Dieter's Klavierseiten

Datenarchiv des Klavierbaus

Dieter's Klavierseiten

Geyer, Adolf

Dies ist ein Bericht von Melanie Brigitte Weber. Sie ist Kunsthistorikerin und vieles mehr. (*)

Sie recherchierte die Geschichte der

„Pianoforte-Fabrik A. Geyer

Hoflieferant des Herzog von Sachsen-Altenburg:

Wir schreiben das Jahr 1885 in Eisenberg, mit etwa 5.000 Einwohnern ist die Stadt in Thüringen nicht allzu groß, aber auch nicht gerade klein. Hier blüht das Handwerk, und man hat sich vor allem auf eines spezialisiert: Teile für Klaviere und Flügel.

Auf halbem Weg zwischen Jena und Gera gelegen, in einer sanften Hügellandschaft im Bereich der Saale-Elster-Sandsteinplatte, befindet sich die Stadt Eisenberg großteils auf einer Hochebene. Das Umland ist bewaldet, Holz steht reichlich zur Verfügung. Die Stadt ist alt, im 12. Jahrhundert gab es hier bereits ein Schloss, das im Auftrag des Markgrafen von Meißen errichtet worden war. Die ältesten Teile der Stadtbefestigung datieren auf 1171 zurück, 1219 wurde hier ein Zisterzienserinnenkloster eingerichtet. Und die Stadt wurde in in diesem Jahr erstmals als civitas erwähnt. In den 1930er Jahren gibt der Poststempel dann an: „Eisenberg – weltberühmt durch seine Pianos“.

Am 5. Juni 1885 kam es zu einem handelsgerichtlichen Eintrag der Firma Tuch & Geyer, einer Fabrik für Pianinos und Flügel, in eben jener altehrwürdigen Stadt. Die geschäftliche Vereinbarung zwischen dem Herrn Hermann Tuch in Magdeburg und Adolph Geyer in Eisenberg hatte schon länger bestanden. Pianinos und Flügel wurden von der Firma Geyer in Eisenberg seit 1877 produziert. Es war die erste Klavierbauerwerkstatt in Eisenberg. Eisenberg sollte in den nächsten Jahren zu einer Klavierbauerstadt werden, wie es der Poststempel gut 60 Jahre später bezeugen würde. Wer war dieser Herr Adolph Geyer, mit dem alles begann?

Adolph Geyer, Pianist, Klavierbauer, Weltreisender

Adolph Geyer wurde 1846 als dritter Sohn des Eduard Geyer geboren. Eduard Geyer war in Eisenberg und weit darüber hinaus als Klavierlederfabrikant bekannt und unterhielt ein florierendes Geschäft. In diesen Jahren war es üblich, dass einige Teile der Mechanik, der Dämpfung und der Hammerköpfe in Klavieren und Flügeln aus Leder gefertigt wurden.

Das kleine Unternehmen des Herrn Geyer senior war keine Seltenheit: In Eisenberg gab es derzeit zahlreiche kleine Handwerksbetriebe, die Einzelteile für die Tasteninstrumente anfertigten. Es gab auch den ein oder anderen Klavierbauer. Die Ein-Mann-Betriebe, heute würde man sie Solo-Selbständige nennen, waren für ihre hervorragende Handwerkskunst bekannt, konnten aber nicht in großen Mengen produzieren. Eduard Geyer arbeitete mit seinem Bruder Wilhelm Geyer zusammen, die Brüder wurden im Amtlichen Bericht über die Wiener Weltausstellung im Jahre 1873 (Band 2) für ihr „sehr dauerhaftes, elastisches Mechanikenleder“ erwähnt. Man hatte es also in der Familie Geyer schon früh über die Grenzen Thüringens hinaus geschafft.

Der junge Adolph Geyer wuchs in Eisenberg auf, absolvierte im ehemaligen Zenkerschen Institut in Jena die Schule und lernte bei Hölling & Spangenberg in Zeitz das Handwerk des Klavierbauers. Hier waren auch Julius Blüthner und Adolf Schiedmayer in der Lehre.

Wir wissen wenig über die Zeit, die Adolph Geyer bei Hölling & Spangenberg verbrachte.

Die Lehre schien unauffällig vonstatten gegangen zu sein. Was wir wissen: Adolph Geyer spielte selbst exzellent Klavier, in seiner Kindheit und Jugend befasste er sich also auch vom Standpunkt des Pianisten aus mit dem Instrument. Er lernte später in verschiedenen größeren Pianoforte-Fabriken in Deutschland. Allerdings reichte ihm nicht, was er in Deutschland lernte. Er verließ nach einigen Jahren Deutschland und setzte seine Lehre in Kanada und den USA fort. Die einzelnen Stationen lassen sich nicht mehr ganz nachvollziehen, eine ist jedoch bekannt: In New York lernte er bei Steinway & Son. Hier ließ er sich als Konstrukteur und Intonateur ausbilden. Als er 1877 nach Deutschland zurückkehrte, errichtete er seine eigene Fabrik und baute Klaviere nach dem Vorbild der Instrumente, die er in New York kennengelernt hatte. Er warb mit dem Zusatz „Steinway System“. Die Pianinos und Flügel waren kreuzsaitig bespannt, wie Adolph Geyer das bei Steinway & Son gelernt hatte. Die Firma Pianoforte-Fabrik A. Geyer war in der Tat die erste Pianofabrik von Eisenberg, gegründet am 2. Dezember 1977 in der Neuen Straße Nr. 13/15. Zu Ehren des Herrn Adolph Geyer wurde die Straße umbenannt, heute heißt sie Adolph-Geyer-Straße (umbenannt erst in Wilhelm-Straße, dann am 5. August 1926 in Adolph-Geyer-Straße).

