Dieter's Klavierseiten

Datenarchiv des Klavierbaus

Dieter's Klavierseiten

Zacharias, Paul

Bestandteile-Großhandlung, Leipzig, 1892 – zunächst bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges

In Leipzig existierten nach H. Henkel 148 Klavierhersteller und Pianobauer.
In früheren Jahren stellten die Hersteller ihre Instrumente mit sämtlichen Bestandteilen selbst her.
Schon bald entwickelten sich die vielfältigen Piano-Bestandteilhersteller. Einige bestanden nur sehr kurze Zeit, andere über einen sehr langen Zeitraum, ja, bis heute. Der erste Teil beinhaltet die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg.

Ein sehr bedeutender Piano-Bestandteilehersteller war Paul Zacharias in Leipzig.
Zunächst in Pegau im Piauobestandtheile-Geschäft, schied 1892 der 44-jährige Carl Paul Zacharias, aus und übernahm das Geschäft von Woldemar Roscher in Leipzig, in der Mendelssohnstrafse No. 14 part.

Zacharias
Erst 58 Jahre alt starb 1896 Waldemar Roscher, Paul Zacharias führte das Geschäft unter seinem Namen weiter.
Nach Umzügen innerhalb der Leipziger Weststrafse erweitere 1905 Zacharias sein Angebot:
„… jetzt auch sämtliche Gummituche für Harmonium- und Orchestrionbau, sowie für alle pneumatischen Musikinstrumente“.

Zacharias

1908 erschien ein Plakat von Piano-, Flügel- und Harmoniumbestandteilen mit 135 Abbildungen von Bestandteilen. „Die Firma hat mit diesem Plakat einen langgehegten Wunsch ihrer zahlreichen deutschen und ausländischen Geschäftsfreunde erfüllt“.

Zacharias

Paul Zacharias erteilte 1910 seinem Sohn Erich Zacharias Prokura, aber schon zwei Jahre später wurde er als Teilhaber in die Firma aufgenommen und damit erlosch seine Prokura.
Ganz in der Nähe der Weststrafse 26 verlegte 1910 die Firma ihr Geschäft in die Weststraße 28, „… wo bedeutend vergrößerte Kontore und Lagerräume zur Verfügung stehen“.

Beitrag zum 25-jährigen Bestehen der Firma im Jahre 1917. „Aus den kleinsten Anfängen heraus, … hat es Herr Paul Zacharias verstanden, durch rastlosen Fleiß und Energie die Firma auf die heutige Höhe und zu Ansehen zu bringen und sich einen außerordentlichen großen Freundes- und Kunden-Kreis in der ganzen Musikbranche zu verschaffen. Herr Paul Zacharias steht trotz seines Alters von fast 70 Jahren noch rüstig dem Unternehmen vor, unterstützt von seinen beiden Söhnen, welche sich z. Zt. im Heeresdienste befinden. … Möge es Herrn Paul Zacharias noch recht lange vergönnt sein, seinem Lebenswerke vorzustehen“.
Ein Jahr später, 1918, feierte Paul Zacharias seinen 70. Geburtstag.

Zacharias

„… Im Jahre 1912 nahm Herr Zacharias seinen ältesten Sohn, Herrn Erich Zacharias, dem er eine vorbildliche Ausbildung in der Branche hatte angedeihen lassen, als Teilhaber in die Firma auf, und es wurde nunmehr auch die Tonholzerzeugung gepflegt, wodurch die Firma an Bedeutung für die Branche außerordentlich gewann. Die beträchtliche Ausdehnung des Exportgeschäftes nach allen Erdteilen hat der Firma Weltruf eingebracht.
Nachdem bei Kriegsausbruch beide Söhne des Herrn Zacharias zum Heeresdienste eingezogen worden sind, steht er seinem Geschäft allein rüstig vor. Die Branche dankt der Firma viele Hinweise und die Beschaffung mancher Ersatzmaterialien, die die Überwindung der durch den Krieg geschaffenen Fabrikationsschwierigkeiten erleichterten.
Wir bringen dem in Fachkreisen so wohlbekannten Jubilar unsere besten Wünsche dar. Möge es ihm beschieden sein, seine beiden Söhnen recht bald zur friedlichen Arbeit in sein Geschäft zurückkehren zu sehen, damit sein hoffentlich recht langer Lebensabend ihm die Freude beschert, die kräftige Weiterentwicklung seines Geschäftes, die wir wünschen, zu erleben“.

