Werner, Paul, Dresden

Die Ur-Anfänge des „Instrumentenmachers für Pianoforte“ liegen (nach Henkel) weit zurück. Eine seit 1810 bestehende Werkstatt in Dresden kaufte 1859 „Werner“ – so die Bezeichnung in dem Dresdner Adressbuch.

Zur Ausstellung in Halle 1881, zu der man sich ein Jahr vorher anmelden musste, stellte Paul Werner (hier erstmals Paul Werner) ein Pianino und einen Salonflügel aus:

In der Harmonie der einzelnen Lagen ebenfalls durchaus befriedigend präsentirt sich der Salonflügel von Paul Werner in Dresden. Die Anordnung der Saitenlage ist eine sachgemässe, die Uebergänge an den Kreuzungspunkten verschmelzen bestens“.

Zur „Ausstellung des Exportmusterlagers des Exportvereins für das Königreich Sachsen 1886“

stellte P. Werner wieder „einen Stutzflügel und ein kreuzsaitiges Pianino, beide Instrumente in schwarzem Ebenitgehäuse (Ebenit??) mit entsprechender Goldgravirung“ aus.

Reklame 1886
1891 wurden in das Handelsregister „des Amtsgerichts zu Dresden“ die Herren Paul Franz Karl Otto Werner, Instrumentenmacher und der Kaufmann Herr Lechner … als Mitinhaber eingetragen“.

Verzeichnis der Aussteller „in der gewerblichen Abtheilung der Theater- und Musik-Ausstellung zu Wien“ von 1892: Paul Werner, „1 schwarzer Salonflügel mit matter Gravirung und Schnitzerei, 1 schwarzes hohes Pianino, ebenfalls reich gravirt und geschnitzt, 1 Nußbaum-Salonflügel“.

Reklame 1891

In der Mitte des Jahres 1892 erwarb P. Werner in der Prager Straße 42 ein Grundstück als neue Pianofabrik.

Aus dem Originalbericht der Wiener Ausstellung:

Paul Werner stellte einen „Stutzflügel, 7 Octaven, kreuzsaitig in Eisengußrahmen, mit durchgehendem gußeisernem Klangbalken, einfacher Stoßzungen-Mechanik; Gehäuse in Nußmaser blank, mit aufgelegten Verzierungen. – Ein Stutzflügel größerer Sorte, 7 Oktaven, kreuzsaitig in Gußrahmen mit durchgehendem gegossenem Klangbalken, Stoßzungen-Mechanik mit Schnüren für leichtere Repetition. Der Kasten ist elegant schwarz blank mit eingesetzten Säulchen und mattirten Gravirungen. – Ein Pianino, 7 Oktaven, kreuzsaitig in Eisengußrahmen, die Stimmnagelfelder mit Messing belegt, Mechanik mit Oberdämpfung. Das Gehäuse ist schwarz nach vornehmer Zeichnung mit abgetheilten Seitenwänden und mattirten Stäbchen, die Füllungen mattirt gravirt. Die Werner’schen Instrumente sind durchaus gut und solid gearbeitet, der Ton ist voll und schön ausgeglichen und die Spielart eine angenehme“.

Von den verschiedenen, zahlreichen Arten von Ausstellungen gab es 1893 in Dresden die „Ausstellung von Wohnungseinrichtungen … und die Betheiligung der Instrumenten-Industrie“.

Firma P. Werner, die sich „eines sehr guten Rufes erfreut“, stellte ein „Nußbaum-Pianino, blank und matt, im Stile der deutschen Renaissance und von schönem weichen Tone … deßgleichen einen Flügel … schwarz und mit gravirten matten Rococo-Ornamenten versehen … war dieser Flügel musterhaft gearbeitet und von sehr schönem Tone“.

Paul Werner

Der Gewerbeverein vergab dafür eine „Silberne Medaille“.

Am 1. April 1894 begann der 14-jährige Otto Funke seine Lehre bei Paul Werner. (Otto Funke, Autor des Buches „Das Klavier und seine Pflege“). Nach 3 1/2 Jahren, im Dezember 1897, schloss er seine Lehrzeit ab und arbeitete noch zwei Jahre als Geselle. Nach seinem Militärdienst 1902 arbeitete er bis 1904 weiter bei seinem Meister.

1894 fand die „Internationale Nahrungsmittel-, Gewerbe- und Sportausstellung in Dresden“ statt. Ein „hohes schwarzes Pianino von gediegenem Aeußeren, mit Gold- und Mattgravierung; 1 kleines Nußbaum-Pianino“ waren zu bewundern und die Instrumente wurden prämiert mit einer „Goldene Medaille“.

