Adam, Friedrich
Hofpianofabrik, Krefeld, 1864 – 1929
Bis 1892 war Friedrich Adam der einzige Klavierhersteller, dann folgte Stephan Hain der bis 1972 bestand.
„Friedrich Adam wurde am 17. September 1839 in Wesel als zweiter Sohn des dort im Jahre 1879 verstorbenen Pianofortefabrikanten Gerhard Adam geboren. Er besuchte das Realgymnasium seiner Vaterstadt bis zur Erlangung des Einjährigfreiwilligen-Zeugnisses, um dann in der väterlichen Fabrik den Klavierbau zu erlernen Zu seiner weiteren Ausbildung ging er nach Paris und arbeitete hier 1858 in der Fabrik von Elcke. Im Jahre 1859 erfüllte er seine militärische Dienstpflicht, und 5 Jahre später finden wir ihn in Krefeld, wo er sich im Sommer 1864 unter sehr bescheidenen Verhältnissen etabliert hatte. Als zwei Jahre später der Krieg mit Österreich ausbrach, mußte er dem Rufe zu den Waffen folgen und seine Klavierbauwerkstätte schließen. Unversehrt kehrte Adam aus dem Feldzuge zurück, nahm sein Geschäft wieder auf und kaufte im Herbst 1867 ein Haus, um hier die sich immer mehr ausdehnende Klavierfabrikation in größerem Umfange weiter zu betreiben. Der Ausbruch des Krieges mit Frankreich zwang ihn, im Jahre 1870 sein Geschäft abermals zu schließen. Er machte den Feldzug von Metz bis Orleans mit, und als der Friede geschlossen war, begann er mit frischem Mute den dritten Aufbau seines Lebenswerkes. Kurz darauf, im Jahre 1872, gründete er sich seinen eigenen Herd“. (ZfI)
Schon 1867 stellte F. Adam in Paris Pianinos aus.
Der amtliche Katalog der Wiener Ausstellung 1873 zeigte ein “Ein hohes und ein schrägsaitiges Pianino, Mechaniken und Claviaturen werden fertig aus Paris, Hamburg und Stuttgart bezogen. … er beschäftigt 1871 zwölf Arbeiter, die 100 Pianinos fertigen und beschickt die Ausstellung Wien mit je einem gerad- und schrägsaitigen Pianino“. (Lieveverbeeck)
1880, zur Gewerbe- und Kunst-Ausstellung in Düsseldorf sind „Die Instrumente von F. Adam in Crefeld sind von tadelloser Eleganz“, und werden mit „Staatspreisen“ ausgezeichnet. (Lieveverbeeck)
Es war die Zeit der Medaillenverleihungen, so auch 1881: Das Kgl. Preussische Ministerium verlieh die Bronzene Medaille an F. Adam für gewerbliche Leistungen.
Weiter im Jahr 1881 erhielt F. Adam auf der internationalen Kunst- und Gewerbeausstellnng in Brüssel eine goldene Medaille für seine Pianinos.
Zur Colonial-Ausstellung 1883 in Amsterdam zeigte F. Adam drei schwarze Pianinos
„… wovon uns vor allem ein grosses kreuzsaitiges in schwarzem Kasten mit reich vergoldeter Ornamentik aufgefallen ist. In einem feinen Salon wird sich das Instrument sehr gut ausnehmen, um so mehr, da sich mit egalem Ton eine angenehme Spielart verbindet und die Uebergänge gut ausgeglichen sind. Ein weiteres kreuzsaitiges Pianino in schwarzem Kasten mit Nickelstimmstockplatte ist doch wohl etwas zu weich intonirt. Das dritte, geradsaitige Instrument ist von allen dreien entschieden das beste“. (ZfI)
Mit einer Silbermedaille kehrte er nach Krefeld zurück.
