Kohl, Heinrich

Pianofabrik Hamburg

1855 – 1931

Hamburg ist nicht gerade eine Stadt mit reichlich Klavierherstellern, gab es doch 1903 nur acht und in der Hoch-Zeit des Klavierbaues nur elf Pianofortefabriken. Die Zahl nahm nach dem Ersten Weltkrieg wieder ab. Es gab auch einzelne Namen in Klavieren von den zahlreichen Hamburger Exportfirmen die von dort in alle Welt verschifft wurden, Hersteller unbekannt.

Emil Kohl, der Sohn des Gründers, stellte drei Jahre nach der Erfindung der Janko-Klaviatur im Jahre 1887 ein Piano mit Janko´scher Klaviatur her.

Sein Warenzeichen meldete E. Kohl schon 1883 beim „Landgericht zu Hamburg“ an, wurde aber erst 1889 veröffentlicht.

Warenzeichen

Auf der Musikausstellung 1898 im „Berliner Meßpalast“ waren ein Flügel und ein Piano zu sehen, darüber hinaus das „Krogmann´sche Hammerklavier, ein Virginal aus dem Jahre 1569“, welches zur Pianofabrik von Kohl gehörte – siehe weiter unten.

Emil Kohl starb 1902 im Alter von 55 Jahren.

In den Nachrufen verstorbener Persönlichkeiten des Klavierbaues werden in den ZfI´s Daten im Rückblick auf das jeweilige Leben hervorgehoben:

Der Gründer Heinrich Kohl stirbt 1874, die Firma wird jetzt vom Sohn Emil Kohl fortgeführt. 1886 werden die Flügel und Pianinos sämtlich nach eigener Konstruktion und mit eigener, patentierter Mechanik hergestellt, alle Bestandteile, auch Mechanik und Klaviaturen, werden in den eigenen Werkstätten angefertigt“. (Henkel)

Emil Kohl, geb. 22. Nov. 1847 in Hamburg, erhielt eine „vorzügliche“ Schulbildung, trat als 16-Jähriger bei seinem Vater in die Lehre ein. Nach seiner Lehrzeit ging Emil Kohl zwei Jahre nach Paris. Natürlich bewegte er sich in den besten Kreisen. „Die ersten Capacitäten auf musikalischem Gebiete gingen dort ein und aus, und naturgemäß war

der junge Deutsche mit dem lebhaften Temperament und großen Wissensdurst für diese ein Anziehungspunkt, wohingegen unser Jünglich stets Anregung und große Befriedigung im Verkehr mit diesen Künstlern fand. Der Komponist Auber gehörte zu denjenigen, die den jungen Mann ganz besonders in ihr Herz geschlossen hatten. Noch in späteren Jahren erzählte der nun Dahingeschiedene oft und gern von seinem Aufenthalte in Paris und würdigte stets die Vortheile, die sein Vater ihm hierdurch geboten hatte“.

Bild H. Kohl

Adolf Heinrich Emil Kohl besuchte im In- und Ausland „erste Fabriken“, um dann 1874 die Fabrik seines Vaters zu übernehmen. „Durch unermüdlichen Fleiß und größter Gewissenhaftigkeit hat er es verstanden, der damals schon gut fundirten Firma den Weltruf zu sichern, den sie jetzt besitzt. Er war stets darauf bedacht, nur das Beste zu liefern, und fand seine Befriedigung darin, immer und immer weiter zu streben nach höherer Vollendung. […] Aber nicht allein mit der That hat er vielen gedient, sondern er war auch Manchem ein sorgsamer Berather mit weitsichtigem Blick. Vor allem war ihm sein Personal in dieser Beziehung ans Herz gewachsen. Er war ein Organisator im wahrsten Sinn des Wortes und ein liebevoller Chef demjenigen gegenüber, der sich in seiner Pflichterfüllung mit seinen eigenen diesbezüglichen Ansichten vereinte. Aber auch ein strenger Richter da, wo irgend welche Nachlässigkeit oder gar Indolenz (Anm.: Unempfindlichkeit gegen Schmerz) vorherrschend war. Was er jedem Menschen entgegenbrachte, verlangte er auch von jedem. […] Er war kein Freund von Jubiläen und derartigen Veranstaltungen, wohingegen er, wenn es sich um Feste handelte, welche er mit seinem Personal zu feiern hatte, stets und freudig bei der Hand war. Der Stamm seines Fabrikpersonals ist ein guter und wohlgepflegter. Durchweg sind es Leute, die Jahrzehnte der Fabrik angehören, und was die Leiter der verschiedenen Abtheilungen anbelangt, so betrachten dieselben es als ihre Lebensaufgabe, treu und unentwegt stets ihr Bestes zur Wahrung des Rufes der Firma einzusetzen. Daß unter solchen Umständen ein gedeihliches Zusammenleben erwirkt werden mußte, ist wohl erklärlich“.