1879 stellte Adolph Geyer ein Pianino aus der eigenen Fabrik für den musikalisch theatralischen Abend im Rahmen des Sedansfestes zur Verfügung. Wir wissen heute, dass das Instrument begeisterte, man verglich es mit den besten Instrumenten aus auswärtigen Produktionen. In den folgenden Jahren wurden immer wieder gebrauchte Pianinos und Tafelklaviere im Hause Geyer angeboten: Man stellte hier nicht nur Klaviere und Flügel her, sondern restaurierte, reparierte und überarbeitete auch gebrauchte Instrumente anderer Hersteller. Genau genommen hatte Adolph Geyer also nicht nur eine Pianoforte-Fabrik gegründet, sondern eine Werkstatt zur Reparatur und zum Bau von Pianinos, Tafelklavieren und Flügeln.

Erst sieben Jahre später folgte seinem Vorbild sein eigener Schüler Robert Weissbrod mit der Gründung einer eigenen Pianoforte-Fabrik in der A.-Bebel-Straße 15, und 1887 gründete der frühere Geyer-Lehrling Albert Finger eine weitere Fabrik. Auch Josef Soph war Lehrling bei Adolph Geyer und gründete später seine eigene Klavierfabrik in Eisenberg. Zu diesem Zeitpunkt konnte man schon von der Klavierbauer-Stadt Eisenberg sprechen.

Zusammen mit Hermann Tuch aus Magdeburg ließ Adolph Geyer also seine Pianoforte- Fabrik 1885 ins Handelsregister eintragen. Die Handelsbeziehungen zur Firma Hermann Tuch bestanden in den Jahren 1882 bis 1901, während dieser Zeit nannte sich die Firma Hofpianofabrik Tuch & Geyer. 25 Jahre lang sollte das so bleiben.

1886, so konnte man der Zeitschrift für Instrumentenbau am 21. April 1886 entnehmen, erhielt die Pianoforte-Fabrik Tuch & Geyer vom Herzog von Sachen Altenburg das Prädikat als Hoflieferant. Diese Auszeichnung wurde 1908 erneuert. Im Juli 1886 war Tuch & Geyer aus Eisenberg mit einem Stutzflügel und drei Pianinos an der Altenburger Landesausstellung beteiligt. Zahlreiche weitere Firmen der Musikinstrumenten-Branche waren auf der Ausstellung vertreten, darunter unter anderem auch Weissbrod & Pape aus Eisenberg (Gründung durch Robert Weissbrod, einem Lehrling Adolph Geyers).

Bei den ausgestellten Instrumenten handelte es sich um einen Stutzflügel mit einer Länge von 1,55 Metern. Das Instrument fiel mit einer angenehmen Spielart und einem guten Ton auf, und er war so schön ausgearbeitet, dass er in der Zeitschrift für Instrumentenbau (Ausgabe 06/32 vom 11. August 1886) besprochen wurde. Die Füße des Flügels waren nach amerikanischem Geschmack schwungvoll ausgearbeitet. Auch die drei Pianinos wurden besprochen: Eines davon war aus Nussbaum gefertigt und verfügte über kunstreiche Schnitzereien. Die Instrumente fielen durch ihren kräftigen Bass mit klarer und genau abgegrenzter Klangwirkung auf. Und das bemerkten die Rezeptionisten sogar in der Ausstellungshalle mit ihrer unzureichenden Akustik, wie im Artikel der Zeitschrift für Instrumentenbau nachzulesen war. Im September vermerkte das Magazin, dass die Altenburger Landesausstellung Tuch & Geyer in der Gruppe XII (Instrumentenbau) den 1. Preis eingebracht hatte, die Silberne Staatsmedaille.

Wie viele Ausstellungen die Instrumente von Tuch & Geyer insgesamt absolvierten, wo sie überall vertreten waren, ist heute nicht mehr einfach nachzuvollziehen. Gelegentlich werden Prämierungen in Zeitschriften erwähnt – aber viele sind aus dieser Zeit nicht mehr erhalten. Was wir aber wissen: 1891 berichtete die Zeitschrift für Instrumentenbau am 1. September, dass die Firma Tuch & Geyer im Earls Court in London ausstellte, und zwar im Rahmen der „deutschen Ausstellung“. Man bedachte Tuch & Geyer mit dem Ehrendiplom erster Klasse, was die höchste auf dieser Ausstellung verliehene Auszeichnung war. Allerdings tauchte Tuch & Geyer in den Londoner Fachblättern nicht auf, denn ausgestellt wurde das Geyer-Instrument in der Kollektiv-Ausstellung des Magdeburger Kunstvereins. Der Kunstverein wurde genau genommen ausgezeichnet, was die Zeitschrift für Instrumentenbau einen Monat später in der Ausgabe 12/01 auch richtigstellte.

1895 finden wir die nächste Erwähnung der Hofpianofabrik Tuch & Geyer: Diesmal wurde der Eisenberger Hersteller auf der internationalen Ausstellung in Bukarest mit der goldenen Medaille bedacht.

