Trautwein, Traugott

Pianofortefabrik in Berlin, gegr. 1820;

und 1890 schon oder erst das 4.000ste Instrument hergestellt?!
Zum Vergleich: Firma Irmler, Leipzig, gegr. 1818, produzierte 1890 das 8.500ste;
G. Adam, Wesel, gegr. 1828, brachte um diese Zeit das 8.000ste Instrument heraus.
Kann man überhaupt die Klaviernummern verschiedener Firmen gegenüber stellen? Natürlich nicht. Während bei den genannten Firmen mit dem Gründungsdatum auch die Herstellung von Instrumenten begann, war das bei T. Trautwein eine Ausnahme:
1820 wurde die Buch- und Musikalienhandlung von T. Trautwein gegründet.
„1840 wird das Sortimentsgeschäft an J. Guttentag verkauft, der Verlag wird 1858 von Martin Bahn erworben. Er führt ihn ab 1872 unter seinem Namen bis zu seinem Tod 1902 fort, danach geht der Verlag an Heinrichshofen in Magdeburg über“, die Firma in Berlin wurde gelöscht. (H. Henkel, Klavierlexikon)

Fa. Trautwein 1892
1892

Zu Trautwein wurde am 1. Juli 1894 in der ZfI informiert:
„Im Berliner Gesellschaftsregister ist unter Nr. 9206, woselbst die Handelsgesellschaft in Firma: Trautwein´sche Musikalienhandlung und Piano-Fabrik, gegr. 1820, mit dem Sitze in Berlin vermerkt steht, eingetragen: Die Gesellschaft ist durch gegenseitige Übereinkunft aufgelöst. Der Kaufmann und Fabrikant Isidor Cohn setzt das Handelsgeschäft unter unveränderter Firma fort“.

Fa. Trautwein 1899
1899

In dem Bericht der Geschäftsstelle des Verbandes Deutscher Klavierhändler „über die am 22. März 1911 in Berlin abgehaltene ordentliche Hauptversammlung“, ist die Anrede des Verbandsvorsitzenden Carl André aufmerksam zu „hören“:
„Meine Herren … Das größte Interesse der Versammlungsteilnehmer nahmen wohl die Mitteilungen in Anspruch, die der Leiter der Geschäftsstelle über die Prozesse gegen die Firma T. Trautwein in Berlin … machte“.

Was gibt es über Trautwein-Pianos zu sagen, welche Qualität hatten sie, welche Modelle?
Darüber finden sich in der damaligen am meisten verbreiteten Musikfachzeitschrift keine Hinweise. Umso mehr aber Kritiken und Prozesse.

Im Dezember 1911 folgte eine neue Anpreisung: „Trautwein-Pianos-Weihnachtspreise!“
Unter dieser Überschrift lesen wir in der Neuruppiner Zeitung vom 7. Dez. 1911 … im Inseratenteile folgenden Artikel:
„… Es sei hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß gegenwärtig die allbekannte T. Trautwein`sche Pianoforte-Fabrik in Berlin W 66, Leipziger Str. 6, für die Anschaffung eines Pianos einen außerordentlich hohen Rabattsatz gewährt. Es ist doch der Wunsch so manchen Familienvaters, der ganzen Familie eine Freude zu bereiten und ein Wertstück fürs Leben anzuschaffen … Für die Güte der Trautwein-Pianos spricht wohl am besten der Umstand, dass die Firma Trautwein in Berlin innerhalb 1 Monats von Käufern über 1000 Belobigungen erhalten hat, die zur Ansicht bereit liegen“.-

Im August 1917 wurde die Firma T. Trautwein`sche Musikalienhandlung und Pianofortefabrik, gegründet 1840, GmbH, in Berlin, laut handelsgerichtlicher Eintragung aufgelöst.
Anfang 1918 wurde berichtet: „ …daß die Firma T. Trautwein … aufgelöst sei, ist am Schluße des alten Jahres wiederum neu eingetragen worden:
´Firma T. Trauwein`sche Musikalienhandlung und Pianofortefabrik, gegründet 1840´, in Berlin. Inhaber: Isidor Cohn, Kaufmann in Charlottenburg.“.

Fa. Trautwein 1920
1920

„Siehe, wie fein und lieblich ist´s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen“ (Psalm 133,1). Warum sollte das in der Klavierbranche nicht möglich sein? Die Firmen T. Trautwein`sche Pianofortefabrik und L. Neufeld in Berlin haben 1920 gemeinschaftliche neue Fabrikräume in Berlin-Neukölln, Reuterplatz 2, bezogen. Der Betrieb ist dort in 3 Stockwerken untergebracht und mit allen modernen maschinellen Einrichtungen ausgestattet.

Nach nur drei Jahren war die Ära der „gemeinschaftlich neuen Fabrikräume in Berlin-Neukölln, Reuterplatz 2“ schon beendet: „Die Firma T. Trautwein`sche Pianofortefabrik A.-G. in Berlin teilt mit, daß sie ihren Hauptfabrikationsbetrieb nach Berlin SO 36, Maybach-Ufer 48/51 verlegt hat, woselbst sich auch die Geschäftsleitung und die Bureaus der Firma befinden. Sie bittet deshalb, alle Anfragen und Zuschriften von jetzt ab nur noch an diese Adresse zu richten“.

Sehr interessant ist eine Änderung des Gesellschaftsvertrages aus dem Jahre 1933: „Gegenstand des Unternehmens ist jetzt: Fabrikation und Vertrieb von Piano, Flügeln, und anderen Musikinstrumenten …“ Immerhin, 113 Jahre nach Firmengründung wurden in der Pianofortefabrik auch Flügel hergestellt.
In der Zeit, in der ein Großteil der deutschen Klavierfabriken aufhörte zu existierten, konnte sich der Flügelbau natürlich nicht etablieren, wie die ganze Firmenlage auch, denn durch Beschluss der Generalversammlung vom 20. Mai 1936 wurde die A.-G. aufgelöst, und im Jahre 1938 „nach Schluß der Abwicklung gelöscht“.

Insgesamt wurden von der Firma über 38.000 Instrumente hergestellt. (Großbach, Atlas der Piano-Nummern)

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