Römhildt, Louis

Pianofortefabrik in Weimar, 1845 – 1933

Weimar – die Hauptstadt Thüringens? Doch, – 1920 wurde Weimar die Hauptstadt des neugegründeten Landes Thüringen, nachdem 1919 durch die Annahme der Weimarer Verfassung die erste deutsche Demokratie, die „Weimarer Republik“, gegründet wurde. Inzwischen wurde Erfurt die Hauptstadt Thüringens. Aus Weimar wurde eine „Europäische Kulturstadt“. Mit Recht – Lucas Cranach – Johann Sebastian Bach – Johann Wolfgang Goethe – Friedrich Schiller u.v.a. Nicht zu vergessen:

Franz Liszt, von manchen Klavierbauern gefürchtet, weil nicht jedes Instrument seiner Spielweise standhielt. Kannte der Hofkapellmeister des Großherzogs Sachsen-Weimar die Werkstadt von Louis Römhildt?

Louis Friedrich Römhildt wurde 1817 geboren, kam 1839 nach Weimar und machte sich 1845 dort selbständig. Zunächst allein oder mit einem Gesellen arbeitend, entstand erst unter seinem Sohn, Carl Max Louis Römhildt, eine Fabrik. (Henkel)

Im Nov. 1880 wurde das 500 Instr. hergestellt.

Zu einer Ausstellung 1881 in Halle meldete Römhildt 2 Pianinos an, in Nordhausen stellte L. Römhildt 1 Konzert-Pianino aus.

Der Gründer L. Römhildt starb 1890. Wie weiter mit der Firma?

„Das Geschäft des verstorbenen Hof-Pianofabrikanten L. Römhildt in Weimar befindet sich jetzt in Liquidation. … Wenn sich ein Käufer findet, soll die Fabrik im vollen Umfange verkauft werden. […] Das Geschäft wird infolge Beschlusses der Gläubiger-Versammlung weiter geführt werden, um es entweder zu liquidieren oder am liebsten zu verkaufen“.

Das Amtsgericht teilte ein Jahr später mit, dass die „Römhildt-Pianofortefabrik A.-G.“ im Handelsregister eingetragen wurde, Oscar Schemelli wurde 1896 kaufmännische Leiter.

„Die äußerst starke Nachfrage nach deutschen Klavieren auf dem Weltmarkte, die im vergangenen Jahre zu konstatiren war immer noch im Zunehmen begriffen ist, hat verschiedentlich Erweiterungen der Fabrikbetriebe nothwendig gemacht. So sieht auch die Römhildt Pianofortefabrik A.-G. in Weimar gezwungen, um den außergewöhnlichen Anforderungen gerecht werden zu können, eine bedeutende Erweiterung ihrer gesammten Fabrikanlage vorzunehmen“. Eine ganz neue, große vierstöckige Fabrik mit Dampfbetrieb und mit einer entsprechenden Holz-Trocknungsanlage wurden von Aktionären der Firma finanziert. „Eine Kommission von vier Personen, darunter die beiden Herren Direktoren Schemelli und Vetterling, studirt gegenwärtig die Betriebseinrichtung größerer Pianofabriken und verwandter Branchen, um die Neuanlage den Anforderungen der modernen Technik entsprechend zu gestalten“.

Der Neubau war 1897 in der Ettersburger Straße geplant.

Welche Gründe zu folgender Meldung führten, ist nicht bekannt:

1. Nov. 1897: „Die Römhildt Pianofortefabrik A.-G. in Weimar ersucht uns um Bekanntgabe, dass sie die ihr auf der Sächs.-Thüring. Industrie- und Gewerbe-Ausstellung in Leipzig zuertheilte silberne Medaille abgelehnt hat“.

Ein Jahre später erhielt Oscar Schemelli, „Director der Römhildt Pianofortefabrik A.-G. in Weimar“, laut Dekret vom 30. Juni den Titel „Groß-Königl. Sächs. Hof-Pianofabrikant“.

1899 wurde im Weimarer Handelsregister eintragen: Durch Beschluss der Generalversammlung lautete die Firma: „Römhildt-Pianofortefabrik Aktiengesellschaft zu Weimar“. Kurze Zeit später wurde Paul Neuschild Mitglied des Vorstandes der A.-G.