In diesen langen Jahren fertigte man bei Tuch & Geyer zahlreiche Flügel und Klaviere, die in der ganzen Welt gefragt waren. Hermann Tuch verstarb am 12. März 1897 in Magdeburg, wodurch die Hofpianofabrik Tuch & Geyer einen Teilhaber verlor. Mit Herrmann Tuch war ein ein weiterer hervorragender Pianist verstorben – denn auch er war weit mehr als nur ein Geschäftsführer gewesen. Adolph Geyer führte die Hofpianofabrik wieder unter seinem eigenen Namen weiter.

Adolph Geyer Nachfolger – ab 1902

1902 ging Adolph Geyer in Rente und verkaufte im selben Jahr den Betrieb an die Herren Max Knopfe und Max Vollrath, die den Betrieb unter dem Namen Adolph Geyer Nachfolger fortsetzten. Die beiden Herren waren verschwägert, Max Knopfe hatte in den Jahren 1886 bis 1890 seine Ausbildung bei Adolph Geyer persönlich abgeschlossen. Die offizielle Übergabe fand am 2. Januar 1903 statt. Noch im selben Jahr wurde das Unternehmen aufgrund des Regierungsjubiläums Seiner Hoheit des Herzogs Ernst von Sachen-Altenburg zu Hoflieferanten ernannt. Das Unternehmen wuchs unter den neuen Inhabern Knopfe und Vollrath. 1905 wurde bekannt, dass ein Nachbargrundstück am bisherigen Standort aufgekauft worden war und der Fabrikbetrieb vergrößert werden sollte. Es ging also um den Ausbau der Fabrikationshallen. Wie genau die hohe Qualität der Instrumente in dieser Werkstatt zustande kam, zeigt eine erst einmal unwichtig erscheinende Begebenheit: Am 1. September 1905 vermeldete die Zeitschrift für Instrumentenbau, dass der Tischler Wilhelm Heinecke sein 25jähriges Dienstjubiläum bei

Adolph Geyer Nachfolger feierte und sowohl von seinem ehemaligen Chef Adolph Geyer selbst als auch von den neuen Firmeninhabern Knopfe und Vollrath geehrt wurde.

Heinecke hatte die Hofpianofabrik also seit 1880 begleitet. Es darf angenommen werden, dass andere hervorragende Handwerker ebenso lange oder länger im Unternehmen blieben. Diese Kontinuität an hochwertiger Arbeit und eingespielter Zusammenarbeit der einzelnen Fachkräfte ermöglichte erst die hohe Qualität der Instrumente.

Einträge in alten Zeitschriften erzählen, dass 1906 ein Vertreter von Adolph Geyer Nachfolger in Bremen mit Namen Hermann Rabus einen besonderen Auftrag an Land zog: Die Fabrik durfte ein Pianino für das deutsche Kriegsschiff Frauenlob1 liefern.

Warenzeichen

Besonders war dieser Auftrag deshalb, weil die Pianinos für den Einbau auf einem Kriegsschiff in ganz besonderen, auf das Schiff abgestimmten Abmessungen gebaut werden mussten. Die Maße der Instrumente mussten also nach Vorgaben des Schiffes gewählt werden – der Klang dufte trotzdem nicht leiden. Offenbar gelang das gut. Im selben Jahr stellte Adolph Geyer Nachfolger auf der 111. Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden Flügel und Pianinos aus.

Im gleichen Jahr brachte das Unternehmen einen luxuriös ausgestatteten Katalog heraus, das auf Kunstdruckpapier in Autotypien ein Salonflügel-Modell und zehn Pianino-Modelle zeigte. Das Heft im Querformat zeigte zu den Bildern erklärende Texte auf Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch. Auf dem cremefarbenen Umschlag war in Goldpressung neben dem Firmennamen das herzoglich-sächsische Wappen aufgebracht.

Auch wenn Kaufverträge und Rechnungen nicht zugänglich sind, dürfen wir also vermuten: Die Pianinos und Flügel von Adolph Geyer Nachfolger gingen weit über die deutschen Grenzen hinaus in alle Welt, zumindest aber in andere europäische Länder.

Bis 1905 wurde das Unternehmen mit einigen Preisen ausgezeichnet: 1886 erhielt die Pianoforte-Fabrik Adolph Geyer in Altenburg den Ersten Staatspreis, in Bukarest 1894 die Goldene Staatsmedaille, 1905 in Hildburghausen die Bronzemedaille.

1906 orderte Seine Hoheit der Herzog zu Sachsen-Altenburg ein Piano bei Adolph Geyer Nachfolger. Das Instrument war für das Herzogliche Ernst-Agnes-Heim in Klosterlausitz in Thüringen bestimmt. Zwei Jahre später, 1908, lieferte Adolph Geyer Nachfolger einen Flügel an das Herzoglich-Sächsische Lehrerseminar.