„Eine bedeutende Vergrößerung erfuhr 1885 die Fabrik von F. Adam. Derselbe hatte im vorigen Jahre ein im südlichen Stadttheile gelegenes grosses Grundstück erworben und darauf ein neues Fabrikgebäude errichtet, welches am 23. Mai d. J. dem Betriebe übergeben wurde. Der Fabrikinhaber veranstaltete bei dieser Gelegenheit seinen Arbeitern ein Fest, welches in ungetrübter Heiterkeit verlief und Zeugnis ablegte von dem innigen Verhältnis zwischen Principal und Arbeitern. Das neue Etablissement, welches infolge der stetigen Zunahme des Geschäftes dringend notwendig geworden war, ist mit Maschinen und allen Anforderungen der Neuzeit eingerichtet. Die Firma hat, wie wir hier noch erwähnen wollen, die Antwerpener Ausstellung mit drei schönen Instrumenten beschickt“. (ZfI)
Zu dieser Ausstellung erhielt F. Adam eine Goldene Medaille
„Am 13. Juli 1889 feierte die Pianofortefabrik von F. Adam in Crefeld auf dem herrlichen Herstattshof das Fest des 25-jährige Bestehens des Geschäfts. Im Laufe der wohlgelungenen Feier, an welcher sämtliche Arbeiter mit ihren Angehörigen, sowie Herr Adam mit seiner ganzen Familie theilnahm, hielt Herr Adam eine Ansprache, in der er die Geschichte des Geschäfts darstellte, Er berichtete, wie schwer es ihm anfangs geworden sei, infolge der Kriegsjahre 1866 und 1870/71 sein Geschäft so zu entwickeln. wie er es gewünscht, daß es ihm aber jetzt dank der langen Friedenszeit gelungen sei, dahin zu gelangen, wo das Geschäft heute stehe. Zum Gedächtnis des festlichen Tages machte Herr Adam dem ältesten Arbeiter seiner Fabrik ein Geschenk von 100 Mark und bestimmte, daß in jedem folgenden Jahre eine gleiche Gabe dem im Alter nächstfolgenden verliehen werden solle. Eine größere Anzahl von Arbeitern des Adam’schen Geschäfts sind bereits über 10 Jahre ununterbrochen in demselben thätig“. (ZfI)
F. Adam hat 1897 seinem Sohn Fritz Adam jr. Prokura erteilt.
In Paris, zur Weltausstellung 1900, zeigte F. Adam 1 Pianino in Nußbaum mit Goldgravierung und erhielt regelrecht einen Medaillenregen: 4 goldene, 2 silberne und weitere königlich-preußische Medaillen, dazu der Bericht:
„Einen äußerst gediegenen Eindruck macht das von der Firma F. Adam in Krefeld ausgestellte Pianino in hellem italienischem Nußbaum mit reicher Flachschnitzerei und Goldgravirung. Das Instrument ist ohne Aufsatz 141 cm hoch, hat 7 Oktaven Umfang, kreuzsaitigen Bezug und fein gespachtelten und bronzirten Eisenrahmen, der sich über die Stimmwirbel bis an den Deckel erstreckt, also Panzerstimmstock, doch so, daß die vernickelten Stimmwirbel nicht durch den Eisenrahmen führen, sondern der mit Messingplatte belegte Stimmstock um die Wirbel herum sichtbar ist. Die Stahlsaiten sind zum Schutze gegen Temperatureinflüsse verkupfert. Die Mechanik mit Oberdämpfung, in Eisengestell, ist von L. Isermann-Hamburg, die Klaviatur von J. Koch & Co. — Stuttgart. Der Ton ist singend und hält außergewöhnlich lange an. Das Instrument, das als erstes in der deutschen Abtheilung bereits am 18. April aufgestellt war, wurde von Herrn Adam an Ort und Stelle intonirt“. (ZfI)
Ein Katalog aus dem Jahre 1901 zeigte 14 Modelle.
F. Adam hat 1903 seinen Sohn als Teilhaber in die Firma aufgenommen.
1904 wurde das 6000 Instrument hergestellt und gleichzeitig das 40-jährige Bestehen gefeiert.
1908 wurde das 7000 Instrument ausgeliefert.