Bei einer Generalversammlung im Dezember 1900 des Vorschuß- und Sparvereines in Weimar – der die meisten Aktien der Römhildt-Pianofortefabrik A.-G. besaß – wurde eine Debatte geführt, „die für viele Leser Ihres Fachblattes von gewissem Interesse sein dürfte“. Über diese Versammlung schrieb die in Weimar erscheinende Zeitung „Deutschland“ wörtlich folgendes:

„… Die Sitzung dürfte in den letzten Jahren keine Vorgängerin gehabt haben mit gleich erregten Debatten. Nur einige wenige Punkte … konnten erledigt werden, da die übrige Zeit von der Diskussion über die erfolgten Angriffe des früheren Direktors der Römhildt’schen Pianofortefabrik Schemelli in Anspruch genommen wurde“. Die Vorgeschichte: Römhildt war ein Aktienunternehmen, fast alle Aktien befanden sich in den Händen des Sparvereines. Der Sparverein wollte die Aktien zur Einführung in die Börse bringen. Unterhandlungen wurden geführt mit der Dresdener Bankfirma Ed. Brocksch Nachf. Dazu gehörte die Unterschrift durch den Vorstand der Fabrik oder die Gesellschaft. „Herr Schemelli gedachte nun, bei dieser Gelegenheit sich selbst Vorteile verschaffen zu können, und als ihm die Gewährung solcher vom Vereinsvorstand versagt blieb, verweigerte er seine Unterschrift für den fraglichen Zweck. Indeß, was Direktor Schemelli nicht that, das thaten Andere, und die Sache kam trotz seiner Weigerung in Fluß. Daraufhin wandte sich Herr Schemelli brieflich an die genannte Bank, um dieselbe zu bewegen, das Geschäft mit den Aktien abzulehnen. Um sein Ziel leichter erreichen zu können, ließ er einfließen, dass die Absicht des Vereins unredlich wäre, wie auch in Privatbriefen an hiesige einflussreiche Mitglieder des Vorschussvereins die Worte ‚Schwindel, Betrug´ u. dergl. einander jagen. Infolgedessen schwebt gegenwärtig eine Reihe von Beleidigungsklagen gegen Direktor Schemelli. Dieser kündigte durch ein an auffälliger Stelle in unserer Zeitung veröffentlichtes Inserat an, dass er bitte, an der nunmehr stattgefundenen Generalversammlung des Sparvereins teilnehmen zu dürfen, da er wichtige Mitteilungen zu machen habe. Die ‚Mitteilungen´ gipfelten in ungerechtfertigten Angriffen gegen die Vereinsleitung wegen der oben besprochenen Vorgänge… Direktor Schemelli machte dem Vorschussverein auch wegen einer ganzen Serie früherer Maßnahmen …Vorwürfe, obgleich er seiner Zeit sein Einverständnis mit jenen Handlungen, teilweise sogar schriftlich, gegeben hatte“. Nach der zweistündigen Rede von Schemelli nahmen der „Kassirer“ und der Kontrolleur des Vorschussvereines das Wort, „um in je einstündiger Rede die Anklagen … unter Beifall gebührend zurückzuweisen und die Handlungsweise des Vereinsvorstandes als völlig korrekt darzustellen“. Der Direktor des Vorschussvereines verlas einige Originalbriefe von Schemelli, die „ein bezeichnetes Licht auf die Thätigkeit und die Person ihres Urhebers werfen.

‚Zur Leitung einer solchen Kunstbranche gehören eine ganze Reihe besonderer Eigenschaften. Zufällig finden sich dieselben bei mir vereinigt (freilich nicht ohne harte Arbeit von frühester Jugend an). Wenn daher Professoren und erst Händler innerhalb Europas versichern, dass mein Auftreten in der Branche ein Ereigniß (!) sei, *) wie es seit 20 Jahren nicht dagewesen, so wird wohl etwas Wahres daran sein. Thatsächlich musste ich persönlich Bürgschaft leisten; von der Firma Römhildt wollte Niemand etwas wissen. – Es gelang mir, mit wenigen Ausnahmen, die ganze Konkurrenz zu überflügeln. Alle, selbst die früher berühmtesten Firmen, haben sich vor den in’s Riesenhafte wachsenden Häusern Blüthner, Bechstein, Steinway, Ibach u.s.w. zurückgezogen und verkaufen heute 100, 200, ja 300 Mark billiger als wir. Wo ist der Macher, der im Stande wäre, die Firma Römhildt in dem Geiste fortzuführen, wie ich sie bis jetzt geleitet? Ich kenne sie alle, es ist aber keiner darunter, der das Wagniß unternehmen könnte mit Aussicht auf Erfolg …. Warum erzähle ich Ihnen das Alles? Wegen fortgesetzter, unerhörter Rechsverweigerung und Wortbruches, wegen der ungeheuerlichsten Handlungsweise gegen mich, die weit und breit einzig in ihrer Art dastehen dürfte’.