Aus dem Jahr 1910 wissen wir, dass ein größerer Umbau in den Fabrikationsstätten von Adolph Geyer Nachfolger stattfand. Und in den Jahren 1912 und 1913 wurde der Betrieb noch einmal erweitert, 70 Beschäftigte gab es jetzt. Im jetzt erstellten Neubau wurden Holzbearbeitungsmaschinen untergebracht, die eine schnellere Fertigung und damit höhere Auflagen der einzelnen Modelle ermöglichen sollten. Wöchentlich konnten zwölf Klaviere und drei Flügel gefertigt werden. Die Pianoforte-Fabrik Adolph Geyer in Eisenberg bewarb ihre Klaviere weiterhin als Pianinos nach dem System Steinway. Die Instrumente zeichneten sich laut der damaligen Werbeanzeigen (die zum Teil erhalten sind) durch einen „gesangreichen, biegsamen Ton, angenehme Spielart und höchste Dauerhaftigkeit“ aus. Die Kosten für so ein Instrument betrugen 170 Thaler oder mehr, die Fabrik gab 5 Jahre Garantie auf die Instrumente. Und alte, gebrauchte Instrumente nahm man in Zahlung. Die Pianoforte-Fabrik hatte immer einen Vorrat an hochwertigen Instrumenten einiger anderer Hersteller und verkaufte diese auch, das zeigen die Anzeigen ebenfalls. Das Besondere der Instrumente dieses Herstellers war jedoch: Sie waren immer noch nach amerikanischem Vorbild kreuzsaitig bespannt. Schon in diesen frühen Jahren entsandte man die Instrumente in ferne Länder, viele davon waren sogar tropenfest.

Die Kataloge der Pianoforte-Fabrik Geyer erschienen erst viersprachig, dann fünfsprachig:

1913 umfasste der Katalog des Herstellers 25 Kunstdruckblätter, die mit einer geknöpften grauen Seidenschnur und weißem Karton zusammengehalten wurden. Eine Titelvignette in Reliefprägung vollendete das edle Erscheinungsbild. Diese Vignette trug eine Umrahmung, in deren Kopf das Herzoglich-Altenburgische Hoflieferantenwappen in Goldprägung leuchtete. Im unteren Oval konnte man „Geyers Flügel und Pianos“ lesen, ebenfalls in Gold. Im Katalog wurden zwei Flügel und sechzehn Pianinos gezeigt, die jeweils in unterschiedlichen Ausführungen angeboten wurden. Neben deutschen, englischen, französischen und niederländischen gab es nun auch spanische Begleittexte.

Im selben Jahr konnte ein weiterer hervorragender Handwerker, der Polierer Fritz Kopp, sein 25jähriges Dienstjubiläum im Hause Adolph Geyer feiern. Ein Jahr später erhielt eine Frau Olga Vollrath Prokura im Unternehmen Adolph Geyer Nachfolger.

Im Frühjahr 1920 war die Hofpianoforte-Fabrik Adolph Geyer Nachfolger wieder mit Flügeln und Pianinos auf der Frühjahrsmesse vertreten. Ein Jahr später verstarb der Inhaber Max Knopfe am 7. Oktober 1921 in Jena, Adolph Geyer Nachfolger hatte den technischen Leiter verloren. Im Juni 1922 findet sich im Handelsregister der Eintrag, dass seine Witwe Auguste Elsa Knopfe (geborene Seyferth) als Gesellschafterin in das Unternehmen eingetreten war. Der Betrieb nahm seinen Lauf, 1923 waren die Geyer- Flügel und Pianinos wieder in der Messeausstellung zu sehen. Im gleichen Jahr konnte der Klaviermacher Traugott Beyer sein 40järhiges Arbeitsjubiläum in der Hofpianoforte- Fabrik Adolph Geyer Nachfolger feiern. Beyer gilt als Lehrmeister aller Klaviermacher, die seit der Gründung Adolph Geyers aus dem Unternehmen hervorgegangen waren.

Im Dezember 1923 wurde bekannt, dass die Hofpianofabrik Adolph Geyer Nachfolger in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt worden war. Der Betrieb ging wie gewohnt weiter, im darauffolgenden Jahr 1924 stellte Adolph Geyer Nachfolger wieder Flügel und Pianinos auf der Messe der Firma Popper & Co aus. Im darauffolgenden Jahr setzte das Unternehmen allerdings aus – zum ersten Mal. Im Januar 1926 später erfuhren die geneigten Leser und Leserinnen aus der Zeitschrift für Instrumentenbau, dass es zu einem größeren Verlust finanzieller Art gekommen war. Die Pianoforte-Fabrik Adolph Geyer Nachfolger wurde unter Geschäftsaufsicht gestellt. Allerdings verfügte die Firma immer noch über ein beachtliches Reinvermögen, weshalb die Geschäftsaufsicht schon am 22. Februar 1926 wieder aufgehoben wurde.

Adolph Geyer feierte am 23. November 1926 seinen 80. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Gesundheit. Seit 1878 mit Auguste Becher verheiratet, hatte Adolph Geyer zwei Töchter, aber keine Söhne. Das mag der Grund gewesen sein, die Piano-Fabrik 1902 zu verkaufen. 1916 war seine Frau Auguste bereits verstorben. Adolph Geyer selbst erlebte allerdings die Feier zum 50jährigen Bestehen seiner Piano-Fabrik im Jahr 1927. Die Feier verlief fulminant, man gönnte sich musikalische Vorträge, ein einfaches Essen, Ansprachen, Ehrungen und einen Vortrag.

