Neumeyer …

Unter den über 500 in Berlin existierenden Klavierfabriken gab es verschiedene Neumeyer`s. In den Instrumenten standen Namen wie:

„Neumeyer – Gebr. Neumeyer – Neumeyer Hof-Piano-Fabrik –

F. Neumeyer – Max Neumeyer – Walter Neumeyer – Ernst Neumeyer –

Neumeyer Pianofortefabrik GmbH“.

 

Fritz Neumeyer
die älteste Neumeyer-Fabrik, bestand von
1860 – 1911.

Inserat F. Neumeyer von 1886
Inserat 1886

Zur Weltausstellung 1888 in Melbourne stellte F. Neumeyer „3 Pianinos“ aus. Zwei Jahre später wurde das 15.000, bereits 1894 das 20.000 Instrument hergestellt.

Auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 stellte die Firma „1 Flügel, 5 Pianinos“ aus.

Auf der Musikausstellung im Berliner Messpalast 1898, in dem „officiellen“ Kataloge, wurde F. Neumeyer mit 1 Flügel, 3 Pianinos aufgeführt. Die Prämierungen brachten folgendes Ergebnis: F. Neumeyer wurde mit der Silbernen Medaille ausgezeichnet.

Mitte des Jahres 1898 wurde das 25.000 Instrument gefertigt. „Die Arbeiter hatten das betreffende Pianino, ein reich geschnitztes Exemplar mit italienischen Nussbaume und im Renaissance-Style“ gefertigt.

Seriennummer 28.000 wurde 1900 gefertigt.

Von 1900 bis 1906 ist die Firma auf der Elsenstr. 86/88 u. Güterbahnhof Rixdorf nachweisbar.

Die neue Preisliste von 1902 „ist ein typographisch sauber ausgestattetes Heft, das auf 40 Seiten nicht weniger als 34 Pianino-Modelle in den verschiedensten Stylarten, Größen und Ausführungen, sowie 3 Flügel-Modelle in sehr gut ausgeführten Autotypien bildlich wiedergiebt“.

1903 wurde Fritz Neumeyer zum Hoflieferanten ernannt durch „Sr. Durchlaucht dem Fürsten von Waldeck und Pyrmont“.

Hof-Piano-Fabrik
Hof-Piano-Fabrik

Fritz Neumeyer starb am 1. August 1905 im Alter von 68 Jahren in Warnemünde nach langem Leiden. Er wurde 1837 im Fürstentum Waldeck geboren, erlernte den Klavierbau in Arolsen, „arbeitete dann in Stuttgart, London und Kassel und machte sich 1860 in Stettin selbständig. Von hier verlegte er seine Fabrik nach Berlin und steigerte hier den Betrieb im Laufe der Jahre zu einem der umfangreichsten der Klavierindustrie, wozu noch ein Filialgeschäft in London kam, wie überhaupt der englische Markt ein Hauptabnehmer seiner Fabrikate war.

F. Neumeyer
F. Neumeyer

Die von ihm in der Elsenstraße neu erbaute Fabrik galt in ihrer Einrichtung als mustergültig. Der Betrieb scheint sich freilich wenig lukrativ gestaltet zu haben, und in Fachkreisen erregten die Klavierverkäufe der Firma wiederholt unliebsames Aufsehen. Das Liefern von Instrumenten in Kommission überallhin, das wiederholte Auftauchen Neumeyerscher Fabrikate bei Klavierauktionen gab zu mancherlei Gerüchten Anlaß, die jetzt nach dem Tode Neumeyers ihre Bestätigung gefunden haben. Das Geschäft befindet sich, wie es sich nunmehr herausstellt, in großen finanziellen Schwierigkeiten, und nachdem ein von der Firma nachgesuchtes Moratorium nicht zustande gekommen ist, dürfte der vom Gläubigerausschusse gestellte Antrag auf Eröffnung des Konkurses wohl zur Durchführung kommen“.

„Um den 1. Juli 1905 erlischt die Prokura des Sohnes Max Neumeyer, er eröffnet eine eigene Firma. Nach dem Tod von Fritz Neumeyer wird am 18. Aug. 1905 das Konkursverfahren über seinen Nachlaß eröffnet, die gut eingerichtete, 5 Etagen hohe Fabrik wird als Ganzes zum Verkauf ausgeschrieben und von der Lexow GmbH gekauft, die hier ab 1.Okt. 1906 ihre Mechanikenproduktion erweitert. Der Rest der Konkursmasse wird von der Firma A. Nieber & Co. erworben. Das Verfahren wird nach Schlußtermin vom 5. März 1908 aufgehoben, die Firma wird am 30. Nov. 1911 im Handelsregister gelöscht“. (H. Henkel)

Neumeyer, Max
1905 – 1926

Der Sohn von Fritz Neymeyer eröffnet eine neue Pianofabrik in Berlin SW 13, Neuenburger Str. 26. Sein Warenzeichen:

Warenzeichen Max Neumeyer

Ab 1. Jan. 1906 ist Pianofortefabrikant Paul Hansen neuer Inhaber der Firma. Für ihn wird das Warenzeichen »Neumeyer-Berlin« eingetragen“.

1924: „Bei der Firma Max Neumeyer, Pianofabrik in Berlin-Neukölln, wurde im Handelsregister eingetragen: Die Gesellschaft ist aufgelöst, Inhaber ist jetzt: Max Neumeyer“. In den Fachzeitschriften wurde die Firma weiterhin nicht mehr erwähnt, im Weltadreßbuch von 1929 ist Max Neumeyer unter Pianohandlungen angeführt mit dem Zusatz: Auch Fabrik.

