Neufeld, L.

Pianofortefabrik in Berlin, 1872 – 1937

„Leopold Neufeld baut vor allen Pianinos für den Export. 1879 liefert die Firma 1.327 Pianinos aus, 1880 bereits 2.033 Pianinos … davon gehen jeweils die Hälfte nach Australien und Neuseeland, ein Drittel nach England und in die englischen Kolonien, der Rest geht in die übrigen europäischen Länder und nur wenige bleiben in Deutschland. Nach diesen Zahlen muß zwischen 1879 und 1880 eine Vergrößerung der Fabrik erfolgt sein“. (Henkel)

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Zur Ausstellung in Melbourne 1880 sandte „L. Neufeld in Berlin ein Pianino in Nussbaum. Das Pianino macht äusserlich einen guten Eindruck und hat eine eigenartige Einrichtung am Stege für die Basslage“. (1)
Leopold Neufeld verlegte 1887 sein Magazin und Bureau nach Charlottenstrasse 18.
Im gleichen Jahr erhielt er durch ein Dekret des deutschen Kronprinzen den Hoflieferanten-Titel.
Zu einer weiteren Weltausstellung 1888 in Melbourne sandte Neufeld 1 Flügel und 2 Pianinos.

 

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In Berlin verstarb am 16. Jan. 1890 „der Hofpianofabrikant L. Neufeld. Das Geschäft wird in unveränderter Weise von dem Bruder des Verstorbenen fortgeführt“. (1)
„In das Handelsregister des Kgl. Amtsgerichts Berlin wurde 1890 bei der Firma L. Neufeld, Pianofabrik folgendes eingetragen: Der Fabrikant Leopold Neufeld ist durch Tod aus der Handelsgesellschaft ausgeschieden. Die Wittwe Martha Amalie Neufeld ist am 16. Januar 1890 als Handelsgesellschafterin eingetreten. Zur Vertretung der Gesellschaft ist fortan nur der Gesellschafter Fabrikant Max Neufeld berechtigt“. (1)

Ausstellung 1896 in Berlin:
„Ein Stutzflügel in hell Italiener-Nußbaum im Renaissancestil, ist eigenes neuestes Modell der Firma. Bei einer Länge von 1,80 Meter entwickelt der Flügel bei angenehmer und glatter Spielart einen großen und edlen Ton und schöne Modulationsfähigkeit. Ein Pianino im Chippendale-Stil gebaut, in Alt-Mahagoni, mit stark durchbrochenen Füllungen im Oberrahmen sowohl wie im Unterrahmen. Das Instrument hat leichte Spielart und einen großen Ton. Beide Instrumente haben Isermann’sche Mechanik“. (1)
Zwei Pianos stellte Neufeld 1898 in Berlin aus und erhielt eine Silberne Medaille.

„Am 26. März 1904 geht die Firma ohne Forderungen und Verbindlichkeiten auf Kaufmann Karl Kilinski über, … Kilinski ist jetzt Alleininhaber, er verlegt noch 1904 die Fabrik nach Frankfurter Allee 47“. (2)

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„Durch ein verheerendes Feuer, das in der Nacht vom 23. zum 24. Dez. 1905 ausbrach, ist die Pianofortefabrik von L. Neufeld in Berlin fast vollkommen zerstört worden. … Gegen Mitternacht wurde die Wehr nach der Frankfurter Allee 47 gerufen. Dort befinden sich auf dem Hofe zahlreiche große Fabrikbetriebe, Holzbearbeitungsfabriken, Möbeltischlereien, Fräsereien. … Bei Ankunft des siebenten Dampfspritzenzuges standen das Erdgeschoß und der erste, zweite und dritte Stock des Quergebäudes der Pianofortefabrik … die sich bis vor kurzem in der Boeckhstraße befand, in großer Ausdehnung in Flammen. Es brannten Holzvorräte, Fußböden und Transmissionsriemen. Nach langer Tätigkeit glaubte die Feuerwehr durch ihr energisches Vorgehen des Feuers Herr geworden zu sein und rückte wieder ab, weil sie die Gefahr für beseitigt hielt. Die Mannschaft war aber kaum nach dem Depot zurückgekehrt, als sie abermals von vielen Seiten alarmiert wurde. Jetzt stand die Pianofortefabrik in ihrer ganzen Ausdehnung in Flammen, in kurzer Zeit waren acht Löschzüge zur Stelle. Das Quergebäude glich einem Hochofen. Die Flammen loderten hoch zum Himmel empor. Brausend und zischend mischte sich das Wasser, aus einem Dutzend Schlauchleitungen von Dampfspritzen gespeist, mit den feurigen Flammen, knisternd und krachend stürzten die Wände und Fußböden mit dem Inhalt an Maschinen, Vorräten und Inventar zusammen. … Die Pianofortefabrik ist total ausgebrannt, doch wird der Betrieb an anderer Stelle fortgesetzt werden“. (1)

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Gußplatten-Wappen

 