1928 weist das Handelsregister wieder einen interessanten Eintrag auf: Otto Rösel, Kaufmann, wurde bei der Firma Adolph Geyer Nachfolger Prokura erteilt. Im gleichen Jahr brachte die Hofpianonforte-Fabrik in Eisenberg einen Jubiläumskatalog heraus. Diesmal mit 52 Seiten gestaltet, waren noch einmal mehr Instrumente als in den vorherigen Ausgaben zu bewundern. Satz und Layout waren modernsten Anforderungen angepasst worden, und nun konnte man im Katalog auch ein Piano von Geyer in einem Kajütenraum des Dampfers Columbus bewundern. Die Texte waren wieder mehrsprachig gehalten. Der Umschlag war auf blau-grauem Papier gestaltet, die Leiwnandprägung enthielt das Geschäftszeichen, den Aufdruck „Geyer Flügel und Pianinos“ sowie die Jahresangabe 1877 – 1927.

Am 3. Oktober 1928 fand eine Versammlung von Gläubigern statt: Die Firma Adolph Geyer Nachfolger war wieder in Zahlungsschwierigkeiten. Erst im Juni 1930 erfahren wir, wie es weitergeht: Die Zeitschrift für Instrumentenbau schreibt in ihrer Ausgabe vom 15. Juni von neuen Konkursen. Das Konkursverfahren über das Vermögen der Kommanditgesellschaft Adolph Geyer Nachfolger war am 27. Mai 1930 am Nachmittag eröffnet worden. Die Gläubigerversammlung war für den 27. Juni 1930 angesetzt worden.

Für das Jahr 1930 vermeldete das Magazin noch das 50jährige Diesntjubiläturm des Wilhelm Heinecke, der Jubilar wurde mit einer Ehrendenkmünze in Gold, Ehrengaben und sogar einem Glückwunschschreiben des Reichspräsidenten bedacht.

Ab 1928 lesen wir in den Werbeanzeigen von Adolph Geyer Nachfolger nicht mehr ausschließlich von Flügeln und Pianos, sondern jetzt inseriert das Unternehmen als „Geyer Pianinos, Flügel und Einbauinstrumente“, ab 1930 als „Geyer Pianinos, Flügel und Einbaupianos“. In den Jahren 1930 bis 1932 gab es ein Konkursverfahren, das durch einen Zwangsvergleich aufgehoben wurde.

Allein 5.000 Klaviere waren bis 1924 hier gefertigt worden. Im September 1927 verließ das 10.000ste Instrument die Fabrik. In den 1920er und 1930er Jahren hielt sich die Fabrik gut, es wurden weiterhin Flügel und Klaviere gebaut. Seit 1906 schon verfügten einzelne Schiffe der Handelsschifffahrt wie auch der Kriegsmarine in der jeweiligen Offiziersmesse über Instrumente aus dem Hause Geyer. Das war für die Klavierbauer in Eisenberg immer eine besondere Herausforderung: Die Instrumente mussten genau an die Abmessungen und den Platz an Bord angepasst werden, ohne dabei an Klang und Volumen einzubüßen.

Eine Kooperation mit der Leipziger Radiofirma Körting kam ebenfalls zustande, gemeinsam wurden Radiogehäuse hergestellt. So war es der Fabrik möglich, bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs im Geschäft zu bleiben.

Erst Ende 1939 brach die Produktion komplett ein. Jetzt gehörte der Betrieb der Berliner Firma Sahlschmidt & Co. Hier wurden Munitionskissen und Geschosskörbe sowie Teile für die Wehrmachtsbaracken hergestellt. Direkt nach dem Krieg stellt man die Produktion auf Schlafzimmer und Schieferkästen um, erst langsam kam die Klavierproduktion wieder in Gang.

Adolph Geyer verstarb am 8. September 1931, die Pianoforte-Fabrik lebte weiter. Der einst als penibel bekannte Chef hatte in seiner Fabrik immer auf Genauigkeit Wert gelegt und besonders auf die Kleinigkeiten geachtet. Das zahlte sich aus – die Geyer-Klaviere und -Flügel genossen einen hervorragenden Ruf. Und das Konkursverfahren konnte am 13. Mai 1932 durch einen einstimmig angenommenen Zwangsvergleich eingestellt werden. Max Vollrath durfte das Unternehmen in der Folge weiterführen. Im Februar des Jahres 1933 schieden die Kommanditisten aus dem Unternehmen aus ,wodurch die Pianofabrik Adolph Geyer Nachfolger wieder eine offene Handelsgesellschaft wurde. Auguste Elsa Knopfe schied als Gesellschafterin aus, an ihre Stelle trat der Klaviertechniker Max Knopfe, ihr Sohn. In den Jahren 1935 bis 1937 wurde erneut ein Vergleichsverfahren eröffnet, das aufgehoben, wegen Überwachung wieder eingesetzt und nach Beendigung der Überwachung erneut gelöscht wurde.

In den Jahren bis 1939 vermeldet die Zeitschrift für Instrumentenbau weitere Dienstjubiläen sowie die Todesfälle verschiedener langjähriger Mitarbeiter. Max Vollrath verstarb am 7. November 1939, möglicherweise von eigener Hand. Im Dezember 1939 wurde bekannt, dass die Gläubiger der Pianoforte-Fabrik Adolph Geyer Nachfolger schon wieder zusammenkamen, diesmal war die Rede von einer Überschuldung im Rahmen von etwa 64.000 Reichsmark. Jetzt setzte eine turbulente Zeit ein: 1940 wurde die Klavierfabrik Adolph Geyer Nachfolger von dem Unternehmen Karl Stahlschmidt & Co aus Berlin und Bremen übernommen. Der neue Firmennahme war Karl Stahlschmidt & Co., Edel-Holz-Bearbeitungswerk, vormalig Adolph Geyer Nachfolger. Klaviere wurden jedoch weiterhin hergestellt.