Bei Verlesung der umfangreichen Briefe machte sich theils Entrüstung, theils Heiterkeit unter den Versammelten geltend, und schließlich erklärte Herr Schemelli, er werde ohne einen Pfennig Entschädigung mit Vergnügen aus dem Vorstand der Firma Römhildt austreten. Dieses Anerbieten wurde von den Versammelten mit großer Genugthuung aufgenommen“.

Seinem Wunsche entsprechend wurde Schemelli seines Amtes enthoben.

Der Kaufmann Albert Stadermann aus Hannover wurde Mitglied des Vorstandes.

“Man sollte es kaum für möglich halten, dass Herr Sch. sich zu der Behauptung versteigen konnte, sein Erscheinen in der Pianoforte-Industrie sei ein ‚Ereignis’ gewesen und er allein sei im Stande gewesen, die ‚ganze Konkurrenz zu überflügeln’. Herr Sch. mag vielleicht für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, dass die Römhildt’sche Fabrik unter seiner Leitung und begünstigt durch besondere glückliche Umstände emporgekommen ist, aber seine Fachkenntnisse haben dazu wohl das Wenigste beigetragen; denn Herr Sch. ist gelernter Kaufmann und hatte früher ein Strohhutgeschäft“.

Auf diesen Bericht folgte natürlich eine „Erwiderung“ von Oscar Schemelli.: Der Bericht „dürfte bei Allen, die mich in meiner nun ungefähr 16jährigen Thätigkeit für die Firma Römhildt kennen gelernt haben, von vornherein auf starke Zweifel an der Wahrheit … gestoßen sein“. In seiner Erwiderung legte er sich große Zurückhaltung auf, damit er sich nicht selbst schädigt. Er schilderte, wie er einer Spekulantengruppe „in die Hände gefallen“ war, sich ihr widersetzte und in der Folge „grobe Unwahrheiten“ durch die „Berichterstatter“ über ihn verbreitet wurden. Schemelli hatte z. B. seinen Austritt mehrmals gegen ein „Arrangement“ angeboten, das aber wurde nie angenommen.

Mitte des Jahre 1901 legte der kaufmännische Direktor Paul Neuschild sein Amt nieder.

In einem Spezialkatalog für England wurden eine neues Flügel- und zwei Pianino-Modelle, in einem weiteren Katalog vier Pianino-Modelle vorgestellt.

Einen weiteren Hofpianofortefabrikanten-Titel erhielt der Direktor Albert Stadermann von „Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog von Sachsen-Weimar“.

Kurz nach der Jahrhundertwende wurden pro Jahr reichlich 500 Instrumente hergestellt.

Im Oktober 1902 wurde im Handelsregister eingetragen, dass die Prokura des Kaufmannes Johannes Schmidt erloschen ist, dem Kaufmann Albert Tschirpe die Prokura erteilt.

Unter der Überschrift „Kritik“ wurden sehr wirkungsvolle Reklamen

der Römhildt-Pianofortefabrik A.-G. erwähnt. „Sie hat die Originalbriefe hervorragender Tonkünstler über Römhildt-Pianos, so z. B. von Franz Liszt, Hans von Bülow … in getreuer Wiedergabe des Originals als Faksimiles vervielfältigen lassen, und auf schwarz-glänzenden Pappkarton (mit Goldeinfassung und goldener Schrift) aufgezogen, in Form kleiner Plakate an ihre Kundschaft versandt …“

Immerhin wurden 8 Piano-Modelle vorgestellt, dazu „Ein Flügel im modernen Stile“.