Die Serie von Ausstellungen ging weiter mit Musikinstrumenten „auf der Ausstellung von Erzeugnissen für Kinderpflege, Ernährung und Erziehung im Gewerbehaus zu Dresden“:

Paul Werner stellte einen Cabinetflügel und ein Salonpianino aus, welche sich durch Klangfülle, runden und singenden Ton, sowie schöne Bauart auszeichneten. Der kleine Flügel war vorzüglich schwarz polirt, die ornamentale Ausstattung im Rococostil gehalten. Die Schnitzerei der Füße war eine reiche und gute, auch die Gravirungen waren flott und exact ausgeführt, nur sollten sie sich den Größenverhältnissen des kleingehaltenen Flügels mehr anpassen, da man auch große Flügel nach derselben Zeichnung gravirt zu sehen bekam. Das mitausgestellte hohe Pianino war von Nußbaum, gut gearbeitet, die Mittelfüllung mit geschmackvollen Intarsinen versehen, während die Formen der Säulen nicht ganz unserm Geschmacke entsprachen“.

Das Jahr 1896 war für den Pianofabrikanten ein würdevolles Jahr, er erhielt das Prädikat „Herzogl. Anhaltischer Hofpianofabrikant“ von Sr. Hoheit dem Herzoge von Anhalt: Leopold Friedrich I. Franz Nikolaus.

Sehr zahlreich waren auch 1896 die unterschiedlichsten Ausstellungen. Zur Sächsischen Handwerks- und Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden, Abteilung „Tasten-Instrumente“, stellte P. Werner „ein Nußbaum-Pianino mit sehr reichem Gehäuse, einen schwarzen Cabinetflügel, einen Nußbaum-Salonflügel und ein eichenes Pianino im edelsten Renaissancestil aus. Auch hier müssen wir die korrekte Arbeit und das vorzügliche Material betonen“.

Reklame 1899

Kein Facebook, kein Twitter – und trotzdem waren „verschiedene Nachrichten im Umlauf“. Mit einem Rundschreiben sollten 1901 „ die beunruhigten Gerüchte“ beruhigt werden. Verschiedene Gläubiger bangten um ihre Einlagen. Daher „fühle ich mich verpflichtet, den Gläubigern einen genauen Ueberblick über die Verhältnisse der Firma zu verschaffen. Zu diesem Zwecke nehme ich jetzt eine genaue Inventur des Firmenvermögens auf …“.

Kurz Zeit später fand die „Gläubiger-Versammlung“ statt. Ergebnis: „Es darf somit der Möglichkeit gerechnet werden, daß den Gläubigern volle Befriedung zu Theil werden kann. […] Die Fortführung des Betriebes bis zu letzterem Zeitpunkt ist gesichert; Aufträge sind in genügendem Maaße vorhanden“.

1902 erfolgte der Führungswechsel: Herr Paul Franz Karl Otto Werner, der Sohn des Gründers, „führt das Handelsgeschäft und die Firma fort“. Prompt genehmigte König Albert von Sachsen dem Sohn die Annahme und Führung des Titels: „Herzogl. Anhaltischer Hofpianofabrikant“.

Zur „Oberlausitzer Gewerbe-Ausstellung in Zittau“ 1902 stellte Werner zwei Flügel und vier Pianinos aus. „Laut Bekanntmachung des Prämiirungsausschusses vom 18. September 1902“ erhielt Paul Werner das „Diplom zur goldenen Ausstellungsmedaille“.

Das „tragbare Ehrenzeichen für Treue in der Arbeit“ wurde vom Königlichen Ministerium des Innern einem Meister für „länger als dreißigjährige ununterbrochene Thätigkeit in seiner jetzigen Arbeitsstelle“ verliehen.

Porträt Paul Werner

10. Juli 1903, plötzlicher Tod von Ferdinand Paul Werner, auf dem Bahnsteige des Dresdner Bahnhofes in Leipzig.

Ein würdigender Nachruf folgte:

Ferdinand Paul Werner wurde am 23. Juni 1831 als Sohn des Herzogl.-Anhaltischen Kreisdirektors Carl Werner in Zerbst geboren“. Nach dem Besuch des Gymnasiums zeigte sich sein Interesse am Instrumentenbau, speziell dem Klavierbau. Zunächst folgten „vier schwere Lehrjahre bei Schöne in Leipzig“. Für mehrere Jahre ging er anschließend zum „Altmeister Carl Scheel nach Kassel. Hier erhielt der wissensdurstige und strebsame Jüngling eine tüchtige Weiterausbildung im Fache, den sorgsamen letzten Schliff“. Von Kassel ging der Weg über München nach Wien. „Viele Jahre war er Ausarbeiter und Egaliseur, sozusagen die rechte Hand bei Ehrbar, dann bei Bösendorfer in Wien“.