Im Handelsregister wurde im Jahr 1941 vermerkt, dass die Firma Adolph Geyer Nachfolger erloschen sei. Neugegründet wurde die Firma Adolph Geyer Nachfolger G. m. b. H., die den Geschäftsbetrieb vollkommen übernahm. Die Geshcäftsführung lag nun in den Händen von Wilhelm Grasow (Berlin-Kleinmachnow), Fritz Koch (Berlin), Werner Scheibert (Eisenberg in Thüringen) und Felix Pfitzner (Berlin). Die Verwaltung der neuen GmbH wurde komplett nach Kleinmachnow verlegt, die Werke I und II verblieben in Eisenberg in Thüringen. Bis 1943 war die Abwicklung des Unternehmens noch im Gange, erst am 16.04.1943 vermeldete das Handelsregister ein Ende der Abwicklung und das Erlöschen der Firma.

Noch vor Oktober 1948 wurde die Firma Adolph Geyer landeseigen, weiß das Lexikon Deutscher Klavierbauer. Zur Frühjahrsmesse in Leipzig 1949 stellte die Marke Geyer ein kleines Pianino aus.

DDR-Zeit: Geyer-Pianos verlieren ihre Qualität

Adolph Geyer hat bis zu seiner Pensionierung alle Klavierbaumeister in seiner Fabrik selbst ausgebildet. Diese hervorragend angelernten Handwerker blieben im Betrieb Adolph Geyer Nachfolger, wie die beschriebenen Dienstjubiläen bewiesen. Auch als das Möbelkombinat unter staatlicher Aufsicht produzierte, geschah dies durch die herkömmliche, hervorragend ausgebildete Belegschaft und nach den bestehenden Klaviermodellen. Geyer-Klaviere aus diesen Jahren gehörten zu den schönsten Klavieren ihrer Zeit.

Ab 1956 siedelte die Produktion in die Mozartstraße. Geplant war eine Großproduktion für Klaviere und Flügel, aber 1959 wandelte man die Fabrik in die VEB Pianofortefabrik Eisenberg um, nach anderen Quellen in den VEB Möbel und Etui. Später nannte sie sich VEB Möbelkombinat Eisenberg. Weiterhin wurden hier Klaviere und Flügel der Marke Geyer produziert, man exportierte in insgesamt 13 Länder. Aber auch die Marken Fuchs & Möhr, Eisenberg, Weissbrod, Finger und andere liefen durch das Kombinat. Diese Namen erschienen allerdings nicht auf den Flügeln, sondern nur auf den Klavieren. Es wurde überwiegend ein kleiner Modellflügel mit einer Höhe von 138 Zentimetern gebaut.

Auf der Frühjahrsmesse in Leipzig 1962 waren die Modelle Antik, Gera und Gotha mit ihren jeweils 110 Zentimetern Höhe zu sehen, das Modell Meißen mit 106 Zentimetern Höhe wurde ebenfalls ausgestellt, daneben ein Flügel mit 138 Zentimetern. Bis 1972 sind von diesen Ausstellungsmodellen nur noch das Modell Antik und der Flügel in Produktion.

1966 nahm der VEB Holzindustrie Eisenberg mit einem 110 Zentimeter hohen Geyer- Piano des Modells Dresden an der Leipziger Frühjahrsmesse teil. Vertreten waren insgesamt 1.055 Aussteller aus 70 Ländern. Das ausgestellte Klavier zeigte ein leichtes und zierliches Design, trotz der verkürzten Seitenbreite hatte es das volle Klangvolumen.

Auch die Modelle Antik, Meißen und Eisenberg sowie der Flügel Modell 138 wurden gezeigt. Bei Eisenberg handelt es sich um ein besonderes Modell: Mit nur 98 Zentimetern Höhe war das Kleinstpiano auffällig. 1967 feierte man das 90jährige Jubiläum der Marke Geyer und zeigte zu diesem Anlass bei der Frühjahrsmesse ein Pianino aus dem Jahr 1877. Es handelte sich um das Instrument mit der Produktionsnummer 2.

In den 1970er und 1980er Jahren nahm die Qualität der Klaviere jedoch sehr stark ab. Die Betriebsleiter anderer Klavierbauerwerkstätten durften zu dieser Zeit zu einem Besuch in die DDR reisen. Es gibt Berichte, wie schmerzhaft sie es empfanden, den lieblosen Zusammenbau und die mangelnde Motivation in der Eisenberger Fabrik zu sehen. Die Instrumente wurden damals günstig verkauft und waren in der Bevölkerung durchaus gefragt. In den 1970er Jahren waren die Modelle „Dresden“ und „Weimar“ am bekanntesten. Klaviere und Flügel wurden in diesen Jahren von der staatlichen Einrichtung DEMUSA gehandelt. Nur ein sehr geringer Teil wurde in der DDR verkauft. Die meisten Instrumente gingen ins Ausland, davon etwa 10 Prozent in sozialistische Staaten und die übrigen 90 Prozent in den Westen. Erst nach 1982 kamen Klaviere aus Ostasien auf den europäischen Markt, die noch günstiger waren als die Modelle aus Eisenberg.