„Die Firma William Knabe & Co., Pianofabrik in Baltimore (Md.), hat ihre Niederlage 1906 der Firma L. Neufeld, Berlin, Potsdamerstraße 5, ab 1. Oktober übertragen“. (1)
1907 fand in Berlin die „Deutsche Armee-, Marine- und Kolonial-Ausstellung“ statt. L. Neufeld zeigten Flügel und Pianinos und erhielten eine Silberne Medaille. (1)
1908 wurde die Abteilung für Flügelbau vergrößert „und Flügel in vier Größen (1.52, 1.40, 1.90 und 2.10 m) hergestellt, wodurch ihre Jahresproduktion von 100 auf 300 Stück erhöht worden ist“. (1)
L. Neufeld gab 1908 ihre Fabrik-Niederlage in Essen a. Ruhr auf, das ganze Lager wurde aufgelöst.
„Die in der Vereinigung der Musikinstrumentenarbeiter und im Holzarbeiterverband organisierten Klavierarbeiter der Firma Neufeld haben 1908 wegen Herabsetzung der Löhne die Arbeit niedergelegt“. (1)

„Die Firma wird im April 1908 k. u. k. österreichischer Hoflieferant, im Jan. 1910 Kgl. griechischer Hoflieferant“. (2)
Der Inhaber von L. Neufeld, Karl Kilinski nahm sich am 15. Febr. 1909 aus „Geschäftssorgen“ das Leben. Drei Jahre vorher kaufte er die Fabrik. Waren es die „arg darniederliegenden Ausfuhrgeschäfte“? Nicht allein, denn von „finanziellen Schwierigkeiten der Firma könne keine Rede sein“. Starke Depressionen führten zum Selbstmord. Er wurde gerade einmal 45. Jahre alt.

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Ein Testamentsvollstrecker, ein Rechtsanwalt und ein Notar luden 1909 zu einer Gläubigerversammlung ein. „Es wird insbesondere unser Bestreben sein, das Geschäft mit der Firma möglichst vorteilhaft zu verkaufen und dadurch den Verlust der Herren Gläubiger tunlichst zu vermindern“. (1)
Noch im gleichen Jahr folgte die Eingetragen zur Firma L. Neufeld: „Inhaber ist Isidor Cohn, Kaufmann, Charlottenburg. Der Übergang der in dem Betriebe des Geschäfts begründeten Verbindlichkeiten ist bei dem Erwerbe des Geschäfts durch den Kaufmann Isidor Cohn ausgeschlossen“. (1)

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Eigenartige Geschäfte fanden immer wieder auch in der Klavierbranche statt. Im Berliner „Kleinen Journal“ vom 28. Juni 1917 finden wir folgenden Artikel:
„Der nachfolgend geschilderte Fall eines Abzahlungsgeschäftes und die sehr eigenartige Haltung der betr. Firma dem Käufer gegenüber verdienen als Beitrag zur Frage des Abzahlungs-Unwesens der Öffentlichkeit mitgeteilt zu werden. Der Käufer hat bei der Firma L. Neufeld, Hof-Pianofabrik in Berlin, ein Klavier im Betrage von 650 M. auf Abzahlung entnommen und bis jetzt von der Kaufsumme bereits 600 M. abgezahlt, so daß nur noch der kleine Rest von 50 M. übrig blieb“.
Aber, – durch die Kriegsverhältnisse bedingt, erhält der Käufer eine Rechnung in Höhe von 111 Mark mit der Begründung: „… Leihgebühr, Wertverminderung, Unkosten, Verpackung, Transport- und Speditionsspesen. … Haben wir nach 8 Tagen keine entsprechende Antwort von Ihnen, daß wir das Piano abholen lassen sollen, so werden wir unverzüglich die Klage einreichen, wodurch Ihnen natürlich wieder große Gerichts- und Anwaltskosten erwachsen“. (1)

„In die Firma L. Neufeld, Pianofortefabrik in Berlin, ist laut handelsgerichtlicher Eintragung vom 10. Juni 1918 Erich Cohn eingetreten. … Ein Jahr später wurde die Gesellschaft aufgelöst, Erich Cohn als alleiniger Inhaber eingetragen“. (1)
1920, „Die Firmen T. Trautweinsche Pianofortefabrik und L. Neufeld in Berlin haben gemeinschaftliche neue Fabrikräume in Berlin-Neukölln, Reuterplatz 2, bezogen. Der Betrieb ist dort in 3 Stockwerken untergebracht und mit allen modernen maschinellen Einrichtungen ausgestattet“.

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1923 folgte die Firmierung: „L. Neufeld G. m. b. H.“
„Die Weltwirtschaftskrise scheint die Firma ohne Schaden überstanden zu haben. Sie baut 1937 ausschließlich die damals viel diskutierten Geradsteg- Klaviere“. (Henkel)
„Bei der Firma L. Neufeld G. m. b. H., Pianofabrik in Berlin, wurde 1934 im Handelsregister eingetragen: Durch Gesellschafterbeschluß ist die Gesellschaft aufgelöst. Zum Liquidator ist der bisherige Geschäftsführer Kaufmann Erich Cohn bestellt“.

Quellen:
(1) Zeitschrift für Instrumentenbau
(2) Lexikon deutscher Klavierbauer, H. Henkel
(3) Robert Schillig, besten Dank.