Der Seniorchef überließ 31. Dezember 1919 aus gesundheitlichen Gründen sein Geschäft seinen beiden Söhnen Erich und Alfred, die aus dem Ersten Weltkrieg glücklich nach Hause kamen.
„.. in einem warm gehaltenen Schreiben herzliches Lebewohl und Dank für das ihm allezeit geschenkte Vertrauen, das er auch auf seine Söhne zu übertragen bittet. Er gedenkt seinen Lebensabend in Leipzig zu verbringen und wird auch fernerhin mit Interesse die Weiterentwicklung unserer Branche verfolgen“.

Zacharias

Die Firma P. Zacharias stellte zur Herbstmesse 1920 in ihrem alten Messlokal Petersstr. 17 II aus. „… Die Firma wird zur diesjährigen Messe zum ersten Male wieder Resonanzholz und fertige Resonanzböden, verleimt und gehobelt, ausstellen, nachdem sie die Fabrikation der letzteren aufgenommen hat“.
Carl Paul Zacharias senior schied 1921 als Gesellschafter aus.
Am 1. Juni 1921 starb unerwartet im 73. Lebensjahre Herr Carl Paul Zacharias.

Er wurde am 2. September 1848 in Leipzig als Sohn des Tapezierer Meisters Otto Zacharias geboren. „Er verlebte seine Kindheit in Leipzig, besuchte hier die I. Bürgerschule und trat nach Beendigung der Schulzeit in das Speditionsgeschäft von Johann Christian Freigang in Leipzig ein, um in dieser Firma eine vierjährige Lehrzeit zu absolvieren. Er ist dann bei verschiedenen Firmen tätig gewesen, u. a. bei Dolge in Leipzig, Herrn Geyer in Eisenberg, Stahl- und Drahtwerk Röslau, welches damals errichtet wurde, später bei Kissing & Möllmann in Iserlohn, Köhler in Berlin u. a. m. Im Jahre 1884 verheiratete er sich mit Frl. Marie Herrmann aus Gera-Reuß, die ihm bis zu seinem Ende eine treue Lebensgefährtin gewesen ist. … Vor etwa siebzehn Jahren, 1904, erlitt Paul Zacharias einen Schlaganfall, der ihn zwang, mehr Rücksicht auf seine Gesundheit zu nehmen und die Reisetätigkeit mehr seinem ältesten Sohne, Herrn Erich Zacharias, zu überlassen, während er unermüdlich bis zum Winter 1919 von früh bis abends im Geschäft tätig war und dort seine reichen Erfahrungen zur Geltung bringen konnte. Dann zwangen ihn die mit dem vorgerückten Alter mehr und mehr hervortretenden körperlichen Beschwerden, die sich durch den s. Zt. erlittenen Schlaganfall vermehrten, sich schweren Herzens, aber der Not gehorchend, endgültig aus dem Geschäftsleben zurückzuziehen. Die letzten Jahre hat er dann in seinem Heim, Kaistraße 3, umgeben von seiner treuen Gefährtin, in beschaulicher Ruhe dahingebracht, oft von alten Geschäftsfreunden besucht und immer mit Interesse die Vorgänge und Ereignisse in seiner ihm so sehr ans Herz gewachsenen Klavierbranche verfolgend. Mit den durch den Umsturz 1918 eingetretenen veränderten Verhältnissen konnte er sich nur wenig befreunden, oft und gern erinnerte er sich dagegen der guten alten Zeit. Die meisten seiner Freunde und Bekannten hat er vor sich den Weg alles Irdischen gehen sehen, bis am 1. Juni 1921 ein sanfter Tod ihn plötzlich und unerwartet aus dieser Welt nahm, nachdem er erst am Abend vorher von einer Erholungsreise aus Weinböhla zurückgekehrt war. Rechtschaffen, fleißig, treu und bescheiden ist er in seinem arbeitsreichen Leben jederzeit gewesen, und die allgemeine Teilnahme von Bekannten und namentlich Geschäftsfreunden zeigte so recht, wie beliebt er bei seiner Kundschaft gewesen ist, und diese Anhänglichkeit sowie das ehrende Angedenken an ihn wird sich auch über sein Grab hinaus erhalten.
An seiner Bahre standen außer seiner Lebensgefährtin, mit der er 35 Jahre Freude und Leid geteilt hat, seine fünf erwachsenen und verheirateten Kinder“.

„Wie wir hören, hat die bekannte Firma P. Zacharias in Leipzig, Weststr. 28, 1922 eine in der Umgebung Leipzigs befindliche größere Fabrik von Piano- und Flügelbestandteilen aufgekauft, um im vergrößerten Maßstabe und unter Benutzung der modernsten Hilfsmittel und Spezial-Maschinen Piano- und Flügelbestandteile sowie Spezialartikel für den Bau von Harmoniums und Klavierspielapparaten herzustellen“. Außerdem errichtete die Firma eine Filiale in Berlin.