Vielleicht auch aus diesem Grund wurde die Klavierproduktion heruntergefahren. Im Möbelkombinat konzentrierte man sich nun tatsächlich mehr auf die Herstellung von Möbelstücken. Erst in den letzten drei Jahren der DDR-Zeit versuchte man wieder mit neuen Modellen, den Marktanteil zu erhöhen. Die meisten Klavierbauer der DDR wurden laut einigen Quellen im VEB Möbelkombinat Eisenberg ausgebildet.

Die Demusa vermeldete 1972, das zu diesem Zeitpunkt insgesamt 40 Flügel- und Pianomodelle in der DDR gefertigt wurden, und zwar teils handwerklich, teils in der Taktstraße. Die Herstellerfirmen waren laut der Instrumentenbauzeitschrift (Jahrgang 1972, Heft 9) überwiegend in Leipzig, Löbau und Eisenberg angesiedelt. Man brüstete sich, dass die Instrumente international gut angenommen würden. Der besondere Stolz der Demusa lag darin, dass große Stückzahlen der Klaviere und Flügel in europäische Länder und sogar nach Übersee exportiert wurden. Im VEB Möbelkombinat Eisenberg wurden die Fabrikate Geyer, Finger, Fuchs & Möhr auf modernen Taktstraßen produziert.

Geyer
Geyer

Zum 100jährigen Bestehen der Pianofabrik Geyer in Eisenberg widmete das Magazin Das Musikinstrument in der Ausgabe 1977/3 dem Unternehmen Geyer einen Artikel. Hier erfahren wir, dass der VEB Möbelkombinat Eisenberg als Produzent von Pianos und Flügeln anlässlich der Frankfurter Frühjahrsmesse 1977 alle zu diesem Zeitpunkt gefertigten Geyer-Modelle ausstellte:

– Modell Weimar: Nussbaum, mattiert, 98 Zentimeter hoch
– Modell Dresden: Eiche
– Modell Chippendale Classic: schwarz poliert, 7 ¼ Oktaven Tonumfang
– Stutzflügel: Rüster, mattiert, 138 Zentimeter lang

Man brüstete sich damit, dass die Geyer-Instrumente in rund 30 westlichen Ländern gerne gekauft wurden. Die gute Qualität und die stabile Ausführung waren der Stolz der Demusa: Gussplattenkonstruktion und stabile Rast waren genauso charakteristisch für jedes einzelne Modell wie der verdoppelte Massivstimmstock. Auch Das Musikinstrument informiert darüber, dass die Marken Geyer und Fuchs & Möhr in Großserie auf Taktstraßen gefertigt wurden. Die hohe Präzision der Bauteile und die objektiven Prüfungen und Messungen zur Sicherung einer stabilen Qualität brachte man mit dieser Form der Fertigung in Verbindung. Ende der 1970er Jahre war der VEB Möbelkombinat Eisenberg einer der größten Möbelproduzenten der DDR, weshalb die Gehäuse der Pianos so gestaltet waren, dass sie sich hervorragend in das Möbel-Ensemble einfügten.
Zu diesem Zeitpunkt waren alle Modelle mit zwei oder mit drei Pedalen lieferbar und mit 7 oder 7 ¼ Oktaven. Die einzige Ausnahme bildete das vergleichsweise winzige Modell Weimar.

1985 waren Instrumente des ehemaligen Herstellers Geyer bei der Frankfurter Musikmesse im Rahmen der Demusa-Ausstellung zu finden. Demusa bezeichnete den DDR-Außenhandelsbetrieb, unter dem die Instrumente ins Ausland verkauft wurden. In Eisenberg hatte man 1982 begonnen, die alten Modelle im Piano-Angebot durch neue Modelle zu ersetzen. Das Modell Dresden wrude durch das Modell Halle ersetzt, im Sortiment Fuchs & Möhr ersetzte man das Modell Allegro durch das Modell Andante. Die Instrumente waren allesamt 112 Zentimeter hoch und bauten auf bewährten Grundkonstruktionen auf. Kundenwünsche flossen ebenfalls in die Neugestaltung ein: Die Kniefreiheit war vergrößert worden, die äußere Gestaltung wurde verändert. Man verstärkte die Rastenkonstruktion und verbreiterte den Sockelboden. Der Abschluss nach unten war nun beim Modell Halle staubdicht. Das Modell Halle hatte drei Pedale und wurde auf Wunsch mit einem Handmoderator ausgestattet. Während dieses Modell in Nussbaum mattiert vorgestellt wurde, war das Modell Andante in Eiche natur, mattiert, gefertigt.

1989 stellte die Demusa mehr als 500 Exponate aus. Aus den Möbelwerken Eisenberg waren drei Pianos vertreten: Fuchs & Möhr stellten das Modell Rhapsodie II (schwarz poliert) vor, Geyer waren mit dem Modell Dresden S in Nussbaum natur und dem Eisenberg Modell 102 in Mahagoni poliert vertreten.

Wir hören 1990 wieder von Neuvorstellungen des VEB Möbelwerke Eisenberg. Diesmal ging es um das Modell Sonate der Marke Geyer, eine Weiterentwicklung der Reihe 110.

