Pfaffe, Julius

Pianofabrik, Berlin, 1860 (?) – 1929

Julius Pfaffe stammt aus einer musikalischen Familie, seine Vorfahren waren „Musikusse“ beim Königsstädtischen Theater am Alexanderplatz, einem privat geführten Volkstheater im Gegensatz zu den Hofbühnen der Stadt.
Ein Kammermusikus, „Pfaffe, F.“, war bereits 1831 Inhaber eines „Fortepiano-Magazins“.
Pfaffe, P.“, vermutlich Philipp Pfaffe, war „Fortepiano-Verleiher“ und seit 1843 Inhaber einer Pianofabrik. Zur Weltausstellung 1844 in Berlin stellte Philipp Pfaffe ein „Flügel-Fortepiano von Polysanderholz in engl. Bauart“ aus. Zitat aus der Berliner Musikalische Zeitung vom 14.09.1844: „Ein Flügel Fortepiano in Polysander, engl. Bauart. Preis 400 Thlr. – Die zwei colossalen Spreizen von Gusseisen allen beim ersten Blick als eine nicht gewöhnliche Construction auf, da man diese Einrichtung bei keinem andern der ausgestellten Instrumente wahrnimmt. Auch stehen sämmtliche Stimmenstifte in einem Messingbalken, was für die Dauer des Instrumentes gewiss von Nutzen ist; wie es sich den Herrn Pfaffe auch besonders angelegen sein lässt, dem Verstimmen der Instrumente entgegen zu arbeiten. Ton und Spielart sind gut“.
Drei Jahre später, 1846, ist Philipp Pfaffe „Flügel- und Fortepiano-Fabrikant“, diesen Titel behielt er bis zu seinem Lebensende, vermutlich 1858.
Sein 1827 geborener Sohn, Julius Pfaffe ist im Jahre 1848, wie sein Vater, als „musikalischer Instrumentenmacher“ und „Fortepiano-Stimmer“ verzeichnet, 1867 nannte er sich Pianoforte-Fabrikant. Das erst seit 1904 erstmalig erwähnte Gründungsdatum „1860“ der „Julius Pfaffe, Pianofabrik“ ist nach den Berliner Adressbüchern nicht dokumentiert.
Julius Pfaffe, seine Qualitätsinstrumente wurden bis Australien, England und Südafrika exportiert, bei einer Beschäftigungszahl von etwa 50 Arbeiter. 1881 erhielt er den Titel eines Hof-Pianoforte-Fabrikanten. 1884 stirbt Julius Pfaffe. Die Firma wurde von seinem Stiefsohn, Ludwig Hahndorf, und später von dessen jüngeren Bruder, Max Hahndorf, weitergeführt.

Pfaffe 1

Auszeichnungen blieben nicht aus, zunächst der I. Preußischen Staatspreises und weitere Medaillen.
Zur Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 stellte Pfaffe drei „reich ausgestattete Pianinos aus. Ein Pianino in Polisanter mit Thuja im Stil Louis XVI., in orientalischer Manier, hat ebenso wie das zweite Instrument in hell Nußbaum mit Thuja im Stil der deutschen Spätrenaissance, mit einer Gallerie in der offenen Mittelfüllung, einen Schallkasten. Der Ton ist bei angenehmer Spielart höchst sonor und klangvoll. Das dritte Instrument in modern englischem Stil, Alt-Mahagonie, zeigt reiche Intarsien-Verzierungen. Auch diesem ist angenehme Spielart und runder voller Ton nachzurühmen. Alle 3 Instrumente sind eigene Modelle. Sie stehen außer Preisbewerbung“. Pfaffe 2

Im Berliner Meßpalast fand 1898 die Musikausstellung statt und Pfaffe zeigte „ein Pianino in deutschem Spätrenaissance-Styl, Nußbaum mit Thuja“ und erhielt eine silberne Medaille.
Hoher Besuch im Herbst 1901 vom „Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha mit seinem Adjutanten“ besuchten „das Magazin der Hofpianofabrik … und wählte sich hier für seinen eigenen Gebrauch ein Pianino aus, über welches er der Firma seine volle Zufriedenheit ausdrücken ließ“. War der Herzog des Klavierspielens kundig oder sein Bodyguard oder gar keiner von Beiden? Wichtig für die Firma war der hohe Besuch.

Pfaffe 3

Die Verlegung 1909 nach Frankfurter Alle und Rigaer Straße erfolgten, um „die Fabrikation jetzt in bedeutend größeren Räumen und in vergrößerten Umfange betrieben wird“. Auch das Kontor und das Magazin wurden ein Jahr später nach der Frankfurter Alle verlegt.
Jede Pianofabrik wünscht sich einen guten Vertreter. Manch einer bietet sich sogar an:
Wilmersdorf-Berlin, den 9.12.12
Herrn Julius Pfaffe, Berlin W.
Gestatte mir mit diesem die Anfrage, ob Sie mir ein gebrauchtes, jedoch gutes Klavier zum Weiterverkauf übergeben wollen, bin seid mehreren Jahren hier von den Häusern Wilhelmstraße 7 und 8, Verwalter, habe schöne parterre gelegene Wohnung und möchte mich als Vertreter Ihrer Fabrik empfehlen. Bitte um gefl. Zuschrift möglichst umgehend
Hochachtend Friedr. Müller, Verwalter“.

Herr Müller hat sich, da er bei der Firma Jul. Pfaffe kein Glück hatte, vielleicht auch noch an andere Berliner Fabrikanten gewandt. Hoffentlich überall mit dem gleichen negativen Erfolge“.
Schwindler und Betrüger, im Kleinen und im Großen, waren schon immer emsig. So auch ein Herr aus Riesa. Die Firma Julius Pfaffe hatte 1914 an den Herrn „ein Piano in Kommission verkauft, sich aber zur Sicherheit noch einen Wechsel geben lassen. Der Herr hat nun, wie sich jetzt herausstellt, das Instrument verkauft und ist, ohne etwas von sich hören zu lassen nach unbekannt verzogen. Da sich der Herr im vorliegenden Falle einer strafbaren Handlung schuldig gemacht hat und die Vermutung nahe liegt, daß auch die anderen Fabrikanten, mit denen er gearbeitet, von ihm in ähnlicher Weise geschädigt worden sind, so hält die Firma Julius Pfaffe ein gemeinsames Vorgehen für geboten“.

Pfaffe 4

1926 starb der Inhaber Max Hahndorf, er wurde Max Pfaffe genannt. Die Firma führte die Witwe Frau Elise Pfaffe weiter.
Zwei Jahre später wurde das Konkursverfahren eröffnet und ein Jahre später, Ende 1929 „infolge Schlußverteilung … aufgehoben worden“.
Die Seriennummern nach dem Pianoaltlas (Großbach):
1900 = 7.000, 1905 = 8.000, 1913 = 11.755, 1918 = 13.000

Pfaffe 5

Ein bei Ebay abgebotenes Klavier mit einer Seriennummer von fast 15.000 könnte eines der letzten gewesen sein.