Glaser, Gebrüder

Pianofortefabrik , Roda und Jena, 1910 – 1938

Klavierfabrik Glaser – in Camsdorf – in Wenigenjena – oder in Jena?

Glaser & Bachstein – Franz Glaser – oder Gebr. Glaser?

Irgendwie hängen sie alle zusammen.

Die Stadt Jena habe ich im Heft 2004/4, im Zusammenhang mit der Firma Weidig kurz vorgestellt.

Damals verwies ich auf die sieben Stadtwunder. Eines davon ist die Camsdorfer Brücke. Camsdorf war ein selbständiger Ort, in der die Firma „Glaser & Bachstein“ bis 1887 bestand. Nachdem Herr Bachstein aus der Firma ausgetreten war, führte Herr Glaser die „Fabrikation in alter Weise allein“ weiter.

Das Leben in der Zeit vor 1900 war nicht weniger gefährlicher als heute. Herr Glaser erlitt am 24. Sept. 1891 einen „schweren Unfall; er stürzte vom Wagen und blieb besinnungslos liegen, sodaß er erst nach langem Bemühen wieder ins Leben gerufen werden konnte. Aeußere Verletzungen waren nicht vorhanden, doch hat der Verunglückte wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung davon getragen“.

Nach gut überstandenen Unfall drei Jahre später: Große Freude in der Pianofabrik von Franz Glaser in Wenigenjena – seit 1891 ist Camsdorf mit Wenigenjena zusammengeschlossen. Im Juni 1894 wurde die „Fertigstellung des 300. Pianino für Personal und Geschäftsfreunde in dem schön gelegenen Etablissement ´Schweizerhöhe´ gefeiert.“

Dazu noch folgendes: In der heutigen Stadtchronik von Jena ist im Jahre 1902 folgendes notiert:

„In der Pianofabrik von Franz Glaser in Wenigenjena erfolgt die Fertigstellung des 30 000 Instrumentes, dieses ist für den Ratskeller (Grüne Tanne) der Gemeinde Wenigenjena bestimmt und wird am 23. Februar mit einem Konzert des Gesangvereins Camsdorf zum Besten der Schule des Ortes eingeweiht.“

Anzeige F. Glaser

In reichlich fünf Jahren sollten über 29.000 Instrumente hergestellt worden sein? Die weltberühmte Optik-Industrie in Jena war zu dieser Zeit bereits entwickelt. Durch welche Optik wurde die Herstellungszahl gesehen? H. Henkel schreibt im „Lexikon Dt. Klavierbauer“ von der Fertigstellung des 3.000 Instrumentes im Jahre 1902.

Ein Thema immer wiederkehrendes Thema in der „Zeitschrift für Instrumentenbau“ ist der unlautere Wettbewerb.

Dazu ein Beispiel:

Aus Halle/a. S. ging 1897 ein Schreiben mit der Bitte um Veröffentlichung ein:

„Die ‚Zeitschrift für Instrumentenbau’ hat schon früher mit gutem Erfolge einen Artikel gegen Klavierschleuderei am hiesigen Platze gebracht, so daß ich Veranlassung nehme, einen neuen, ähnlichen Fall zur Sprache zu bringen.“

In einer Ausgabe der Zeitschrift stand immer wieder ein Inserat:

„Pianino in Nußbaum billig zu verkaufen“, mitunter stand dabei: „gut erhalten“ oder auch „wenig gebaucht“.

Der aufmerksame Bürger besichtigte die Instrumente um sie kennenzulernen. Jedes mal fand er ein Fabrikat „aus der Fabrik von Glaser in Wenigenjena vor, welches auf diese Weise an den Mann gebracht werden sollte. Bei näherer Besichtigung fand ich nun, daß in diesen Pianinos die Ecken neben dem Resonanzboden mit Pappe verleimt waren, wo in anderen Fabrikaten starke Bretter verwendet sind“. Für 280 M lieferte Glaser an einen Schuhmacher „Namens Büttner“ ein Pianino. Der Schumacher gab an, das Instrument für 450 M erworben zu haben und es jetzt für nur 350 M verkaufen wolle, auch wenn er 100 M „einbüße“. Büttner, der Schuhmacher, hat schon einige Instrumente auf diese Art verkauft und „schädigt dadurch das solide Geschäft ganz beträchtlich. Es ist daher angebracht, ein derartiges Geschäftsgebahren in unserem Fachorgan gebührend zu kennzeichnen.