Nachdem verschiedene Firmen „geschmackvolle moderne Entwürfe auf den Markt gebracht“ haben, wurde in Weimar ein Flügel im modernen Stile vorgestellt. Es war ein Originalentwurf des „bekannten Professors van der Velde, Direktors der Großherzogl. Kunstschule in Weimar, von dessen Werken in letzter Zeit so oft die Rede gewesen ist. Das Gehäuse ist ganz aus gebeiztem Rotbuchenholz, fleischfarbig, gearbeitet und mit Messingbeschlägen verziert. Das Instrument, das durch sein ebenso elegante wie gediegene Ausstattung besticht, wurde auf Bestellung der Besitzerin des Nietzsche-Archives in Weimar, Frau Dr. Elisabeth Förster-Nietzsche, in der Römhildt-Fabrik hergestellt. Es ist ein Kabinettflügel von 1,86 cm Länge …“

Der Vorstand berichtete über das Geschäftsjahr 1902/03: „… wiederum nur 1 Proz. Dividende zur Verteilung gelangen. Schuld sei die allgemeine Depression auf dem Weltmarkte einerseits und die Konkurrenz anderseits. Trotzdem sei der Umsatz im Berichtsjahre gestiegen, und man hoffe durch Erweiterung des Exportgeschäftes noch mehr zu erreichen. In England habe man nach langer Bemühung endlich Eingang gefunden, das übrige Ausland verhalte sich aber noch sehr zurückhaltend.“

Ein neuer Exportkatalog erschien 1904 in „deutsch-französisch-italienisch-spanischer Sprache“. Hier wurden 2 Flügel- und 11 Pianinomodelle vorgestellt, die meisten Modelle im Jugendstile, „ebenso ein reich ausgestattetes Empire-Modell“.

Nachdem schon einige Flügel-Modelle vorgestellt wurden, wagte sich Römhildt 1904 an die Herstellung eines Konzertflügel, mit der „außergewöhnlichen Länge von 2,70 m“. Zur Einweihung veranstaltete die Direktion „daselbst eine Matinee“ in dem Weimarer „Erholungssaale, “in welcher Herr Hofkapellmeister B. Stavenhaben, Groß. Sächs. Hof-Pianist, auftreten wird“.

Auf der Gewerbe- und Industrie-Ausstellung 1905 in Hildburghausen wurde die Firma mit der höchsten Auszeichnung, der goldenen Medaille prämiert.

Anderseits aber lehnte sie „das ihr 1906 auf der Dresdner Kunstgewerbe-Ausstellung zuerkannte Diplom für die silberne Medaille“ ab.

Wiederum erhielt 1908 die Firma eine „Goldene Medaille“ verliehen, diesmal von der Jubiläumsausstellung des Gewerbevereins Weimar.

Nachdem Franz Kaub 1909 aus dem Vorstand ausschied, um sich in’s Privatleben zurückzuziehen, wurde dem Kaufmann Max Banse Prokura erteilt.

Die Alleinvertretungen der Firma Römhildt in London übernahm die Firma Breitkopf & Härtel.

Das Weimarer Stadtmagazin befand sich bei dem Buch- und Kunsthändler Hermann Große, Schillerstr. 9, dort war der neue Kunstspielapparat „Virtuos“ ausgestellt.

Die Römhildt-Pianofortefabrik A.-G. beabsichtigte 1910 „eine wesentliche Erweiterung ihrer Anlagen, so dass in Zukunft an Stelle von 150 Arbeitern 200 beschäftigt werden können. Die Produktion an Pianos und Flügeln hat sich gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt“.

Die Erfurter Filiale wurde 1910 „von Anger 10 nach den bedeutend größeren Räumlichkeiten Neuwerkstr. 7“ verlegt.

Der Aufsichtsrat beschloss die Ernennung eines „neuen Vorstandsmitgliedes in der Person des Direktors Herrn Theodor Nagel aus Charlottenburg“. Er führte die Geschäfte mit dem bisherigen Leiter, Herrn Direktor Stadermann weiter.

Die Interessengemeinschaft zwischen der Römhildt-Pianofortefabrik in Weimar und der Firma K. Heilbrunn Söhne in Berlin (1875 gegr.) bestand darin, „dass die Firma Heilbrunn ihren Kunstspielapparat Salon-Virtuos und ihre anderen selbstspielenden Piano-Einbau-Apparate in die Pianos und Flügel der Firma Römhildt einbaut, während Römhildt den Vertrieb der selbstspielenden Pianos (für Thüringen) übernommen hat“. Auf der letzten Weltausstellung in Brüssel erhielt die Firma K. Heilbrunn Söhne für ihren Kunstspielapparat Salon-Virtuos den Grand-Prix. „Die Vorteile dieser Interessengemeinschaft waren so außerordentlich, dass im Laufe der Jahre der Gedanke einer vollständigen Fusion der beiden Unternehmungen mehr und mehr Wurzel fasste und jetzt zur Ausführung gebracht ist. Nach einem zwischen“ beiden Firmen „abgeschlossenen Vertrage tritt eine vollständige Vereinigung beider Betriebe unter der Firma

