Hillgärtner, Heinrich (Mozart)

Pianofortefabrik, Berlin, 1901 – 1924 (1926)

Eine kleine Berliner Pianofabrik, geschmückt mit großen Namen.

1903 zeigte Hillgärtner eine „hübsch ausgestattete Preisliste … die Firma zeigt neun neue verschiedenartig ausgestattete Modelle ihrer Mozart-Pianos von 120 – 142 cm Höhe in gut ausgeführten Autotypien wieder, desgleichen je eine Ansicht der Innenkonstruktion und des Resonanzbodens“.HillgärtnerSeit August 1903 schmückte sich Hillgärtner mit großen Namen, das Warenzeichen „Mozart-Piano“ wurde eingetragen. Etwa 10 Jahre später erhoben sich Proteste des Vereins Deutscher Pianoforte-Fabrikanten, davon später.
1905, zur „Musik-Fachausstellung“ in der Berliner „Philharmonie“ konnten die Mozart-Pianos bewundert werden. Insgesamt 8 Pianinos „in den verschiedensten Holzarten und in modernster Ausführung. … Die Instrumente wiesen angenehmen Ton und leichte Spielart auf“.
Dem Königreich Bayern übertrug Hillgärtner 1906 den „Alleinverkauf ihrer Fabrikate … dem Internationalen Verlags-Institut. E. Prófit, München“. Eine eigenartige Übertragung – warum das? Was erhoffte sich Herr Hillgärtner vom „Internationalen Verlags-Institut. E. Prófit, München II“?
1907 erfolgte der Umzug nach Pankow, Uckermarkstr. 176.
Das zur hessischen Landesausstellung in Darmstadt „ausgestellte Piano ist in den Besitz des Großherzogs von Hessen übergegangen“. Vom Hofmarschallamt in Darmstadt erhielt die Firma „ein anerkennendes Schreiben über das Instrument“. Und nach einem halben Jahr erhielt er den Titel „eines Großherzogl. Hoflieferanten verliehen“.

Hillgärtner 1910

Als Gesellschafter trat 1909 der Kaufmann Richard Kilz in die Pianofortefabrik ein.
Kurze Zeit später erfolgte die Auflösung der Gesellschaft, Heinrich Hillgärtner „ist alleiniger Inhaber“.
1909 betrug die Jahresproduktion über 1.500 und 1910 fast 2.000 Instrumente.
Die Fabrikniederlage der Mozart-Pianos in Spandau übernahm „der seitherige Leiter Herr Anton Bittner … für eigene Rechnung. … Die Firma heißt jetzt: A. Bittner, Handlung mit Pianos …“.

Heinrich Hillgärtner – Nachruf: „Nach nur achttägigem Krankenlager im Alter von erst 58 Jahren“ starb Heinrich Hillgärtner am 11. Februar 1911. „Kaum eine Woche vor seinem Tode war es, da konnten ihm seine Angestellten und seine Geschäftsfreunde zu seinem 10jährigen Geschäftsjubiläum und zur Fertigstellung des 10.000 Klavieres gratulieren. … ein äußerst rühriger und beliebter Fachgenosse, der auch von seinen Arbeitern als ein jederzeit gerechter und wohlwollender Chef verehrt wurde, ist mit ihm allzufrüh seinem blühenden Geschäftsunternehmen entrissen worden“.

Nach dem Tode von Heinrich Hillgärtner sind in die Gesellschaft eingetreten: Richard Hillgärtner, Frau Emma geb. Hillgärtner, George und Emil Hillgärtner.Hillgärtner 1914

Ein neuer Katalog über „Mozart-Pianos“ lag 1912 vor. „In erhaben geprägten schwarz-goldenen großen Lettern hebt sich das Wort Mozart-Pianos von dem heliotropfarbenen Grunde wirkungsvoll ab, während auf dem darunter befindlichen schwarzen Felde die Firma in Goldlettern leuchtet. … Wir finden auf 32 Seiten … nicht weniger als 24 Pianino-Modelle, ein Mozart-Einbau-Piano, einen Stutzflügel, sowie 5 Innenansichten von Pianinos und die Ansicht eines Resonanzbodens“.
Weitere Reklame versandte 1913 der Hoflieferant und zeigte zwei neue Modelle seiner Mozart-Pianos: Mod. A, 134 hoch; Mod. B, 137 cm hoch.