Wenn der Schumacher Büttner die Glaserschen Instrumente durch die […] verwerflichen Manipulationen zum Schaden des soliden Handels vertreibt, dann macht er sich des unlauteren Wettbewerbs schuldig, und unser Gewährsmann kann gegen denselben auf Grund des Gesetzes … gerichtlich vorgehen. Es wird sich dann herausstellen, ob und in wie weit die Firma Glaser an der Sache betheiligt ist“.

Verständlich die Reaktion aus Wenigenjena, Franz Glaser antwortete:

„Meine Firma ist in eine Angelegenheit hineingezogen worden, die ich nicht ohne Erwiderung lassen kann. Der in der betr. No. genannte Herr Büttner ist mir gänzlich unbekannt“. Die Instrumente sind dann über einen Händler an Herrn Büttner gekommen. „Neuerdings habe ich bedeutende Verbesserungen an meinen Fabrikaten eintreten lassen und demzufolge meine Preise erhöht. Für diese Instrumente zahlt auch der erwähnte Abnehmer meine jetzigen erhöhten Preise. Nach persönlicher Rücksprache mit dem Genannten versichert mir derselbe, daß er für 280 Mk. an den betr. Büttner kein Pianino geliefert hat. Wenn nun der Herr Einsender den Weg nach dessen Wohnung verschiedene Male gemacht hat und dort von mir Instrumente angetroffen hat, so findet nur das Letztere Bestätigung, nicht aber, daß ich auf diese Art und Weise meine Fabrikate an den Mann zu bringen suche. Mein Abnehmerkreis ist so ausgedehnt, daß ich mich gar nicht damit befassen kann. Und gleichwohl ist diese Art der Vertreibung nicht neu, wie wohl viele meiner Herren Collegen aus eigner Erfahrung wissen werden; ich wenigstens habe oft neue Instrumente gefunden, welche recht billig waren“.

Die Antwort auf den zweiten Punkt o. g. Veröffentlichung ist noch interessanter: „glaube ich in dem Herrn Einsender keinen Fachmann zu finden, denn derselbe würde diesen Punkt nicht hervorgehoben haben. Diese Verwendung eines anderen etwas billigeren Materials beeinträchtigt die Stabilität des Instrumentes nicht im Geringsten. Da diese Ecken überhaupt nur als Abdeckung dienen und ich gerade für den Export auf möglichste Gewichtsverminderung sehen mußte, habe ich dieses Material einer Abdeckung von 10 – 12 mm starkem Holz vorgezogen, denn stärkeres Holz ist ja nicht nöthig. Der Unterschied im Preise ist gering, da ich nur beste Pappel verwende, und er war nicht für diese Verwendung maßgebend. Daß übrigens der Bedarf nach billigen Instrumenten vorhanden ist, zeigen außer mir noch eine grosse Anzahl anderer Fabriken, die sich ebenfalls mit der Herstellung billiger preiswerther Instrumente befassen und mit Aufträgen reich versehen sind.

F. Glaser, Wenigenjena“.

Der Einsender aus Halle, ein „ansässiger Fachmann und Händler“ bemerkt zu dem Schreiben von F. Glaser:

„Daß Herr Glaser mit den Manipulationen des Schuhmachers Büttner direkt nichts zu thun hat, will ich ihm gerne glauben. Wenn aber Herr Glaser Pappe für ein geeignetes Material zum Pianobaue hält, so mag er das mit seinem Gewissen als Fachmann für billige Pianos abmachen, ich als Pianohändler bin in der Beziehung anderer Meinung und wohl auch fast alle anderen Fachgenossen mit mir. Werthvoll für mich ist diese Thatsache bloß zur Aufklärung des Publikums.