Römhildt-Heilbrunn Söhne, A.G.’

ein“. Die bewährten Leiter wollen auch weiterhin ihre Kräfte „dem vereinigten neuen Unternehmen widmen und sind durch langjährige Verträge verpflichtet. Aber nicht nur das Fabrikationsgeschäft Heilbrunn Söhne in Berlin, sondern auch die von dieser Firma unterhaltenen und in bester Entwicklung begriffenen Niederlagen in Hamburg, Brüssel und Paris, wozu in nächster Zeit Petersburg tritt, werden dadurch mit der Römhildt-Pianofortefabrik vereinigt und erweitern das Absatzgebiet. […] Beide Unternehmen sind mit sehr reichlichen Aufträgen auf lange Zeit versehen“.

Ergänzend zu obigen Informationen wurde mitgeteilt, dass zu der neuen Firma auch die Zweigniederlassungen in Hamburg und Brüssel gehörten. „Der Seniorenchef und Begründer der Firma K. Heilbrunn Söhne, Herr W. Heilbrunn, wird Mitglied des Aufsichtsrates der Gesellschaft, während die weiteren Mitinhaber … Herr Simon Blüth-Berlin, Herr Siegmund Blüth-Hamburg in den Vorstand der Gesellschaft eintreten“. Weitere Personalveränderungen wurden mitgeteilt. Zu bemerken ist noch, „daß die Betriebe sowohl in Weimar als in Berlin in der bisherigen getrennten Weise fortgeführt werden“.

Aber schon sehr kurze Zeit später wurde ein andersklingender Artikel laut:

„…die Römhildt-Pianofortefabrik Weimar, seit 1. Juli firmierend ‚Römhildt-Heilbrunn Söhne A.-G.’ in Weimar … hat unserer Branche diese allerneueste Ausgeburt des Vertriebes von Musikinstrumenten auch beschert. Kaum wenige Tage nach Übergang der Römhildt-Fabrik in die Hände von Heilbrunn Söhne erschienen bereits eine ganze Reihe großer Inserate … von denen wir … nur eines zum Abdruck bringen:

Zwar verstößt Römhildt-Heilbrunn Söhne nicht gegen das Wettbewerbsgesetz, „wohl aber sind sie der beste Weg, den soliden Klavierverkauf ganz empfindlich zu schädigen und das Ansehen unserer schönen Kunstbranche auf ein niedriges Niveau herabzubringen. Und sehr zu verurteilen ist es, wenn eine Fabrik von Klavieren, deren Abnehmer vorwiegend der Klavierhändler ist, es unternimmt, dem gesunden und soliden Instrumentenhandel durch eine Art, Verkäufe zu ermöglichen, entgegenzuarbeiten, die in dieser Branche mit Recht verpönt ist und gar nicht streng genug verurteilt werden kann. Wiederholt schon hätten die verschiedensten Römhildt-Reklamen und in Fach- und Tagesblättern erschienene Bekanntmachungen über die Firma Römhildt und ihre Fabrikate, die mehr als bloße Übertreibungen enthielten, energischer Einsprache verdient, aber des lieben Friedens willen ließ man all diese unwidersprochen gewähren. Nur eines soll am Schluß dieses noch Erwähnung finden: Die Fabrik ‚Römhildt-Heilbrunn Söhne’ bedient sich in ihren Inseraten der Titel ‚Hof-Pianofortefabrik’ und ‚Großherzogl. Sächs. Hof-Lieferanten`, obschon die neue Firma doch keinen dieser Titel besitzt und demnach auch kein Recht hat, sie zu führen.

(Unterschrift:) Die Inhaber der vier ersten Klavierhandlungen in Weimar“.

Im Weimarer Handelsregister wurde am 9. April 1913 eingetragen: „… dass die Gesamtprokura des … Th. Nagel erloschen ist. […] Herr Franz Schandalik wurde für die Hauptniederlassung in Weimar zum Direktor ernannt“. Kurze Zeit später wurde Wilh. Pape in Weimar als weiteres Vorstandsmitglied „bestellt“ und eingetragen.