Firmen Plakat

Emil Kohl bekam 1883 den Titel: Hoflieferant des Herzoges Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha verliehen und zwei Jahre später „ernannte ihn die Königl. Akademie in Stockholm zu ihrem Mitgliede. […] Am 23. Dezember v. J. hatte er noch die Freude, das Dekret zu empfangen, wonach Se. Majestät der Kaiser von Österreich ihn mit dem Titel eines Kaiserl. und Königl. Hof-Pianofortefabrikanten ausgezeichnet hatte. Alle diese Ehrungen hat er freudig und dankbar entgegengenommen; er war aber kein Freund davon, mit diesen wohlverdienten Auszeichnungen zu glänzen. […] Schon während des letzten Winters kränkelte er fortwährend. Nach einem vierwöchtlichen Aufenthalt in Wiesbaden im Frühjahr kam er Anfang Mai nach Hamburg zurück und mußte sich hier auf ärztliche Anordnung der unbedingten Ruhe hingeben. Nach einem fast siebenwöchentlichen Krankenlager endete ein sanfter Tode am 27. Juni das Leben dieses regen und schaffenden Geistes. Ein sich im Laufe der Zeit entwickeltes Herzleiden war die direkte Todesursache. An seinem Grabe trauern die Wittwe, die augenblicklich von Krankheit heimgesucht ist, die alte Mutter und viele sonstige Verwandte und Freunde des Hauses. Auf seinen Wunsch wird die Fabrik auch nach seinem Tode in gleicher Weise wie zu seinen Lebzeiten unter Leitung langjährig bewährter kommerzieller und technischer Kräfte fortgeführt. Wie es im Geschäft zu seinen Lebzeiten traditionell geworden, so soll es auch nach seinem Ableben noch zur Ehrung seines Namens fortgeführt werden“.

Ein wenig fremd erscheinen uns heute die Anzeigen in den ZfI´s: „Der Zug des Todes im Jahre 1902: Eine reiche Ernte hat der Tod im vergangenen Jahre in den Reihen der Fachgenossen gehalten. Es wurden aus unseren Kreisen ins Jenseits abberufen: … Kohl, Emil, Pianoforte-Fabrikant in Hamburg, Inhab. der Firma H. Kohl“.

Die Witwe „setzt zunächst die Firma fort, nimmt aber am 12. Nov. 1902 die bisherigen Prokuristen Theodor John Helmund Ahrens und Heinrich Peter Blanck als Teilhaber auf, das Geschäft wird OHG unter unveränderter Firma. Ab 1906 sind Ahrens und Blanck Inhaber der Firma“. (Henkel)

1904 „erfuhr die Sammlung alter Musikinstrumente des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg einen beachtlichen Zuwachs durch eine großzügige testamentarische Erwerbung von alten italienischen und hamburgischen Tasteninstrumenten aus dem Vermächtnis des Hamburger Pianoforte-Fabrikanten Adolph Heinrich Emil Kohl und dessen Ehefrau Maria. […] An jedem dieser fünf dem Museum überlassenen Instrumente wurde, und zwar jeweils außen auf der vorderen Zarge des Korpus, rechts ein viereckiges Messingschildchen mit folgender Gravierung befestigt: Vermächtnis des Herrn A. H. E. Kohl u. seiner Ehefrau Maria geb. Ort, i. J. 1904“

(Das Musikinstrument, Heft 2 – 3, 1996, S. 64)

Die testamentarischen Erwerbungen waren:

Das älteste der Instrumente, ein Virginal, ist ein Werk des Hannibal [dei Rossi] in Mailand, wie die Inschrift: Opus Annebalis Mediolanensis MDLXVIII bezeugt. Das dem Alter nach folgende Instrument ist ein 1608 in Venedig von Joannes Celestini gebautes Spinett …

Cembalo, Venedig

Das dritte und vierte Instrument sind von J. A. Hass in Hamburg gebaute Klavichorde, das älteste von 1760, das jüngere von 1796.

Das fünfte Instrument ist ein Hammerklavier und ebenfalls in Hamburg erbaut i. J. 1784 von J. C. Krogmann“.

(Das Musikinstrument, Heft 2 – 3, 1996, S. 64)

Als Peter Blanck am 8. April 1921 stirbt, wird er als Alleininhaber bezeichnet, die Firma wird jetzt von seinem Sohn Heinrich Hermann Blanck fortgeführt. Über sein Vermögen wird am 15. Dez. 1928 das Konkursverfahren eröffnet und im Sept. 1931 aufgehoben“. (Henkel) Er setzte die Firma unverändert fort.

Ein Katalog mit dreisprachigem Text der Firma H. Kohl lag 1924 aus. Er zeigte „4 Flügel- und 16 Pianino-Modelle in den verschiedenartigsten Ausführungen und Stilarten“. Über jedem Bild fand man „nur die Nummer des Modells und das Code-Wort“.

Über das Vermögen der Firma wurde 1928 das Konkursverfahren eröffnet und im Sept. 1931 aufgehoben. Die Firma erlosch.

Eine Seriennummer ist bekannt: 6.000, datiert aus dem Jahre 1893.