Meiner Meinung nach ist für das Publikum weniger ein Bedürfniß nach derartigen billigen Instrumenten vorhanden, ein solches existirt bloß bei gewissenlosen Händlern á la Büttner etc., die solche Instrumente brauchen, um sie durch unlautere Manipulation an diejenigen abzusetzen, welche nicht alle werden. Ein Segen ist wenigstens das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, das wohl genügen wird, Concurrenten á la Büttner unschädlich zu machen.“

Unlauterer Wettbewerb – noch ein Beispiel aus dem Jahre 1898.

Ein Händler in Leipzig verkaufte Pianos, „mit der eingravirten Firma H. Förster & Co. Leipzig“.

Die Firmen-Inschrift war aber gefälscht, sie stammt nicht von H. Förster, Leipzig, sondern von F. Glaser. Das Firmenschild ist bereits in der Fabrik von F. Glaser, auf Veranlassung des Leipziger Händlers angebracht worden. Sein Grund: „er könne die Instrumente wegen ihrer minderwerthigen Qualität nicht unter der Firma Glaser verkaufen“.

Die Folge, seitens der Firma H. Förster wurde Strafantrag gestellt, so die Notiz in der Zeitschrift.

Bereits in der nächsten Ausgabe, also 10 Tage später, wurde die Angelegenheit von der Glaserischen Seite aus betrachtet:

Firma Glaser schreibt: „Die Notiz … mußte den Anschein erwecken, daß die Firma Glaser ein ganz minderwerthiges Fabrikat auf den Markt bringt und daß sie es, um überhaupt an den Mann zu bringen, unter falscher Flagge segeln läßt.

Vorerst muß zugegeben werden, daß die Firma F. Glaser an Herrn … in Leipzig thatsächlich Klaviere geliefert hat, und daß solche Klaviere auch auf Veranlassung des (Herren) mit der Firma Förster-Leipzig gravirt worden sind. Nun sind zu dieser Thatsache folgende Erklärungen nöthig.“

Es folgte eine umfangreiche Beschreibung der Vorgänge, die heutigen Tages nicht leicht nachzuvollziehen sind. Beispielsweise bewirkte der Werkführer der Firma Glaser „auf eigene Faust“, die Pianinos mit dem Namen „Förster“ zu versehen. Damit wollte der Leipziger Händler „eine Leipziger Firma auf dem Instrumente haben“, und Glaser mehr Absatz.

Daneben verhandelten die beiden Firmen Glaser und Förster über eine „Verschmelzung“.

Franz Glaser teilt weiterhin mit: „Ferner hat Herr Förster-Leipzig eine ganze Anzahl Glaser`scher Pianinos bezogen resp. gekauft, und diese Instrumente sind ebenfall in meiner Fabrik mit der Firma Förster-Leipzig markirt worden.

Gerade der letztere Fall ist doch Beweis, daß die Instrumente meiner Fabrikation sowohl Herrn Förster nicht nur gut genug , sondern auch bekannt genug waren, und kann also gar keine Rede davon sein, daß die Firma Förster & Co. eine Schädigung erlitten habe.“

In einem im Jahre 1899 von Julius Blüthner unterzeichneten Schreiben bat er die Berufsgenossen „zu Zwecken der Produktionserhebungen“ dem Verband der „Berufsgenossenschaft der Musikinstrumenten-Industrie Leipzig“ beizutreten. (Siehe Artikel über „Jaschinsky“, so sollte auch F. Glaser beitreten.)

Anzeige 1902

In dem letzten Artikel über Jaschinsky wurde F. Glaser schon einmal genannt im Zusammenhang mit den „Redwood-Resonanzböden“. Das war im Jahre 1908. Interessanterweise findet sich sein Patent weder früher noch später irgendwo erwähnt.