Das Pianomodell Sonate sollte das bisherige Modell Fortissimo ablösen. Neu war die Gehäuseausführung, außerdem erlaubte die Klaviatur mehr Spielfreiheit. Durchgehende gerade Konsolen gab es nun nicht mehr. Bei diesem Modell waren sie rechteckig und verliefen konisch, der Konsolenkopf war angearbeitet. Rechteckige, abgeplattete und an den Seiten angesetzte Füße vervollständigten das Design. Der Oberrahmen lag ebenfalls schräg, bedingt durch die abgeschrägten Seiten des Gehäuses. Der Sockelboden des Instrumentes war durchgehend gestaltet, was die schädigenden Einflüsse aus der Richtung des Fußbodens abhalten sollte. Die typischen Merkmale der Pianoreihe 110 übernahm das Modell Sonate. Der stabile Gussrahmen blieb erhalten, auch die Holzrast mit zwei Außen- und drei Mittelspreizen aus Nadelholz. Somit war die Stimmhaltung garantiert. Den Gussrahmen veredelte man mit Goldbronze. Der Stimmstock war im Spiegelschnitt hergestellt, und zwar aus Rotbuche. Aus Fichtenholz dagegen bestand der Resonanzboden. Zusammen mit den Stegen aus Rotbuche auf der Gegenseite, die mit Rotbuchen-Spiegelschnitt-Aufleimern verdoppelt waren, sollte das die Tonfülle des Instruments vergrößern. Dazu trug auch die besondere Wölbung bei. Das Modell Sonate wurde in Nussbaum und Mahagoni geliefert. Auf besonderen Wunsch wurden jedoch auch andere Furnierausführungen angefertigt. 7 ¼ Oktaven umfasste das Modell, das auf Kundenwunsch mit einem dritten Pedal und einem Handmoderator ausgestattet werden konnte. Im gleichen Jahr stellte der VEB Möbelwerke Eisenberg auf der Musikmesse das Modell Dresden S der Marke Geyer vor.

Heute: Produktion in China

1990 kam die Wende und damit das Ende der Kombinate. Etwa 7.000 Instrumente hatten während der DDR-Zeit das Kombinat verlassen, das Kombinat hatte nur 200 Mitarbeiter gehabt. Allerdings konnte der traditionsreiche Name genauso wie die Firmengebäude und der Mitarbeiterstab erhalten werden. Die ehemalige Pianoforte-Fabrik Adolph Geyer Nachf. wurde unter dem Namen Eisenberger Pianofortefabrik GmbH weitergeführt, die Treuhand ermöglichte ein eigenständiges Weiterbestehen. Aus dieser Konstruktion ging der Hersteller Wilhelm Steinberg Klaviere hervor, der bis heute in Eisenberg Klaviere baut. Hier entstehen heute qualitativ hochwertige Instrumente, die mit der DDR-Produktion nicht mehr viel gemeinsam haben. Etwa 1.000 Klaviere und Flügel stellt man hier heute her.

Etwa 100 Beschäftigte hatte die Pianoforte-Fabrik nach einigen Jahren des Neuanfangs noch. Die Wilh. Steinberg AG stand vor der Pleite, als Klaviergroßhändler Frederik Steffes im Auftrag einer Bank als Notvorstand einsprang. Er kaufte die Geräte und Gebäude der
Fabrik im Jahr 1998 und zog mit seiner Familie von Köln nach Eisenberg. Denn er erkannte, was Eisenberg schon am Ende des 19. Jahrhunderts ausgezeichnet hatte: Es gibt in Eisenberg nach wie vor hervorragend ausgebildete Facharbeiter, Klavierbauer und Tischler, die erstklassige Arbeit leisten. Täglich stellt Wilh. Steinberg in Eisenberg nun vier Pianos her. Die Fabrik arbeitet mit einer halbindustriellen Serienfertigung. Bis ein einziges Klavier aus den 6.000 Einzelteilen zusammengebaut ist, gehen insgesamt sieben Monate ins Land.

2013 wurde die Fabrik von der Parsons Music Group aus Hongkong übernommen. Geschäftsführer und Inhaber Frederik Steffes gründete 2015 zusammen mit Christoph Schulz eine eigene Fabrik, die Klaviere und Flügel A.Geyer werden seither in einer Fabrik
in China gebaut. Sie kommen aus der Provinz Zhejiang“.

Sehr herzlichen Dank an Frau Melanie Brigitte Weber für ihre interessante und umfangreiche Arbeit.

(*) Mehr über Melanie Brigitte Weber erfahren Sie hier: www.epubli.com/autoren/melanie-brigitte-weber-34985

Quellen und weiterführende Informationen:
Zeitschrift für Instrumentenbau, Jahrgänge 1885 bis 1941
Instrumentenbauzeitschrift 1966 bis 1985
Eisenachter Nachrichtenblatt 1878 – 1902
Das Musikinstrument 1977 – 1990
https://www.steenhuispiano.nl/historie/geyer-pianos-en-vleugels/
https://klavier24-berlin.de/produkt/adolf-geyer-klavier-gebraucht-kaufen/
https://books.google.be/books?id=vficj0cvmzwC&pg=PA616#v=onepage&q&f=false
https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenberg_(Th%C3%BCringen)
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Steinberg_(Klavierbau)
https://www.manager-magazin.de/lifestyle/technik/a-378525.html
https://www.pressreader.com/germany/ostthuringer-zeitungstadtroda/20171202/282054802357028