Der „Verein Deutscher Pianoforte-Fabrikanten“ brachte 1914 folgende Mitteilung:
Gegen die als Warenzeichen für Pianos im Jahre 1903 eingetragenen Worte `Mozart-Piano´ ist beim Kaiserlichen Patentamt Einspruch erhoben worden mit der Begründung, daß es seit Jahrzehnten im Klavierhandel allgemein üblich sei, derartige Namen, insbesondere den Namen Mozart, zu verwenden, so daß die Bezeichnung `Mozart-Piano´ ein Freizeichen für Klaviere schon zurzeit der Anmeldung gewesen und noch jetzt sei. Das Kaiserliche Patentamt hat nun um Bekanntgabe solcher Tatsachen und Vorgänge gebeten, die über die Benutzung der Worte `Mozart-Piano´ Aufschluß geben können. Ich ersuche die Herren Mitglieder unseres Vereins, soweit möglich, um recht baldige Mitteilung solcher Tatsachen und Vorgänge und werde mir gestatten, gegebenenfalls über die eingegangenen Mitteilungen mich noch direkt bei deren Einsendern zu unterrichten. Leipzig, am 18. August 1914. Der Syndikus: Justizrat Dr. Anschütz“.
Nach einem dreiviertel Jahr wandte sich der Justizrat noch einmal dringend an die Pianofortefabrikanten um „baldige Mitteilung“. Mit Erfolg? Keineswegs.HillgärtnerKurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges stellte die Firma einen Antrag zur Abwendung des Konkursverfahrens.
November 1916: „Die Zahlungsschwierigkeiten der Pianofortefabrik Heinrich Hillgärtner … beschäftigten … eine Gläubigerversammlung, in welcher der die Geschäftsaufsicht führenden Person Vorwürfe gemacht wurden, unsachgemäß gehandelt zu haben. Ein Konkursantrag kann nicht gestellt werden, da drei Teilhaber im Felde sind“. Trotzdem, noch im November 1916 wurde das Konkursverfahren eröffnet.
Ein Jahr später sollte im Rahmen des Konkursverfahrens „eine Abschlagverteilung von 6 Prozent vorgenommen werden“.
Das sind aus der Zeitschrift für Instrumentenbau die letzten Notizen über Hillgärtner.

Zur Prenzlauer Promenade 176:
Die Pianofabrik H. Hillgärtner war bis 1906 in N, Kastanienalle 79, Heinrich Hillgärtner baute sein eigenes Haus auf der Uckermarkstr. 176. Diese Straße wurde 1912 umbenannt in Prenzlauer Promenade 176. Um 1925 produzierte dort außerdem die Pianofabrik „Schütze, Nachf., Heinrich, Zimmermann & Eschenburg A.-G.” und ab 1930 „Friedrich Zimmermann Pianofortefabrik”, deren Firma 1933 die Fabrikanlage erwarb.

Noch einmal zu „Mozart“:
Mozart-Pianos, das Wortzeichen von H. Hillgärtner – erschien trotz vergeblicher Einsprüche des Vereins Deutscher Pianoforte-Fabrikanten auf eine andere Weise 1921 wieder.
Von 1921 bis 1925 erschien die Anzeige: (Hillgärtner) MozartDie Vorstandsmitglieder der Pianofabrik „Mozart“ eGmbH, Kurt Regler und Paul Wend, haben nichts mit Hillgärtner zu tun, werden aber später in der Pianofabrik Mozart, Max Asser als Geschäftsführer erwähnt.

Ein großes Schadenfeuer Ende Januar 1925 vernichtet die Fabrikanlage der „Pianofabrik Mozart“. „Das Geschäft wird im März 1925 von Max Asser erworben, der es in eine neu erbaute Fabrik nach Holsteiner Ufer 11 verlegt“ (Henkel). Max Asser seine Fabrik bestand von 1919 bis 1926 in NW 23, Flensburger Str. 1. Er ändert die Firma 1927 in Pianofabrik Mozart, GmbH, Max Asser“, und zog aber bald wieder um, ab 1927 in N 31, Ackerstr. 136, und zwei Jahre später S 59, Urbanstr. 63. Vermutlich zog er noch einmal um – nach einem Zitat aus der „Deutschen Instrumentenbau-Zeitung“ vom 20. Mai 1942:
Fa. Pianofabrik Mozart GmbH. Max Asser, Berlin SW 29, Boeckstr. 25. Die Gesellschaft ist durch Beschluß vom 23.4.1942 aufgelöst“.

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