Die drei Söhne von Franz Glaser machten sich im Jahre 1911 selbständig:

Gebr. Glaser

„Die in den letzten Jahren in der Pianofortefabrik von F. Glaser in Jena (Camsdorf und Wenigenjena wurden 1909 nach Jena eingemeindet) als technische und kaufmännische Leiter tätig gewesenen Herren Karl, Willy und Franz Glaser haben unter der Firma Gebr. Glaser in Roda (S.-A.) eine Pianofortefabrik errichtet. Das von ihnen unter günstigen Bedingungen erworbene Fabrikgrundstück liegt direkt am Bahnhof […] Es soll hier die Fabrikation von Pianos zu wohlfeilen Preisen betrieben werden, und die ersten Lieferungen erfolgen bereits in diesem Monat.“

Welches ‚herzliche’ Verhältnis herrschte zwischen dem Gründer und seinen Söhnen!?

Wieder, zehn Tage nach o. g. Veröffentlichung meldete sich Vater Franz Glaser:

„… unter den Personal- und Geschäfts-Notizen [ist] auch eine Mitteilung über der Etablierung meiner Söhne in Roda, S.-A. Da diese Veröffentlichung bei der Kundschaft zu Irrtümern führen und, wie an mich ergangene Anfragen beweisen, leicht zu der Annahme verleiten kann, daß die Niederlassung in Roda eine Filiale meiner hiesigen Zentrale ist, so sehe ich mich zu nachstehender Aufklärung genötigt:

Seit 15. November vorigen Jahres [1910] sind meine drei Söhne Karl, Willy und Franz aus dem väterlichen Betriebe ausgeschieden worden. Sie haben sich in Roda S.-A. angekauft, um dortselbs eine Pianofabrik zu errichten. Die Firma derselben lautet Gebrüder Glaser in Roda. Diese neue Firma hat mit meiner seit 25 Jahren bestehenden Firma F. Glaser in Jena nicht das geringste zu tun.

Erwähnt sei bei dieser Gelegenheit noch, daß die Firma F. Glaser in Jena im Juli ihr 25jähriges Gründungsjahr feiert. Von kleinen Anfängen hat sich meine Firma zu großer Blüte entwickelt, so daß heute von ihr 120 Arbeiter beschäftigt werden. Auf die Früchte dieser segensreichen Arbeit kann ich als Gründer der Fabrik daher wohl mit einer gewissen Befriedigung zurückblicken.

Jena, den 16. Januar 1911 F. Glaser“

Na, also! – Oder, nein? Wiederum in der nächsten Ausgabe kam die „Erwiderung“ der Söhne:

„Wenn es auch gänzlich unseren Gefühlen widerspricht, in dieser Sache öffentlich, oder überhaupt eine Erwiderung zu geben, und es uns außerdem völlig unbegreiflich ist, wie aus der in Nr. 11 dieser Zeitschrift erschienen Bekanntmachung – unsere selbständige Etablierung betreffend noch der Irrtum entstehen könne, unser Betrieb sei eine Filiale der Firma F. Glaser-Jena, wie es die letztere annimmt, so zwingt uns heute deren ‚Eingesandt’ und dessen Form, sowie ausschließlich das Interesse unseres eigenen Geschäftes, hiermit nachträglich und ganz ausdrücklich zu konstatieren, daß wir nicht im entferntesten daran gedacht haben, je mit der Fabrikation der Firma F. Glaser in Jena etwas gemein zu haben.

Rode, S.-A. den 26. Januar 1911 Gebr. Glaser“

Inzwischen wurde in Jena eine Filiale der Gebr. Glaser errichtet.

Zwei Jahre später erfolgte die Neueintragung: Die Firma Gebr. Glaser wurde in ein GmbH umgewandelt.

Sehr ernst wurde es im September 1914, als das Vaterland die wehrfähigen Männer rief.

