Knake, Gebrüder

Hof-Pianoforte-Fabrik in Münster i.W.
1808 – 1930

1808 baute J. B. Knake in der Bauerschaft Leblick, Kirchspiel Heyden, sein erstes Tafelklavier. Der Sohn des Begründers, Bernhard Knake, kehrte nach seiner Wanderschaft in den väterlichen Betrieb zurück. Seine Fabrikate wurden derart verbessert, daß er vom Bau von Tafelklavieren zum Bau von Flügeln und Pianinos übergehen konnte, die er in Münster ausstellte. 1851 wurde die Fabrik nach Münster, „auf die Rotenburg“, verlegt. Auch dort wurden die Räume zu eng und es wurde eine größere Fabrik im Bispinghof 15/16 gebaut, dort war die Firma bis zum Verkauf 1917 ansässig. Die Pianos und Flügel zeichneten sich besonders durch einen soliden Bau, vorzügliche Stimmhaltung und edlen Toncharakter aus. 1896 übertrug B. Knake (gest. 1903) das Geschäft seinem Sohne Hermann Knake (geb, 1. Januar 1859). Die Spezialität der Firma war die Produktion von tropenfesten Flügeln und Pianinos; exportiert wurde „nach allen Ländern der Erde.“
Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde der „kleinste symmetrische Flügel, 145 cm, der Welt“ gebaut. Hermann Knake, Vertreter der dritten Generation, starb im Alter von 49 Jahren am 3. September 1908, wenige Monate vor dem 100jährigen Jubiläum, am 12. Dezember dieses Jahres. Damit verlor die Firma den einzigsten technischen Mitarbeiter. H. Knake hinterließ zwei Söhne, Bernhard, der Chemie studierte und Hermann jun., der im väterlichen Betriebe Klavierbauer lernte. Beide Söhne wurden Opfer des Weltkrieges.
1922 aber wurde die Fabrik zu Schulzwecken verkauft. Der Name „Gebr. Knake“ wurde von dem Kaufmann Oskar Schräder übernommen und er richtete in der Bahnhofstr. 28 ein Pianomagazin ein. „Zwar ist auf diese Weise der Öffentlichkeit der Name Knake in einer Pianohandlung erhalten geblieben, jedoch der Fabrikationszweig des Werkes und dessen Firmierung ist eine andere geworden.“
Die Geschichte der weltbekannten Pianofabrik ging allerdings eine kleine Zeit auf eine besondere, eigentümliche Art weiter. 1923 wurde in der Lotharinger Str. 23 – 25 eine Pianofabrik A.-G. „Hanemann & Stollmann“ gegründet (Max Hanemann, ehem. Fabrikleiter der Pianofabrik Gebr. Knake). In dem Gebäude befand sich früher eine Korbwarenfabrik und zu diesem Zeitpunkt „Hochherz Erben“. In den gesamten oberen Räumen war die Pianofortefabrik untergebracht, unter ihr befand sich das Ofen- und Haushaltsgegenstände-Engros-Lager der Firma Radzuhn Nachf.
1926 wurde gemeinsam mit diese Pianofabrik und mit der Pianohandlung „Gebr. Knake“ eine neue „Gebr. Knake Pianofortefabrik GmbH“ gegründet. Unter diesen Namen wurden neue Klaviere hergestellt, Gesellschafter der GmbH war Walter Stollmann. Die neue Firma produzierte 9 Flügel- und 5 Pianomodelle nach eignen Entwürfen. Oskar Schräder brachte ein Teilmodell und das Modell 136 der alten Firma ein. Klavier der neuen „Gebr. Knake Pianofortefabrik GmbH“ wurden mit dem Gründungsjahr 1808 und mit Abbildungen der Auszeichnungen und Werbeschriften der alten Firma versehen. Es entstand der Eindruck, die neuen Klaviere wären von „altbewährter Qualität“. Es kam zu einer gerichtlichen, einstweiligen Verfügung mit dem Ergebnis, daß die neue Firma Abbildungen u. a. der alten Firma nicht verwenden dürfte, da „kein innerer organischer Zusammenhang besteht“. Einzigster Zusammenhang war lediglich die Übernahme von 12 Arbeitern aus der alten Firma, das Teilmodell, das Modell 136 und die Bezeichnung „Gebr. Knake“. 1930 wurde im Handelsregister eingetragen, daß die Firma „Gebr. Knake Pianofortefabrik GmbH“ geändert wurde in „Klavierhandelsgesellschaft mbH“. Es ist anzunehmen, daß Klaviere der „neuen“ Firma lediglich bis 1930 hergestellt wurden.