1859 war er wieder in Sachsen, in Dresden und gründete „unter bescheidenen Verhältnissen eine eigene Fabrik, die er durch rastlose Tätigkeit und Solidität zu Ruf und Ansehen brachte. Kein Piano ging aus der Fabrik, ohne daß er selbst letzte Hand angelegt hatte. Als einer der ersten verwendete er den vollen Eisenrahmen für Flügel … Sein kleiner Flügel gewann … rasch die Gunst der Künstler und des Publikum … Werner gehörte zu den Fachgenossen, die den Ruf Dresdens im In- und Auslande als Stadt guter und solider Pianofortefabrikanten mit begründen halfen. Vor vier Jahren übergab er das Geschäft seinem einzigen Sohne, dem Hofpianofortefabrikanten Herrn Paul Otto Werner, dem jetzigen alleinigen Inhaber der Firma … Werner sen. nahm noch täglich regen Anteil am Geschäft, dessen Blühen und Gedeihen ihm stets am Herzen lag … Doch die von ihm begründete Firma befindet sich in bewährten Händen; sie wird unter der Leitung seines Sohnes, der das Vermächtnis des Vaters hoch und in Ehren hält, in den altbewährten, soliden Bahnen weitergeführt werden“.

Einen „vornehm ausgestatteten Katalog“ gab die Firma 1903 heraus. Er zeigte „zwei Flügel- und neun Pianino-Modelle wieder, unter letzteren einige neue Modelle, die durch einfache, aber gediegene Ausführung gefallen“.

Im gleichen Jahr erhielten die Firmen Paul Werner und Carl Rönisch den Auftrag, Konzertflügel in die städtischen Schulen zu liefern.

Eine Niederlage wurde 1903 in London errichtet, in deren Räumen gleichzeitig Breitkopf & Härtel, Leipzig, vertreten war.

Schutzmarke

Das 45-jährige Bestehens „ihre Etablissements“ feierte die Hofpianofabrik im Mai 1904. „Aus kleinen Anfängen hervor gegangen, hat es diese Firma verstanden, sich die Achtung aller Fachkreise zu erwerben. Ihre Pianinos und Flügel zählen mit zu den besten der Branche“.

Warenzeichen

Ein großes Plakat „ist von der Hofpianofortefabrik Paul Werner in Dresden vor kurzem zum Versand gebracht worden. Von dem grüngrauen Grunde mit roter Einfassung heben sich in Weiß die Worte ´Paul Werner, Pianoforte` weithin lesbar und wirksam ab“.

1906 erschien ein neues Plakat. Die Beschreibung lässt erahnen, wie man vor über 100 Jahren Reklame machte: „… Eine an blumiger Quelle sitzende jugendliche antike Frauengestalt mit griechischer Doppelflöte, der ‚Euterpe‘ ähnlich, gibt dem Ganzen eine weihevolle, musikalische Stimmung. Ihr leuchtend rotes Gewand hebt sich prächtig von dem im Frühlingsgrün prangenden Wiesenhange und dem blauen Himmel ab. Düstere Zypressen im Rücken der Figur und ein griechischer Tempel im Hintergrunde vertiefen die Stimmung des Bildes“.

Für 25-jährige Tätigkeit zeichnete die Firma verschiedene Mitarbeiter aus.

Ein Instrumententischler wurde „seitens des Inhabers mit einem ansehnlichen Geldgeschenk bedacht“. Vom Rat der Stadt Dresden erhielt ein Werkmeister für seine geleisteten Dienste das „städtische Ehrenzeichen“. Weiterhin erhielten für über 25 Jahre treue Dienste zwei Kollegen das „städtisches Ehrenzeugnis für Treue in der Arbeit.

Weitere treue Dienste konnten nicht mehr belohnt oder auch nur erwähnt werden. 1909 lockte Berlin, bei der Firma C. Bechstein trat Paul Werner als technischer Direktor ein. Die Firma in Dresden erlosch, es gab keine Nachkommen, der Name Paul Werner wurde nicht weitergeführt.

Und Otto Funke? Er kam wieder zurück nach Dresden, arbeitete von 1907 bis zum Schluss 1909 weiter bei seinem ehemaligen Lehrmeister. Für ihn bestand die Möglichkeit, die Geschäftsleitung seines väterlichen Klavierbaubetriebes „Wilhelm Funke“ zu übernehmen.

(Quelle: Zeitschrift für Instrumentenbau, 1880 – 1942)