Gebauhr, Carl Julius

Pianofabrik in Königsberg, gegr. 1834
Die Klavierfabrik von Carl Julius Gebauhr in Königsberg war bekannt und berühmt, denn bis Anfang der 1850er Jahre gehörte Ibach neben dem Kölner Klavierbauer Eck und Gebauhr in Königsberg zu den größten Klavierherstellern Preußens.

Auszug aus dem Bericht über die Pariser Weltausstellung im Jahre 1867:
„In Deutschland waren in der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts namentlich die österreichischen Firmen berühmt, da die übrigen deutschen: Härtel, Schambach, Irmler in Sachsen, Stöcker, Kisting, Perau, Bessalié, Gebauhr, Eck, Braun, Schiedmayer, Dörner, Lipp, Ritmüller u.s.w. wohl kaum eine wirklich neue, eigene Erfindung aufzuweisen hatten.“
(Paul, Geschichte des Klaviers)

Gebauhr 1880
Gebauhr 1880

Die Nachweise in der „Zeitschrift für Instrumentenbau“ beginnen mit einem Nachruf:
Am 9. Mai 1881 starb „der Nestor des Instrumentenbaues in den östlichen Provinzen: der Commerzienrath C. J. Gebauhr.“ Man würdigte seinen Werdegang: „Carl Julius Gebauhr wurde am 9. Februar 1809 in dem Kirchdorfe Hafstrom in nächster Nähe von Königsberg geboren, wo sein Vater Pfarrer war. Er besuchte das hiesige Altstädtische Gymnasium, um dann einen seinem praktischen Sinn entsprechenden Lebensberuf zu wählen. Als Vorbereitung zu dem von ihm nun gewählten Instrumentenbau erlernte er einige Zeit die Tischlerei und trat dann in die Fabrik des im Jahre 1855 verstorbenen Königl. Hofinstrumentenmachers J. F. Marty hierselbst. Nach gründlicher Erlernung des Instrumentenbaues lebte Gebauhr von 1832 bis 1834 als Klavierstimmer und war als solcher ungemein gesucht. Im Jahre 1834 errichtete er eine eigene Werkstätte mit zwei Gesellen. 1841 kaufte er das grosse Grundstück und darf die Bemerkung wohl hier einen Platz finden, dass der Erwerb dieses Grundstückes der einzige Moment im Leben Gebauhr`s war, bei dem ihm wirklich das Glück zur Seite gestanden hat. Alle übrigen Erfolge sind nicht durch die Gunst des Zufalles, sondern durch eigene Tüchtigkeit und eiserne Energie errungen.“ Der immer umfangreicher werdende Umsatz der Instrumente erforderte endlich 1857 eine Vergrößerung des Hauptgebäudes, welchen dann alsbald der Neubau des Fabrikgebäudes folgte. 1881 arbeiteten ungefähr 120 Arbeiter unter „vier Werkführern, durch diese Anzahl und die Ausnutzung der zahlreichen Maschinen ist die Leistungsfähigkeit der Fabrik so gesteigert, dass sie bis 2 Instrumente täglich fertig zu schaffen im Stande ist. Dieser bedeutende Umsatz erfolgt nicht nur nach Deutschland, sondern auch nach ausserdeutschen Ländern, nach Amerika, Australien und Indien. Die vorzüglichen Instrumente der Gebauhr’schen Fabrik sind wiederholt bei Weltausstellungen prämiert, so 1852 bei der Ausstellung in London, 1872 in Moskau, 1873 in Wien, 1880 bei der Provinzial-Ausstelung in Bromberg und jüngst in Melbourne 1881.“

Gebauhr 1882
Gebauhr 1882

Der Sohn des Gründers, Julius Gebauhr, starb am 25. Juli 1913. „Er wurde am 23. September 1852 in Königsberg geboren. Nachdem er in einer schlesischen Klavierfabrik und später auch bei Ruschpler in Dresden den Klavierbau erlernt hatte, ging er im Jahre 1875 nach Amerika, um die amerikanische Klavierfabrikation und verschiedene der dortigen Fabriken, darunter auch die von Steinway & Sons, in ihren Einrichtungen kennen zu lernen. Wieder nach Königsberg zurückgekehrt, wurde er im Jahre 1877 vom Vater als Prokurist in die Firma
aufgenommen, die er von da an auch selbständig leitete.
Leider wird die altangesehene, nun bald 80 Jahre bestehende Gebauhr´sche Fabrik aufgelöst werden müssen, falls sich kein Käufer dafür findet, da alle drei Söhne des Verblichenen andere Berufe ergriffen haben und deshalb kein Nachfolger im Geschäft vorhanden ist.“ Mit seinem Tod ging die Geschichte der Pianofortefabrik zu Ende, 1913.