Die zwei Betriebe, „auch ihr Kontore in beiden Orten“ wurden geschlossen, „da fast das gesamte Personal ins Heer einrückte und sämtliche Inhaber zur Armee verpflichtet seien“.

Das ist Vaterlandsliebe und -pflicht!

Eine Neuerung im Jahre 1928: Das Dr. Danckert-Generalbaßklavier.

„Hierbei handelt es sich um ein neues, […] bereits erwähntes Ersatzinstrument für das Cembalo. Es hat die Form des Klaviers, ist 115 cm hoch, 132 cm breit und 62 cm tief; das Gehäuse ist Ebenholz-Imitation. […] Hoffentlich haben Erfinder und Erbauer mit ihrem Bestreben, für die Ausübung altklassischer Musik einen wohlfeilen, guten Ersatz für das kostspielige Cembalo zu bieten, vollen Erfolg.“

Zur Jahrestagung 1929 des ‚Verbandes Deutscher Klavierhändler’ in Kassel fand die Vorführung des neuen „Cembalochords (Mod. 3) mit Vierfuß- und Sechzehnfuß-Kopplung der Firma Gebr. Glaser … statt. […] Die außerordentliche Farbigkeit und überraschende Klangfülle des neuen Cembalochordtyps wurden von den Teilnehmern, insbesondere den Vertretern der Fach- und Tagespresse, sowie von namhaften Fachleuten der Klavierbranche mit Anerkennung aufgenommen.

Man gewann die Überzeugung, daß es der Firma Glaser gelungen ist, neben ihrem bekannten Kammermusik-Cembalochord (Mod. 2.) auf der gleichen Basis der Klangerzeugung einen hochwertigen Konzerttyp zu schaffen.“

Bild vom Brand

„Bei den Glaser-Pianofortefabriken in Stadtroda ist am 12. Juli 1929, vormittags, das Fabrikgebäude in Roda bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Holzlager, Sägewerk, Schuppen mit sämtlichen Vorräten sind infolge räumlicher Trennung verschont geblieben. U. a. verbrannten gegen 500 in Arbeit befindlichen Instrumente. […] Die Entstehungsursache des Feuers ist noch nicht einwandfrei geklärt und bedarf noch der behördlichen Feststellung. Die in den abgebrannten Räumen tätig gewesenen 200 Arbeiter und Angestellten konnte bis auf einen Leichtverletzten unversehrt herauskommen. Vier Motorspritzen aus Jena, Eisenberg, Stadtroda und Hermsdorf haben in verhältnismäßig kurzer Zeit das Feuer auf seinen Herd beschränkt, so daß die Gefahr für die umliegenden Gebäude beseitigt ist.“

Während viele Pianofabriken in der Zeit nach 1930 Existenzschwierigkeiten hatten, bemühte sich die Firma Gebr. Glaser „um die Wiedergewinnung der alten Tasteninstrumente für die Gegenwart. Beraten von ausgezeichneten Fachleuten sowie von führenden Persönlichkeiten des Konzertlebens und der Musikwissenschaft, ist es ihr gelungen, ein- und zweimanualige Kielflügel zu erbauen, die nach Ansicht der Musikwelt die Erfüllung des barocken Klangideals bedeuten.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde u. a. auf den metallisch mitschwingenden Eisenrahmen und die massive Stahlbesaitung des modernen Klaviers bewusst verzichtet. So zeichnet sich der Klang der Glaser-Kielflügel mit originalgetreuer Resonanzlage und material-einheitlichem Gerüstaufbau durch eine bemerkenswerte Helligkeit und Reinheit der Klangbildung aus.

Warnung

Bei zahlreichen Gelegenheiten, bei Aufführungen und Konzerten; im Rundfunk usw., und zwar im In- und Auslande, hat sich der Glaser-Kielflügel bewährt und ist im Besitze zahlreicher Künstler und Rundfunkgesellschaften“.

