Kundenwunsch mit einem dritten Pedal und einem Handmoderator ausgestattet werden

konnte. Im gleichen Jahr stellte der VEB Möbelwerke Eisenberg auf der Musikmesse das

Modell Dresden S der Marke Geyer vor.

Heute: Produktion in China

1990 kam die Wende und damit das Ende der Kombinate. Etwa 7.000 Instrumente hatten

während der DDR-Zeit das Kombinat verlassen, das Kombinat hatte nur 200 Mitarbeiter

gehabt. Allerdings konnte der traditionsreiche Name genauso wie die Firmengebäude und

der Mitarbeiterstab erhalten werden. Die ehemalige Pianoforte-Fabrik Adolph Geyer

Nachf. wurde unter dem Namen Eisenberger Pianofortefabrik GmbH weitergeführt, die

Treuhand ermöglichte ein eigenständiges Weiterbestehen. Aus dieser Konstruktion ging

der Hersteller Wilhelm Steinberg Klaviere hervor, der bis heute in Eisenberg Klaviere baut.

Hier entstehen heute qualitativ hochwertige Instrumente, die mit der DDR-Produktion nicht

mehr viel gemeinsam haben. Etwa 1.000 Klaviere und Flügel stellt man hier heute her.

Etwa 100 Beschäftigte hatte die Pianoforte-Fabrik nach einigen Jahren des Neuanfangs

noch. Die Wilh. Steinberg AG stand vor der Pleite, als Klaviergroßhändler Frederik Steffes

im Auftrag einer Bank als Notvorstand einsprang. Er kaufte die Geräte und Gebäude der

Fabrik im Jahr 1998 und zog mit seiner Familie von Köln nach Eisenberg. Denn er

erkannte, was Eisenberg schon am Ende des 19. Jahrhunderts ausgezeichnet hatte: Es

gibt in Eisenberg nach wie vor hervorragend ausgebildete Facharbeiter, Klavierbauer und

Tischler, die erstklassige Arbeit leisten. Täglich stellt Wilh. Steinberg in Eisenberg nun vier

Pianos her. Die Fabrik arbeitet mit einer halbindustriellen Serienfertigung. Bis ein einziges

Klavier aus den 6.000 Einzelteilen zusammengebaut ist, gehen insgesamt sieben Monate

ins Land.

2013 wurde die Fabrik von der Parsons Music Group aus Hongkong übernommen.

Geschäftsführer und Inhaber Frederik Steffes gründete 2015 zusammen mit Christoph

Schulz eine eigene Fabrik, die Klaviere und Flügel A.Geyer werden seither in einer Fabrik

in China gebaut. Sie kommen aus der Provinz Zhejiang.

Quellen und weiterführende Informationen:

Zeitschrift für Instrumentenbau, Jahrgänge 1885 bis 1941

Instrumentenbauzeitschrift 1966 bis 1985

Eisenachter Nachrichtenblatt 1878 – 1902

Das Musikinstrument 1977 – 1990

https://www.steenhuispiano.nl/historie/geyer-pianos-en-vleugels/

Klavier Geyer

https://klavier24-berlin.de/produkt/adolf-geyer-klavier-gebraucht-kaufen/

https://books.google.be/books?id=vficj0cvmzwC&pg=PA616#v=onepage&q&f=false

Geschichte DE

https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenberg_(Th%C3%BCringen)

https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Steinberg_(Klavierbau)

https://www.manager-magazin.de/lifestyle/technik/a-378525.html

https://www.pressreader.com/germany/ostthuringer-zeitungstadtroda/

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