„Die sprunghafte Entwicklung der Firma P. Zacharias … brachte es schon vor längerer Zeit mit sich, daß die Räume in der Weststraße 28 für den jetzigen Großbetrieb viel zu klein wurden. Infolgedessen sah sich die Firma gezwungen, nach größeren modernen Bureau- und Lagerräumen sich umzusehen, was ihr auch nach längerem Suchen gelang, infolgedessen ist die Firma am 1. August 1924 nach ihren neuen Geschäftsräumen lnselstr. 31 übergesiedelt. Das neue Geschäftshaus, welches sich in allernächster Nähe des Hauptbahnhofes befindet, ist ein moderner Geschäftsbau, der mit allen Schikanen der Neuzeit ausgestattet ist, wie Zentralheizung, Aufzüge usw. Außer großen Bureauräumen ist das Lager übersichtlich eingerichtet, so daß die Firma in der angenehmen Lage ist, ihre Leistungsfähigkeit in schneller Lieferung wesentlich zu erhöhen. Moderne Pack- und Expeditionsräume, die durch Warenaufzug verbunden sind, setzen die Firma in den Stand, alle Aufträge am Tage des Eingangs schon zur Erledigung zu bringen. … Wenn sich die Firma P. Zacharias unter den jetzigen schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen entschlossen hat, eine derartig bedeutende Vergrößerung, die nicht mit geringen Unkosten verknüpft sein dürfte, vorzunehmen, so können wir darin nur ein Zeichen der Leistungsfähigkeit und des Unternehmungsgeistes des Hauses erblicken. Wir wünschen der Firma P. Zacharias in ihrem neuen Heim alles Gute und eine weitere Entwicklung des Unternehmens zum Segen unserer deutschen Industrie“.

Einen illustrierten Prachtkatalog gab 1924 die Firma heraus, „… wie er in solcher Ausführlichkeit und Reichhaltigkeit bisher noch nicht gebracht worden ist. … Das auf bestem Kunstdruckpapier hergestellte Heft, 160 Seiten in Hochquartformat umfassend, ist in einen braunmarmorierten Kartonumschlag gebunden, von dessen Titelseite sich der Namenszug ‚Zacharias‘ und das Wort ‚Bestandteile‘ in erhabener Goldprägung wirkungsvoll abheben. Das innere Titelblatt bringt auf der Rückseite das Porträt von Carl Paul Zacharias … und eine Ansicht des neuen, kürzlich bezogenen Geschäftshauses Inselstraße 31.

In übersichtlicher Weise, nach Nummern geordnet, folgen dann in 12 Abteilungen allgemeine Bestandteile, Bestandteile für Klaviaturen, für Mechaniken (mit instruktiven großen Modellen einer Unterdämpfungs-, Oberdämpfungs- und Flügelmechanik), für Flügel und Pianinos, für Einbau-Apparate und elektrische Instrumente, sowie für Harmoniums; dann alle nur erdenklichen Werkzeuge und Maschinen für Fabrik und Werkstatt, für Stimmer und Reparateure, ferner Resonanzböden und Resonanzhölzer, Leder, Lacke, Leim, Polituren, Filze, Tuche und Kontinental-Gummistoffe, Klavierlampen, Leuchter, Griffe usw., Klaviersessel und Bänke, Notenständer und Pulte, schließlich auch Laufwerke und Zubehörteile für Sprechmaschinen. Der Katalog enthält nicht weniger als 1875 verschiedene Nummern. … Am Schlüsse folgt dann ein Inhaltsverzeichnis in deutscher, englischer und französischer Sprache, alphabetisch und nach Nummern geordnet, so das ein jeder sofort und leicht den gewünschten Bestandteil oder Artikel auffinden kann. Man kann die Firma P. Zacharias zu diesem gediegenen Kataloge … nur beglückwünschen“.

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Wichtige Eintragung 1928 im Handelsregister: „Dem Kaufmann Hermann Alfred Jahn ist Prokura erteilt“.
Und schon 1931 wurde die Gesellschaft aufgelöst: „… Paul Alfred Zacharias ist als Gesellschafter ausgeschieden. Hans Meyer führt das Handelsgeschäft unter der bisherigen Firma als Alleininhaber fort“.
1935 feierte Erich Zacharias seinen 50. Geburtstag.