Nicht nur die Wiedergewinnung alter Tasteninstrumente, sondern auch eine besondere Reklame warb für die „fortschrittlich bekannte Firma Gebr. Glaser“.

„Kauft deutsche Ware aus deutschem Holz“ – Für Klaviere aus deutscher Eiche mit

allen Vorzügen wurde geworben: „Sagen Sie dies Ihren Interessenten, denn Sie sparen nicht nur viel Geld – ein Eiche-Piano wird ja immer etwa RM. 100,– billiger verkauft als ein poliertes – sondern auch Arbeit und Verdruß mit den so empfindlichen polierten Instrumenten.

Unsere Leistungsfähigkeit, besonders in Eiche-Pianos, die in Eiche so gefällig und eindrucksvoll wirken, wie unsere Modelle B 15, B 20, B 24 und C 3, so daß auch Sie für Ihr Magazin ein derartiges Piano anschaffen sollten.

Die Preis der Glaser-Pianos sind die günstigsten, besonders wenn man berücksichtigt, daß unsere an sich sehr klangvollen Instrumente in tonlicher Hinsicht jetzt noch weiter verbessert wurden. Somit sind nach wie vor die Glaser-Pianos in ihrer Qualität die billigsten und in ihrer Preislage die besten.“

Am 16. Juli 1932 verstarb Herr Franz Glaser im Alter von 77 Jahren.

Im Nachruf erfuhr man erstmalig etwas aus seinem Leben:

„Sein Werk, die Firma […], die er mit geringsten Mitteln im Jahre 1886 gründete, wurde ein Opfer der schon vor dem Krieg beginnenden Krise, so dass nach Kriegsschluß die entgültige Liquidation

erfolgen musste. Mit dem Klavierbau wurde er, wie so mancher deutsche Pianofortefabrikant, vertraut durch seine Tätigkeit in der früheren Hof-Pianofortefabrik Carl Weidig-Jena. Auch in der bekannten Klavierfabrik von Stichel-Leipzig war er vor seiner Gründung in Wenigenjena tätig. Seine Fabrikation erstreckte sich hauptsächlich auf Export-Klaviere, von denen viele tausende über den ganzen Erdball verschickt wurden. Die Herstellung geschah von Grund auf. Es wurden nicht nur die Hauptbestandteile in der eigenen Fabrik hergestellt, sondern auch die Hölzer wurden aus den umliegenden Waldungen aufgekauft und im eigenen Sägewerk verarbeitet. Heute sind die Absatzmöglichkeiten für ein Export-Klavier, wie es der Verstorbene gebaut hatte, sehr gering geworden. Mit seinem Ableben scheidet einer der Pioniere aus der Pianobranche, dem es hauptsächlich darum ging, den Absatz des Klaviers durch Herstellung billiger Instrumente zu vergrößern.“

Zur Frühjahrsmesse in Leipzig 1933 stellten die Gebr. Glaser nicht aus, dafür warben sie die Geschäftsfreunde nach Jena zu kommen in die Muster-Ausstellungsräume.

„Gleichfalls findet man hier die mit so großem Erfolg eingeführten und von maßgebenden Persönlichkeiten des Musiklebens glänzend beurteilten Kielflügel (Cembalo), zweimanualig und einmanualig, Klavichorde und sonstige historische Klaviertypen. – Besonders sei auf den einmanualigen Kielflügel Modell DP hingewiesen, der als Type 1 – mit 8´ und 8´ Laute – zu RM. 675,— und als Type 2 – mit 8´, 8´ Laute und 4´- (auf Wunsch an Stelle des 4´ ein zweiter 8´) zu RM 956,– verkauft wird. Es handelt sich hier um die Kopie eines der schönsten italienischen Cembali der Renaissancezeit, das alle Wünsche der Liebhaber alter Musik erfüllt, die ein wirklich stil- und klangechtes Cembalo (Kielflügel) suchen. Die lebhafte Nachfrage nach diesen Instrumenten beweist, daß die als rührig bekannte Firma Gebr. Glaser, deren vorbildliche Leistungen in der Pianofabrikation weltbekannt sind, auch in dieser Hinsicht eine ‚glücklich Hand’ gehabt hat und damit dem so schwerkämpfenden Pianohandel neue Verkaufsmöglichkeiten bietet.“