Neumeyer, Ernst
1905 – 1912 (1929)

Die Nachweise über die Firma sind spärlich. Bis 1912 war sie nachweisbar in Berlin SO 36, Görlitzer Ufer 22/23.

„Die vermutlich nicht bedeutende Produktion wird während des Ersten Weltkriegs eingestellt. Seit mindestens Okt. 1927 bis etwa 1929 stellt die Firma Breyer & Kluge, Neukölln, Berliner Straße 32, die Ernst-Neumeyer-Pianos her“. (H. Henkel)

1928 findet sich folgende Anzeige:

Ernst Neumeyer

Neumeyer, Gebr.
1905 – 1924

Gebr. Neumeyer
Gebr. Neumeyer

Am 30. September 1905 erfolgte die Gründung der oHG Gebr. Neumeyer, Berlin, Boxhagener Str. 16a. In das Berliner Handelsregister wurde im November 1905 die offene Handelsgesellschaft: Gebr. Neumeyer, Pianofabrik, Berlin, und als Gesellschafter die Kaufleute Hermann Neumeyer, Rixdorf und Walter Neumeyer, Berlin eingetragen.

1906 Umzug nach 0 34, Warschauer Straße 70.

Anzeige vom Aug. 1906:

Neumeyer-Gebr.

„Die Brüder wollen Pianinos und als Spezialität Umbauten und Rasten für andere Firmen herstellen. Im März 1911 wird der gesamte Geschäftsbetrieb nach Rixdorf, Elbe-Straße 28, verlegt“. (H. Henkel)

Die Probleme, die als Folge des Konkurses von Hintze, Berlin auftraten, haben u. a. die Pianofortefabrikanten Gebr. Neumeyer und W. Menzel betroffen und ihre Zahlungen eingestellt und „ihre Gläubiger um ein Moratorium ersucht“.

Im gleichen Jahr erfolgte eine Neueintragung im Handelsregister:

Gebr. Neumeyer, Pianofabrik, GmbH mit Sitz in Rixdorf.                                                                                                         „Es bringen in die Gesellschaft ein: 1) Pianofabrikant Hermann Neumeyer …, Pianofabrikant Walter Neumeyer“. Nach dem Atlas der Pianonummern wurde 1915 die Seriennummer 10.500 erreicht.                                                 Anzeige vom Mai 1921, Firmensitz in Berlin-Neukölln, Fontanestr. 23, scheint eine „Zwischenstation“ gewesen zu sein:

Gebrüder Neumeyer

Im März 1922 wird Walter Neumeyer von der Geschäftsführung ausgeschlossen, er gründet im Okt. 1922 die Firma »Neumeyer Pianofortefabrik GmbH«, Hedwig Reiche wird neue Geschäftsführerin. […] Um den 1. März 1923 wird die Firma, die sich jetzt in SO 36, Maybachufer 48-51, befindet, auf Grund von »Streitigkeiten zwischen den Gesellschaftern der Firma Gebr. Neumeyer GmbH« aufgelöst, Fabrik und Vorräte werden von Hermann Hegeler jun. erworben, der das Geschäft zusammen mit seinem Vater unter der Firma Hegeler & Sohn fortsetzt. Am 30. Mai 1923 wird das Konkursverfahren über das Vermögen der Firma eröffnet und am 11.Juni 1923 aufgehoben, die Firma ist jetzt in Eisenbahnstraße 20, doch wird das Geschäft dennoch weitergeführt“. (H. Henkel)

1924 befindet sich die Firma in Liquidation, das Konkursverfahren wurde am 22. Mai 1924 eröffnet und noch im gleichen Jahr wurde die Gesellschaft durch rechtskräftiges Urteil für aufgelöst erklärt.

Neumeyer, W., GmbH
1922 – 1935

Die GmbH wird mit Gesellschaftsvertrag vom 13. Okt. 1922 gegründet, … Geschäftsführer sind die Pianofortefabrikanten Walter Neumeyer, früherer Mitinhaber der Firma Gebr. Neumeyer, und sein Schwiegersohn Kurt Traeger, die Firma ist in SW 61, Blücherstraße 22“. (Henkel)

Von der Leipziger Herbstmesse 1928 wurde berichtet:

„Seit einigen Jahren erstmalig wieder auf der Messe, stellte die Firma W. Neumeyer, Pianofortefabrik GmbH in Berlin SW einige ihrer Pianos aus, die sie seit Jahren in bekannter Güte herstellt. Die Leitung liegt in den Händen des Sohnes des Begründers, wodurch eine Fortführung der Tradition des Hauses gewährleistet ist. Bisher sind rund 65.000 Neumeyer-Pianos geliefert worden“. „… doch wird die Firma vermutlich die Instrumente der Vorgängerfirma Gebr. Neumeyer hinzugezählt haben“. (H. Henkel)

Über das Vermögen der Firma wurde im Juni 1929 das Vergleichsverfahren eröffnet.

Walter Neumeyer ist 1933 nicht mehr Geschäftsführer, Firma erlosch 1935.

Anhang:

Informationen aus der „Zeitschrift für Instrumentenbau“:

ZfI 45/18 vom 15. Juni 1925, S. 1185:

Anzeige Band 45 Heft 18

ZfI 48/3 vom 1. Nov. 1927, S. 145:

(Quellen: Zeitschrift für Instrumentenbau, Verlag Paul de Wit, Leipzig)