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Zwei Jahre später, 1937, konnte die Firma ihr 50-jähriges Bestehen feiern.
„Die Firma wurde vor 50 Jahren handelsgerichtlich eingetragen, dürfte aber bereits vor 1848 bestanden haben. Da indes der Gründer des Unternehmens seinerzeit aus Deutschland auswanderte, kann das genaue Gründungsdatum nicht mehr mit Gewißheit festgestellt werden. Aus diesem Grunde hat Herr Hans Meyer, der jetzige Inhaber des Unternehmens, die handelsgerichtliche Firmeneintragung als eigentlichen Gründungstag angenommen. Herr Hans Meyer, der viele Jahre in Frankreich, England und Italien lebte, übernahm vor nunmehr 12 Jahren die Firma P. Zacharias, die zu den bedeutendsten Bestandteilefirmen Europas zählt. Seiner Sachkenntnis, Umsicht und Tatkraft gelang es bald, das Unternehmen krisenfest zu machen und sicher vorwärts zu führen. Gerade in den Jahren des Niederganges der Pianofortefabrikation konnte Herr Meyer seine im Ausland erworbenen Erfahrungen der Firma zunutze machen und das Unternehmen wieder zu alter Blüte bringen. Das Exportgeschäft wurde erneut gepflegt und jetzt, beim 50. Jubeltag der Firma, sind nicht nur die allgemeinen Krisenschwierigkeiten überwunden, sondern es konnte sowohl eine wesentliche Steigerung des innerdeutschen Umsatzes wie auch des Exports erreicht werden. Nicht vergessen sei hierbei die tatkräftige Mitarbeit des Prokuristen, Herrn Alfred Jahn, der bereits seit dem Jahre 1921 Mitarbeiter des Unternehmens ist und es auf seinen vielen Geschäftsreisen verstanden hat, ein harmonisches Zusammengehörigkeitsgefühl mit der Kundschaft im In- und Auslande herzustellen. Die gesunde Einstellung der Geschäftsführung ist auch in einem idealen Zusammenarbeiten der Betriebsführung mit den Betriebsangehörigen stets nachhaltig zum Ausdruck gekommen. Das Personal der Firma besteht aus bewährten und branchekundigen Mitarbeitern, von denen die meisten weit über 10 Jahre dem Unternehmen angehören. Die altangesehene Firma darf somit auch ihrer weiteren geschäftlichen Entwicklung in berechtigter Zuversicht und Sicherheit entgegensehen“.

Die Gesellschaft der Firma Bretschneider & Co wurde 1938 aufgelöst, „Der bisherige Mitgesellschafter Martin Erich Zacharias ist alleiniger Inhaber“.

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„Der Prokurist … Alfred Jahn kann 1940 auf eine fünfundzwanzigjährige Berufszugehörigkeit zurückblicken. Herr Jahn, der seine Lehrzeit bei der Firma Ed. Sippach u. Sohn, Eisenberg, absolvierte, erweiterte anschließend seine Fachkenntnisse bei der Firma Hermann Schlessiger, Gera, und kam sodann zum Hause Zacharias. Durch unermüdliche Tätigkeit und intensiven Dienst am Kunden wurde er hier zu einer im In- und Ausland wohlbekannten und beliebten Erscheinung der Branche, deren Rat und Hilfe von den Fachgenossen gern in Anspruch genommen wird“.

1941, am 20. August, „starb an einem Schlaganfall der alleinige Inhaber der Firma Bretschneider & Co. in Leipzig, Erich Zacharias, im 57. Lebensjahr. Aufgewachsen in der Bestandteilebranche und nach seinem Ausscheiden aus der väterlichen Firma B. Zacharias, Leipzig, deren Inhaber der Verstorbene gemeinsam mit seinem Bruder war, gründete er im Jahre 1920 die Firma Bretschneider & Co., die er durch Fleiß, Erfahrung und Umsicht zu bekannter Bedeutung brachte. Größeren Plänen zu weiterem Aufbau des Geschäfts hat nun der Tod ein Ziel gesetzt, doch wird die Firma auch weiterhin im Sinne des Verstorbenen fortgeführt werden“.

Wie weiter? 1942 „wurde Inhaberin Adele Maria verw. Zacharias geb. Prager, Paul Werner Zacharias, Maria Ilse led. Zacharias, minderjährig, sämtlich in Markkleeberg, in ungeteilter Erbengemeinschaft des bisherigen Inhabers Martin Erich Zacharias. Die Prokura Hugo Alfred Köhler bleibt bestehen“.

Quelle: Zeitschrift für Instrumentenbau