gekürzter Artikel - veröffentlicht: 2006/4
Nachgewiesen ist Königsberg als eine Siedlung schon um etwa 1500 vor Christi Geburt ...
... viel später:
1910 war Königsberg an die 17. Stelle der deutschen Großstädte aufgerückt ...
Vom Zweiten Weltkrieg blieb die blühende Stadt bis August 1944 unberührt.
In zwei Bombennächten wurde sie Ende August 1944 nahezu vernichtet.
Die Zerstörung beraubte die Stadt wertvoller Baudenkmäler, des Schlosses,
des Domes und vieler Museumsbestände, die nicht ausgelagert worden waren.
1946 wurde aus Königsberg offiziell Kaliningrad, weiterhin Hauptstadt der
"Oblast (Gebiet) Kaliningrad", einer russischen Exklave zwischen Polen und
Litauen mit Zugang zur Ostsee. Die heutige Stadt Kaliningrad hat 434.954
vorwiegend russische Einwohner (Stand 1. Januar 2005).
Die Klavierfabrik von Carl Julius Gebauhr in Königsberg war bekannt und berühmt, denn bis Anfang der 1850er Jahre gehörte Ibach neben dem Kölner Klavierbauer Eck und Gebauhr in Königsberg zu den größten Klavierherstellern Preußens.
Auszug aus dem Bericht über die Pariser Weltausstellung im Jahre 1867:
"In Deutschland waren in der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts namentlich
die österreichischen Firmen berühmt, da die übrigen deutschen: Härtel, Schambach,
Irmler in Sachsen, Stöcker, Kisting, Perau, Bessalié, Gebauhr, Eck, Braun, Schiedmayer,
Dörner, Lipp, Ritmüller u.s.w. wohl kaum eine wirklich neue, eigene Erfindung aufzuweisen hatten."
(Paul, Geschichte des Klaviers)
Die Nachweise in der "Zeitschrift für Instrumentenbau" beginnen mit einem Nachruf:
Am 9. Mai 1881 starb "der Nestor des Instrumentenbaues in den östlichen Provinzen,
der Commerzienrath C. J. Gebauhr." Man würdigte seinen Werdegang: "Carl Julius Gebauhr
wurde am 9. Februar 1809 in dem Kirchdorfe Hafstrom in nächster Nähe von Königsberg
geboren, wo sein Vater Pfarrer war. Er besuchte das hiesige Altstädtische Gymnasium,
um dann einen seinem praktischen Sinn entsprechenden Lebensberuf zu wählen. Den Versuch,
die Handlung (?) zu erlernen, gab er auf, da dieser Beruf seinen Neigungen nicht entsprach.
Als Vorbereitung zu dem von ihm nun gewählten Instrumentenbau erlernte er einige Zeit die Tischlerei und trat dann in die Fabrik des im Jahre 1855 verstorbenen Königl. Hofinstrumentenmachers J. F. Marty hierselbst. Nach gründlicher Erlernung des Instrumentenbaues lebte Gebauhr von 1832 bis 1834 als Klavierstimmer und war als solcher ungemein gesucht. Er erinnerte sich noch in jüngster Zeit oft und gern jener Periode seines Lebens, die mit der Erweiterung seine Umgangskreises nicht wenig zur Erwerbung tiefer Weltkenntnis und reicher Erfahrungen beigetragen hat. Im Jahre 1834 errichtete er eine eigene Werkstätte mit zwei Gesellen. Erwähnenswert dürfte sein, dass der erste dieser beiden Gesellen auch bis heute (1881) noch ununterbrochen in der Fabrik thätig ist und jetzt als Holzpfleger beschäftigt wird. Erst allmälig und auf solidester Grundlage erweiterte sich das anfangs so bescheidene Geschäft und 1841 arbeitete Gebauhr mit 10 Gesellen, nachdem er sich 1839 verheirathet hatte.
1841 kaufte er das grosse Grundstück [...] und darf die Bemerkung wohl hier einen
Platz finden, dass der Erwerb dieses Grundstückes der einzige Moment im Leben Gebauhr`s
war, bei dem ihm wirklich das Glück zur Seite gestanden hat. Alle übrigen Erfolge sind
nicht durch die Gunst des Zufalles, sondern durch eigene Tüchtigkeit und eiserne Energie
errungen." Eine Dampfmaschine mit 15 PS stellte er auf, "mit welcher eine Fournierschneidemühle
mit 4 Gattern, 3 Fraistische, Band- und Kreissägen und hauptsächlich die Apparate zur
Herstellung der einzelnen Mechaniktheile getrieben wurden. Der immer umfangreicher werdende
Umsatz der Instrumente erforderte endlich 1857 eine Vergrößerung des Hauptgebäudes, welchen
dann alsbald der Neubau des Fabrikgebäudes folgte." Ein neues großes, dreistöckiges Fabrikgebäude
für "ca. 100 Hobelbänke" wurden erbaut. Die freiwerdenden Räume wandelte er um in Magazine,
immerhin mit 10 Sälen. "In dem neuen Fabrikgebäude treibt ein Gaskraftmaschine 2 Eisen- und
2 Holzdrehbänke, 1 Eisen- und eine Holzbohrmaschine, eine Schraubenschneidemaschine, eine
Bespinnmaschine, eine Bandsäge und einen Aufzug.
