Schug & Söhne

Klingenthal, 1922 – 1956

Gab es im vogtländischen Musikwinkel Klingenthal eigentlich auch eine Pianofortefabrik, wo doch der Himmel voller Geigen, Gitarren, Zittern und Flöten hing?

In einer Zeit, in der nur noch wenige Klavierfabriken neu gegründet wurden, überrascht die Meldung aus dem Jahre 1922: „Die Firma Rudolf Schug & Söhne, Zitherfabrik in Klingenthal i. Sa., hat vor kurzem die Pianofortefabrikation aufgenommen“. Schon wenige Monate später wurde die Firmenbezeichnung geändert in
„Erste Klingenthaler Pianofortefabrik Rudolph Schug & Söhne“.
1923 zur Leipziger Herbstmesse, stellte die Firma „ein reichhaltiges Sortiment ihrer Musikinstrumente“ aus. Sie bringt „diesmal besondere Qualitätsinstrumente in Pianos, auf deren Innenbau die größte Sorgfalt verwendet ist“.
Neben erstklassigen Pianos waren „Zithern, Akkordeons sowie sämtl. Musikinstrumente“ ausgestellt.

Am 20. Juni 1925 verstarb Herr Rudolf Schug im Alter von 62 Jahren. Wer war der Klavier- und Musikinstrumenten-Fabrikant Rudolf Schug?
Im März 1864 erblickte er in Markhausen in Böhmen (heute Pomezná, Tschechien, nur wenige Kilometer von Klingenthal entfernt, ein Ort, der nach dem Zweiten Weltkrieg dem Erdboden gleichgemacht wurde) das Licht der Welt, besuchte dort die Schule. „Nach Beendigung der Schulzeit war er in der Musikindustrie tätig und eignete sich hier alle praktischen Kenntnisse an. Mit seinen Ersparnissen machte er sich im Jahre 1884 in Klingenthal i. Sa. selbständig. Er gründete die Firma Rudolf Schug und fabrizierte anfangs mit ganz bescheidenen Mitteln Akkordeons.
Im Jahre 1908 erwarb sich Rudolf Schug ein eigenes Grundstück mit Fabrikgebäuden, das er mit den neuesten Holzbearbeitungsmaschinen einrichtete. […] Trotz des Aufschwungs, den er nach wenigen Jahren mit seinem Geschäft zu verzeichnen hatte, blieb Rudolf Schug, der in allen Kreisen beliebt und geschätzt war, der anspruchslose, schlichte Charakter wie früher.
Im Jahre 1920 wurde der Betrieb wiederum bedeutend vergrößert und mit den neuesten, modernsten Maschinen ausgestattet. Zugleich wurde die Fabrikation von Pianos eingerichtet, womit ebenfalls in kurzer Zeit die besten Erfolge erzielt wurden. 1921 traten die beiden Söhne Hugo und Max Schug als Mitinhaber in das Geschäft ein. Die Firma wurde geändert in ´Erste Klingenthaler Pianofortefabrik Rudolf Schug & Söhne, Klingenthal i. Sa.´ und handelsgerichtlich eingetragen.

„Die Firma genoß auch im Pianobau in kurzer Zeit Ansehen, und ihre Pianos wurden bald beliebt und bekannt. So daß die Firma jetzt auch darin einen guten Absatz hat. – Der Verstorbene war bis zum letzten Tag unermüdlich im Betrieb tätig, sein ganzes Leben war ein arbeitsreiches“. Die Söhne führten die Firma weiter, ihr Ziel war, „den bisherigen guten Ruf und das Ansehen der Firma auch weiterhin zu wahren“.
Wesentliches gab es weiterhin kaum, lediglich zu den Leipziger Messen präsentierte sich die
Erste Klingenthaler Pianofortefabrik.
Nach dem Zweiten Weltkrieb blieb die Firma in Privathand. Ab 1956 zu 60% halbstaatlich – was heißt das? Das private Eigentum sollte in der damaligen DDR in sozialistisches Eigentum übergehen.
Am 14. April 1972 ging der halbstaatliche Betrieb ganz in sozialistisches Eigentum über, es wurde der VEB SCALA gegründet.