Hilger, Eduard

in Aachen von 1895 – bis etwa 1928
in Berlin von 1910 – bis ca. 1930/31

Um die Jahrhundertwende wurde die Verkaufsstelle des B. Hilger in Dortmund durch einen Brand vernichtet. „Die verbrannten Klaviere waren meist Kommissionsinstrumente.“ Laut Polizeibericht handelte es sich um Brandstiftung des Besitzers, der sich „in schlechten Vermögensverhältnissen befindet und vielfache Pfändung zu erwarten hatte.“ Trotz Leugnung wurde B. Hilger vom Schwurgericht in Dortmund „wegen fahrlässiger Brandstiftung zu elf Monaten Gefängnis verurtheilt.“
Das waren erste Nachweise von „Hilger“. Ob eine Beziehung zu Eduard Hilger in Essen bestand, konnte nicht nachgewiesen werden.
Die Eintragung der Pianofortefabrik Eduard Hilger in das Handelsregister Aachen erfolgte 1903. Nach bereits 1 1/2 Jahren, im August 1904, wurde auch hier „eine große Feuersbrunst in der Aachener Eisschrank- und Holzwarenfabrik Anton Gibbels“ gemeldet. Die Pianofortefabrik von Ed. Hilger war schwer geschädigt. „Der dreistöckige Etagenbau, der die Lager und die Hauptarbeitsräume enthält, ist total ausgebrannt. Dabei sind etwa 40 fertige und an 60 unfertige Klaviere, sowie sämtliche Vorräte an Holz, Saiten, Lack, Leim usw., ebenso eine Anzahl wertvoller Maschinen zerstört worden . . . Etwa 40 der brennenden, nahezu ganz fertigen Klaviere stürzten, nachdem die Fußböden unter ihnen verbrannt waren, unter fürchterlichen Krachen vom zweiten Stock ins Erdgeschoß.“

hil 1905                                            1905
Ed. Hilger hoffte jedoch, in Kürze die Fabrikation wieder aufnehmen zu können. Zu dieser Zeit beschäftigte Hilger etwa 20 Arbeiter. „Se. Heiligkeit Papst Pius X.“ und die Besitzer des Salondampfers „Borussia“ waren damals die bekanntesten Auftraggeber zum Bau eines Stahlpanzer-Pianos.
Die „Aachener Pianofortefabrik Eduard Hilger“ stellte auf der internationalen Weltausstellung in Lüttich 1905 ihre Instrumente aus.
U. a. verdiente ein unter fünf ausgestellten Pianinos besonderes Interesse:
„Dieses Pianino hat ein vollständiges Aluminiumgehäuse im Rokokostile und ist mit reich vergoldeter kupfergalvanoplastischer Dekoration und elektrischen Leuchtern versehen. Als Prunkstück eigener Art erregte das Instrument bei allen Besuchern der deutschen Abteilung beträchtliches Aufsehen. Wie das Äußere des Instrumentes gefällt, findet auch die Klangschönheit allgemeine Anerkennung, ein Beweis, daß das Metallgehäuse aus Aluminium den Ton nicht nachteilig beeinflußt. . .
Im Bericht von der Musik-Fachausstellung in Berlin 1906 hieß es:
„Die von Eduard Hilger, Aachen, ausgestellten Pianinos mit Stahlpanzerstimmstock und eingepreßtem Hohlsteg (D.R.P. 142 119), darunter eines in reich geschmücktem Aluminiumgehäuse, waren von angenehmen Ton und elastischer Spielart. Erwähnenswert war an einem Piano im Unterrahmen der dreiteilige Notenbehälter, ebenso der Hilgersche Pedalverschluß.“
1907 erhielt die Pianofortefabrik auf der „Aachener Ausstellung für Gewerbe und Christliche Kunst“ die goldene Medaille sowie den Ehrenpreis der Stadt Aachen.
1920 konnte Eduard Hilger in Aachen sein 25jähriges Geschäftsjubiläum begehen.
1927 veranstaltete die Regierung einen Werbe-Korso. Die Firma Ed. Hilger, „Hoflieferant in Aachen“ erhielt „den Ersten Preis, bestehend in der Plakette der Regierung Aachen“.
„Die Firma hatte einen Kraftwagen mit 5 versandfertigen Pianos herausgestellt und durch die Art des Aufbaues und Beschriftung die künstlerischen und werbetechnischen Erfordernisse in der glücklichsten Weise gelöst. Der Erfolg ist um so erfreulicher, als er mit verhältnismäßig einfachen Mitteln erreicht wurde.“

Hil 1919
Die Produktion wurde vermutlich kurz danach eingestellt. Die handelsgerichtliche Eintragung von 1928 lautete:
„Bei der Firma Eduard Hilger, Aachener Pianofortefabrik in Aachen, Corneliusstr. 8, wurde eingetragen: Die Firma lautet jetzt: Pianohaus Eduard Hilger.“
Eduard Hilger starb im Jahre 1933.

Hil 1924Ed. Hilger, Berlin

Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde der Name Ed. Hilger in Berlin bekannt:
1910, Eintragung im Berliner Handelsregister:
„Eduard Hilger, Pianofortefabrik G.m.b.H.“ Berlin O, Warschauerstraße 70.
„Gegenstand des Unternehmens ist die Fortführung der von Eduard Hilger bisher zu Aachen geführten Pianofortefabrik, die Fabrikation und der Vertrieb von Pianinos.
Anfang Juni 1910 teilte durch Rundschreiben der Pianofortefabrikant Ernst List mit,
„daß seine Firma (gegr. 1888) sich mit der Firma Ed. Hilger … vereinigt hat und in Gemeinschaft unter der Bezeichnung Eduard Hilger G.m.b.H. … weitergeführt wird. Die Leitung der Fabrikation liegt nach wie vor in den Händen des Herrn Ernst List.“
Mitte des Jahres 1930 gab die Berliner Firma durch Rundschreiben bekannt, „daß sie sich gezwungen sieht, ihre Zahlungen einzustellen.“ Offensichtlich wurde die Produktion kurz danach eingestellt.

Weitere Nachweise, auch des Pianohandels in Berlin, fanden sich nicht.