1909 verlieh der Fürst zu Lippe-Detmold der Firma den Hoflieferanten-Titel
Das 50-jähriges Bestehen 1914 verlief nicht ganz wie geplant. „Eine größere Festlichkeit war zu diesem Zwecke von dem Sohne des Gründers Herrn Friedr. Adam jun., der seit 1908 Alleininhaber der Firma ist, auf Mitte August angesetzt worden, weil die von ihm für eine Anzahl Arbeiterjubilare beantragten staatlichen Auszeichnungen im Juli noch nicht zugestellt werden konnten. Da kam am 31. Juli die Mobilmachungsorder, die den Inhaber als Hauptmann der Landwehr bereits am 2. August zu den Fahnen rief. Herr F. Adam jun. mußte sich bei 16. Landwehr-Infanterie-Regiment stellen. Unter solchen Umständen konnte natürlich die Feier nicht mehr stattfinden. Herr F. Adam sen., der Gründer der Firma, kann als 75-jähriger Greis die Fabrik allein nicht weiter führen, und so mußte der Betrieb einstweilen eingestellt werden. Es ist das dritte Mal, daß die Adam’sche Fabrik kriegshalber still stehen muß. Die beiden ersten Male (in den Jahren 1866 und 1870-71) war es der damalige Geschäftsinhaber der Vater, der als Kriegsteilnehmer in das Feld ziehen mußte, und jetzt ist es der Sohn, der draußen im Felde vor dem Feinde steht. Wir wünschen der Firma F. Adam, deren goldenes Geschäftsjubiläum in so schwere Zeit fallen mußte, nach siegreich beendetem Kampfe der deutschen Waffen ein weiteres Blühen und Gedeihen“. (ZfI)
Ein Senior und angesehener Vertreter des deutschen Klavierbaues ist heimgegangen. Im Nachruf ist viel Lobenswertes zu erfahren:
„In den Kreisen der Fachgenossen erfreute sich Friedrich Adam, der früher auf keiner Versammlung der Berufsgenossenschaft und des Vereins Deutscher Pianofortefabrikanten fehlte, großer Sympathien. Das Vertrauen, das man ihm hier entgegenbrachte, kam wohl am besten darin zum Ausdruck, daß er seit dem Bestehen der Berufsgenossenschaft der Musikinstrumenten-Industrie das Ehrenamt als stellvertretendes Vorstandsmitglied sowie als Vertrauensmann der Sektion 2 für die Provinz Westfalen bekleidete.
In seinem Sohne Friedrich fand Adam einen tüchtigen und hervorragenden Mitarbeiter, dem er die Zukunft des blühenden Unternehmens getrost überlassen konnte. … Am 1. Juli 1908 trat Friedrich Adam sen. aus der Firma aus, um den Abend seines Lebens in wohlverdienter Ruhe zu genießen. Trotzdem war er noch täglich im Geschäft und unterstützte seinen Sohn, wo er nur konnte, durch Rat und Tat. Die Ruhe, die er gesucht hatte, verstand er: frei von der Verantwortung, aber nicht frei von der Arbeit. Und als sein Sohn im August 1914 am zweiten Mobilmachungstage zur Truppe und ins Feld mußte, da nahm er es trotz seines hohen Alters auf sich, die Kriegszeit hindurch das Geschäft weiter zu führen. In diese Zeit fiel auch das 50-jährige Geschäftsjubiläum der Firma. Nach den schweren Sorgen der Kriegszeit kam die Revolution und mit ihr der Zusammenbruch Deutschlands. Man kann sich denken, wie diese Ereignisse auf den vaterlandsliebenden alten Herrn, der als Soldat in zwei Feldzügen für Deutschlands Einheit mitgekämpft hatte, seelisch einwirken mußten. Da Friedrich Adam jun. auf Urlaub nach Hause kam, konnte er dem Vater zur Seite stehen und ihm die Last der Geschäftsführung wieder abnehmen. Im Laufe des Winters machten sich aber bei ihm die Beschwerden des Alters immer mehr bemerkbar; er wurde, ohne körperliche Schmerzen zu empfinden, immer schwächer, bis er am Morgen des 10. Juli 1919 sanft entschlummerte. Seinem Wunsche entsprechend, fand die Einäscherung in aller Stille, nur in Anwesenheit der Familie, einiger guter Freunde und seiner alten Arbeiter statt. Ehre seinem Andenken“. (ZfI)
Ein letzter Nachweis:
„Am 7. September 1929 konnte Herr Albert Büreks sein 50-jähriges Arbeitsjubiläum bei der Firma F. Adam, feiern. Der Jubilar, ein tüchtiger Klavierfachmann, brachte es durch Fleiß und Gewissenhaftigkeit zum ersten Techniker, der das Ausregulieren der Instrumente besorgt. Der noch rüstige Fachgenosse ist Inhaber des Allgemeinen Ehrenzeichens“. (ZfI)