In demselben Gebäude befindet sich auch eine Lackirwerkstätte. Ein eignes Gebäude
für die Schlosserei, in der sechs Gesellen beschäftigt sind, war schon früher errichtet." Hölzer
wurden verwendet, "die mindestens 3 Jahre lang der Luft ausgesetzt gewesen und daher vollständig
ausgetrocknet sind. [...] Resonanzholz wird in gleicher Weise behandelt, blieb aber volle fünf
Jahre an der Luft." 1881 arbeiteten ungefähr 120 Arbeiter unter "vier Werkführern [...] und
durch diese Anzahl und die Ausnutzung der zahlreichen Maschinen ist die Leistungsfähigkeit
der Fabrik so gesteigert, dass sie bis 2 Instrumente täglich fertig zu schaffen im Stande ist.
Dieser bedeutende Umsatz erfolgt nicht nur nach Deutschland, sondern auch nach ausserdeutschen
Ländern, nach Amerika, Australien und Indien. Die vorzüglichen Instrumente der Gebauhr'schen
Fabrik sind wiederholt bei Weltausstellungen prämiert, so 1852 bei der Ausstellung in London,
1872 in Moskau, 1873 in Wien, 1880 bei der Provinzial-Ausstelung in Bromberg und jüngst in
Melbourne 1881."
Seine Verdienste sind vom Staate "durch die Verleihung des Titels `Commerzienrath` und des Königl. Kronenordens anerkannt." ...
1907 hatte die Firma "C. J. Gebauhr" ihr Grundstück auf der Königsstraße verkauft und gedachte, "ihre Fabrik in einen auf der Plantage zu errichtenden Neubau zu verlegen." ...
Der Sohn des Gründers, Julius Gebauhr, starb am 25. Juli 1913. Ihm wurde in der "ZfI"
ein Nachruf gewidmet:
Julius Gebauhr wurde am 23. September 1852 in Königsberg geboren. Er besuchte das
Gymnasium und wollte sich dem Jurastudium widmen. 20jährig meldete er sich freiwillig
bei den "Wrangel-Kürassieren" und wurde später bei dem Regiment auch Reserveoffizier.
"Dann begann für Julius Gebauhr die praktischen Studien als Klavierbauer, die äußerst
gründlich und vielseitig waren. Nachdem er in einer schlesischen Klavierfabrik und
später auch bei Ruschpler in Dresden den Klavierbau erlernt hatte, ging er im Jahre
1875 nach Amerika, um die amerikanische Klavierfabrikation und verschiedene der dortigen
Fabriken, darunter auch die von Steinway & Sons, in ihren Einrichtungen kennen zu lernen.
Wieder nach Königsberg zurückgekehrt, wurde er im Jahre 1877 vom Vater als Prokurist in
die Firma aufgenommen, die er von da an auch selbständig leitete."
Nach des Vaters Tod übernahm er die Fabrik. "Er gab der Fabrik eine moderne Richtung, wobei ihm seine Erfahrungen, die er im Auslande gemacht hatte, sehr zustatten kamen. [...] Neben dem Export nach Russland und dem heimischen Absatz entwickelte sich ein besonders reger Geschäftsverkehr mit London, wo die Instrumente [...] bereits im Jahre 1851 prämiert worden waren." Zusätzlich zu den oben erwähnten Prämierungen erhielten die Gebauhr´ischen Instrumente weitere Auszeichnungen 1892 und 1895 in Königsberg.
Zu seiner Beerdigung erwiesen ihm ein großes "Trauergefolge aus allen Schichten der Bevölkerung" die letzte Ehre. "Er war einer der besten Bürger der Stadt, der sich dem Gemeinwohl in größter Selbstlosigkeit widmete. Die stattlichen Gebäude am Schlossteich, die Stadthalle, ist ihm zu danken; an ihrer Entstehung hat er gearbeitet, und sie ist ein stummer Zeuge von der Liebe des Entschlafenen zur Stadt. [...] Leider wird die altangesehene, nun bald 80 Jahre bestehende Gebauhr´sche Fabrik aufgelöst werden müssen, falls sich kein Käufer dafür findet, da alle drei Söhne des Verblichenen andere Berufe ergriffen haben und deshalb kein Nachfolger im Geschäft vorhanden ist." Mit seinem Tod ging die Geschichte der Pianofortefabrik zu Ende. ...
"Fabrik und Firma werden im Aug. 1913 zum Verkauf angeboten, im Nov. 1913 wird die
Firma als noch bestehend, im Dez. 1913 als ehemalig bezeichnet."
(Henkel, Klavierlexikon)