Sponnagel

Eduard Sponnagel

Liegnitz, gegr. 1894

Liegnitz, heute Legnica, ist eine Stadt in der Woiwodschaft (Provinz) Niederschlesien in Südwestpolen, die von Breslau etwa 60 km westlich und von Görlitz ca. 80 km östlich entfernt liegt. Liegnitz gehörte zur preußischen Provinz Schlesien und bis 1945 zur (Teil-) Provinz Niederschlesien.
Nach 1945 kam die gesamte Provinz unter polnische Verwaltung, die deutsche Bevölkerung wurde bis auf wenige Ausnahmen vertrieben und die neuen Bewohner waren ebenso Heimatvertriebene aus Ostpolen. […]

Eduard Sponnagel wurde ab August 1894 alleiniger Inhaber und änderte seine bisherige Firma „Selinke & Sponnagel“ in „Eduard Sponnagel, früher Selinke & Sponnagel“.[…]

Anzeige der Fa. SponnagelZur Weltausstellung 1900 in Paris stellte Sponnagel seine Instrumente unter seiner neuen Firma aus. […] Im Juli 1904 fand eine Ausstellung für Handwerk und Kunstgewerbe in Breslau statt. Die Klavierfabriken waren nur mit drei Firmen vertreten, so dass ein Wettbewerb in dieser Branche ausblieb. Ed. Sponnagel stellte „drei Instrumente nach eigenartigen Original-Entwürfen“ aus. Zum Beispiel ein Stutzflügel mit einer Länge von 1,80 m, „ist mattschwarz gehalten, mit Einlagen aus Korallenholz (Mäander)“. Ein Piano war in „Alt-Mahagoni, Modell-Nr. 7, 1,30 m hoch, ebenfalls in moderner Ausführung […] zeigt das Gehäuse ganz frei von äußerem Schmuck“.
Das andere Piano „in Polisander, matt, Modell 5 B, 1.30 m hoch, ist mit prächtiger Marketerie-Arbeit in Silhouetten-Art ausgestattet […] Das Klavier war bereits für die internationale „Cape Town Industrial Exhibition“ vorgesehen, fand aber gleich nach Schluß der Ausstellung in Deutschland einen Liebhaber, während das zuerst genannte Pianino in Holland seine Bestimmung erhielt“. […]

Am 16. Mai 1907, starb im Alter von 61 Jahren Eduard Sponnagel nach langer schwerer Krankheit.
Portrait SponnagelWer war eigentlich dieser Ed. Sponnagel? Auf einem Rittergut in einem kleinen Ort im Kreis Thorn (von 1829 bis 1878 zur Provinz Preußen gehörend) erblickte er am 18. September 1847 das Licht der Welt. […] Seit 1892 war er Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Vereins Deutscher Pianofortefabrikanten. Nach seinem Tode ging die Fabrik in den Besitz der Witwe, Frau Lina Sponnagel über. „Die Berufsgenossen werden dem Verblichenen, der stets seine Kräfte in uneigennütziger Weise und treuer Hingebung in den Dienst der Allgemeinheit stellte, dankbaren Herzens für alle Zeiten ein ehrendes Andenken bewahren“. […] Das „Diplom für hervorragende Leistungen“ erhielt die Firma auf der „Ostdeutschen Ausstellung“ in Posen im Jahre 1911. […] Herr Arthur Franke, der in Rathenow wohnte, hatte 1919 die Sponnagelsche Fabrik käuflich erworben und firmiert unter: „Arthur Franke, Sponnagel Nachfolger“. […]

Kurze Messeberichte:

Zur Herbstmesse 1924 war ein Flügel, 1.85 m „und eine gedrängte Auswahl ihrer beliebtesten und gangbarsten Modelle“ zu besichtigen.
Frühjahrsmesse 1925: „.. ein Piano von 130 cm Höhe in einer besonderen geschmackvollen Ausstattung“.
Herbstmesse 1925: „… und außerdem von ihrer Schwesterfirma J. Gerstenberger, Hofpianofortefabrik in Liegnitz, eine gedrängte Auswahl leicht verkäuflicher Piano-Modelle. Die Instrumente sind bei erstklassiger Ausführung sehr preiswert“. […]

Sponnagel 1920
1920

Die Liegnitzer Pianofabrik J. Gerstenberger ging 1925 in den Besitz von Herrn Franke über. […] Wieder eine Veränderung: Die Fabrik wurde von Liegnitz nach Panten, einem Vorort von Liegnitz, verlegt. „Die Hauptfabrikation befindet sich wie bisher in Pohlschildern […] und in Panten die Fertigmacherei und der Versand. Die Verlegung des Unternehmens bedeutet ein weiteres Glied in der Rationalisierungs-Bestrebung. Der alte Stamm geübter Fachleute wird auch in Panten beibehalten, so daß die Qualität der Erzeugnisse in keiner Weise in Frage gestellt ist“. […]

„Liegnitzer Klaviere und Flügel haben den Ruf deutscher Wertarbeit nach Italien, Skandinavien, der Schweiz ebenso getragen wie nach den Philippinen, nach Südafrika und Aegypten, wie überhaupt in alle Welt. Selbst nach Japan hat man noch vor kurzem Klaviere geliefert“, so berichtet ein Artikel aus dem Jahre 1935. […]

Im Januar 1937 brannte die Möbelfabrik Pfitzner & Maetschke in Haynau (Kreis Liegnitz) ab. Darauf hin wurde die Pianofabrik „Franke-Sponnagel & Gerstenberger“ gekauft, sie galt „eine der ältesten Firmen der gesamtdeutschen Pianoindustrie […] Die großen Fabrikanlagen gestatten die Ausübung des Möbelfabrikbetriebes ohne jegliche Beeinträchtigung des Pianobaues“. Der Wiederaufbau der abgebrannten Möbelfabrik wurde nicht geplant. Die „Vereinigten Pianofabriken Franke-Sponnagel & Gerstenberger, Sitz Panten“ wurde 1939 gelöscht.