Weitere Veränderungen wurden 1915 im Handelsregister eingetragen: Die Prokura des Franz Schandalik erlosch und der Kaufmann Simon Blüth schied aus dem Vorstand aus, seine Vertretungsbefugnis wurde beendet.

Seit dem 6. Juni 1918 hatte die Firma ihren Namen geändert in:

„Römhildt-Aktiengesellschaft“.

Gegenstand des Unternehmens: Pianofortefabrikation „sowie anderer damit zu verbindenden Fabrikationszweige, die Herstellung und der Vertrieb musikalischer Werke …“

Zur Leipziger Frühjahrsmesse 1919 zeigte Römhildt „als besonderes Prunkstück einen herrlichen Flügel in Zitronenholz mit Virtuola-Einbau. Diese Holzart scheint jetzt sehr in Mode zu sein, denn allerwärts sah man die schöne, satte Orangefarbe desselben sich von den dunklen Kasten abheben“.

Die Ludwig Hupfeld A.-G. in Böhlitz-Ehrenberg „hat (1919) die Pianofortefabrik Römhildt A.-G. in Weimar erworben und sie zu einer Interessengemeinschaft mit sich verschmolzen“. Daraufhin berief die Verwaltung der Luwig Hupfeld A.-G. eine „ordentliche Generalversammlung“ nach Weimar ein, um den bisherigen Aufsichtsrat zu ergänzen. Gewählt wurden der Generaldirektor Ludwig Hupfeld und der Direktor Otto Tetzner (beide von Hupfeld).

Die Interessengemeinschaft bestand aber nur sehr kurze Zeit. Schon im April 1920 traten die Herren Hupfeld und Tetzner aus dem Aufsichtsrat aus. Dagegen traten zwei Herren aus Berlin, Karl Albrecht und Carl Bratz und der Weimarer Bankdirektor Günther Knaudt in den Aufsichtsrat der „Römhildt A.-G.“ ein.

Während Vorstand, Direktoren, ja sogar Firmenname geändert wurden, gab es doch ganz treue Arbeiter und Angestellte, die für 30, 40 und mehr Jahre ununterbrochener Arbeit mit dem Diplom der Handelskammer für ‚Treue in der Arbeit’, neben einem ‚ansehlichen’ Betrag von der Firma ausgezeichnet wurden.

Zur Leipziger Herbstmesse 1924 brachte Römhildt „außer ihren bekannten Modellen auch ihre beliebten Künstler-Wiedergabe-Instrumente ‚Virtuola’ in verschiedenen Ausführungen, wie Pedal mit persönlicher Pedal- und Hebelbedienung und selbsttätiger Nuancierung sowie kombiniert elektrisch und Pedal mit den verschiedensten Nuancierungsmöglichkeiten. […] Die Firma Römhildt gehört mit zu den ersten, welche Einbau-Pianos und –Flügel in verschiedenen Ausführungen auf den Markt brachten und es stehen ihr auf diesem Gebiete reiche, langjährige Erfahrungen zur Seite“.

Ein Jahr später kamen zur Herbstmesse neben bekannten auch „hervorragende Einbauinstrumente ‚Virtuola’, in 4 Arten spielbar, zur Ausstellung“.

Unter der Überschrift: ‚Zahlungseinstellungen‘ beantragt die Römhildt A.-G. 1931 beim Gericht die Eröffnung des Vergleichsverfahrens. Es wurde abgelehnt und das Konkursverfahren eröffnet.

Nachdem die „Römhildt-Piano-Verkaufsgesellschaft mbH“ in Erfurt aufgelöst wurde, bestand die Verkaufsgesellschaft in Hamburg zunächst weiter bis Anfang des Jahres 1933.

Eintragung im Handelsregister (1933): „Infolge Einstellung des Konkursverfahrens mangels Masse befindet sich die Gesellschaft in Liquidation“, nach Beendigung erlosch die Firma.

Bis zum Ende der Firma wurden ca. 20.000 Instrumente hergestellt.

Der Name „Römhildt“ wurde bis zum Ende der Deutschen Piano-Union, Leipzig, von ihr verwendet.

Quellen:

Zeitschrift für Instrumentenbau,

Lexikon Deutscher Klavierbauer, H. Henkel.