Kielflügel

Die Beschreibung des ‚Kleinen Kielflügels’:

„Das Instrument läßt sich ohne Schwierigkeiten auch in kleinen Räumen aufstellen. Seinem Vorbild entsprechend ist es von ungewöhnlichen edlem, violenartig-singendem Ton. Um dem Spieler vielseitige Anwendungsmöglichkeiten zu sichern, wurde der Tonumfang auf 5 Oktaven (Kontra F – f’’’) erweitert so daß es nicht nur für kammermusikalische Begleitaufgaben ausreicht, sondern auch zur Wiedergabe vieler solistischer Klavierwerke des 17. und 18. Jahrhunderts.

Der gleiche Kielflügel ist auch mit einem zusätzlichen 4’-Fuß lieferbar, so daß dem Spieler im ganzen drei Grundfarben (8’, 4’, Laute) zur Verfügung stehen, Verstärkung und reizvolle Abwandlungen des Klangbildes ermöglichend. Zwei Kniehebel betätigen Laute und 4’, Die bequeme Schaltung gestattet raschen Wechsel der Registrierung: Stufendynamik.

Maße: Länge ca. 186 cm; Breite ca. 94 cm; Höhe ca. 84 cm.

Gewichte: Netto ca. 55 kg; Brutto ca. 110 kg.

Gehäuse: zierliche Flügelform, vollkommen aus reinem, edlesten Oregon pine-Tonholz in verschiedenen Farbtönen: von hell Kirschbaum bis dunkel Nussbaum. […] Aus der Einsicht heraus, daß der weite Kreis der Liebhabermusiker mehr und mehr berufen sein wird, Träger künftiger Musikkultur zu sein, hat die Firma Gebr. Glaser dem Bau des einspieligen Cembalos ihre besondere Sorgfalt zugewendet, und um angesichts der schweren Wirtschaftslage jedem Liebhaber den Ankauf zu ermöglichen, bietet sie es zu einem erstaunlich niedrigen Preis an.“

Der Kielflügel wurde gesetzlich geschützt, den Händlern wurden bei „überraschend niedrigen Preisen“ günstige Händler-Rabatte zugesichert.

Am 27. August 1936 verstarb Karl Glaser. „Er war Fabrikant von echtem Schrot und Korn, der seine Firma aus kleinen Anfängen zu der beachtlichen Geltung in aller Welt geführt hat, die sie heute in allen Weltteilen besitzt, und ein echter deutscher Mann von hohen sozialen charakterlichen Eigenschaften. […] Obwohl er im Weltkriege, den er von Anfang bis zum Schluß in den vordersten Linien mitgemacht hat, noch in den letzten Tagen des Völkerringens einen Arm verlor, war er bis kurz vor seinem Tode unermüdlich in seinem Betriebe tätig, um seine Firma nach den Jahren der Weltwirtschaftskrise zu neuer beachtlicher Blüte zu bringen.“

Nach Vergleichsverfahren und Umwandlung in eine „Kdtges.“, heißt die Firma Ende 1939:

„Gebr. Glaser, K. G., Pianoforte- und Möbelfabrik, Stadtroda“.

H. Henkel gibt die Produktionszahlen 1928 mit mehr als 10.000 an.

Die Daten in Kurzfassung nach H. Henkel, „Lexikon Deutscher Klavierbauer“:

„Glaser & Bachstein, Pianofabrik, Jena, 1886 – 1887

Glaser, Franz, Pianofabrik, Jena, 1887 – 1913

Glaser, Gebr. Pianofabrik, Roda und Jena, 1910 – 1938“

Quelle: Zeitschrift für Instrumentenbau