Werner, Friedrich Wilhelm

Döbeln/Sa.
gegr. 1845

Zwischen Leipzig und Dresden liegt die Kreisstadt Döbeln. In ihr befand sich die Pianofabrik „F. W. Werner“. Noch heute ist das Gebäude, mit Inschrift, in der Nähe des Zentrums von Döbeln zu finden.
F. W. Werner wurde am 18. Februar 1819 in dem kleinen Dorfe Heyda bei Döbeln als Kind „schlichter Eltern“ geboren. Als Schuljunge zeigte er großes Interesse für die Musik, „doch konnte er seinem Herzenwunsche, das Klavierspiel zu erlernen, nicht folgen, da seine Eltern sich in ganz bescheidenen Lebensverhältnissen befanden und um das tägliche Brot arbeiten mußten. Sein Verlangen dagegen, wenigstens nach der Schulzeit aus den kleinlichen, engen Verhältnissen seines Heimathdorfes herauszukommen, ging in Erfüllung, da es ihm ermöglicht wurde, das Tischlerhandwerk bei einem tüchtigen Meister in Döbeln zu erlernen.“
Nach der Lehrzeit ging er nach Dresden und fand Gelegenheit, in einer Pianofortefabrik als Gehilfe zu arbeiten. „Mit all seinen Kräften wandte er sich seinem neuen Kunstberufe zu, jede Stunde und Gelegenheit benutzte er, sich in den Pianofortebau einzuarbeiten und in allen Theilen desselben zu vervollkommnen.“
1845 kehrte er nach Döbeln zurück und errichtete mit bescheidenen Mitteln und unter den schwierigsten Verhältnissen eine kleine Klavierbau-Werkstatt.

Fa. Werner 1893
1893

Seine drei Söhne wurden ihm frühzeitig durch den Tod von der Seite gerissen, seine Töchter verheirtaten sich „anderweit“. Werner verkaufte die Pianofortefabrik im Jahre 1880 an einen tüchtigen Kaufmann Herrn Johannes Evert aus Dresden. Dieser führte die Fabrikation in der altbewährten soliden Weise fort.
F. W. Werner hat bis zu seinem Lebensende am 11. April 1900 seine geistige Frische erhalten und dem Instrumentenbau „ein großes und reges Interesse bewahrt“.

Werner 1906
1906

Am 3. März 1911 verstarb Johannes Evert.
Es ist anzunehmen, daß die Produktion, zumindest nach dem Ersten Weltkrieg, eingestellt wurde.
Insgesamt wurden bis zu diesem Zeitpunkt etwa 5.000 Instrumente hergestellt, wobei die ersten Instrumente als Tafelklaviere, die weiteren ausschließlich als Oberdämpfer-Pianos gebaut wurden. „Werner“- Flügel sind nicht bekannt.
In den Döbelner Adreßbüchern ist 1925 die „Pianofabrik“ noch nachweisbar, ab 1930 aber wurde „Werner“ als „Musikwerke und Pianohandlung“ geführt.

Nachweise nach dem Kriege beziehen sich nur auf den Handel.
Auf den Befehl 357, vom 31.3.1948, der SMAD (Sowjetischen Militär-Administration) hin, Meldung über Betriebe betreffend, gab es 3 Beschäftigte in der Musikhandlung.

Letzter Nachweis vom 29.11.1954: Verleih von gebrauchten Flügeln und Pianos.